Erfolgreiche 800 Meter Geothermiebohrung in Hessen abgeschlossen

Erfolgreiche 800 Meter Geothermiebohrung in Hessen abgeschlossen_hier_Bohrloch der 800 Meter tiefen Geothermiebohrung in Hessen_Foto_HEAG Suedhessische Energie AG (HSE)Im hessischen Groß-Umstadt/ Heubach wurde jetzt die erste geothermische Tiefenbohrung in fast 800 Meter Tiefe erfolgreich abgeschlossen. Das Pilotprojekt des Darmstädter Energieversorger HSE wird zukünftig den neuen Produktionsstandort von Frenger Systemen BV durch ein oberflächennahes Erdwärmesondenfeld mit Kälte im Sommer und durch die jetzt fertiggestellte Tiefenbohrung mit Wärme im Winter versorgen.

Das Erdwärmekonzept ist nicht neu, nur in der Praxis wurde ein solches Projekt nur sehr selten wirklich umgesetzt. Dieses Risiko ist die HSE nun erfolgreich eingegangen und wurde mit einem wegweisenden Ergebnis belohnt: Aus rund 800 Metern Tiefe wird nun über ein U-Rohr Erdwärme mit rund 35°C gewonnen. Diese Erdwärme wird dann durch eine Wärmepumpe auf das benötigte Temperaturniveau angehoben. Ein kombiniertes Erdwärmesondenfeld, das in mit Erdwärmesonden für Einfamilienhäuser vergleichbare Tiefen reicht, sorgt im Sommer für die Klimatisierung der insgesamt 6.000 m2 Produktions- und rund 1400 m2 großen Büroräume.

Dabei war die Tiefenbohrung nicht ganz ohne Schwierigkeiten vonstatten gegangen: Eine in diesem Gebiet nicht erwartete Veränderung des Untergrunds löste in rund 320 Metern Tiefe Gesteinsausbrüche aus der Bohrlochwand aus. „Aber auch diesen so genannten Nachfall hat die Bohrfirma gemeistert“, sagte Projektleiter Dr. Zijad Lemes. Je nach Beschaffenheit des Gesteins meiselte sich der Bohrer zwischen zwei und 50 Metern pro Tag in den Untergrund. Seit dem Beginn der Bohrung Ende des vergangenen Jahres wurden insgesamt 45 Kubikmeter Gestein an die Oberfläche geholt.

Die rund 700.000 Euro teure Erdwärmeanlage soll im September dieses Jahres in Betrieb gehen. Dieser Aufwand scheint sich jedoch gelohnt zu haben: Nach Schätzungen der HSE gibt es bis zum Jahr 2020 in Südhessen ein Marktpotenzial von rund 150 vergleichbarer Geothermie-Anlagen.

Eine interessante Bilderserie zum Tiefengeothermieprojekt in Groß Umstadt/ Heubach steht auf unserem Profil auf » Facebook und auf » Google+ zur Verfügung.

Foto: Bohrloch der 800 Meter tiefen Geothermiebohrung in Hessen (Foto: HEAG Südhessische Energie AG (HSE))

Robert

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7 Kommentare

  1. chissel34
    vom 22. Juni 2012

    Tiefengeothermie – hört sich gut an – ist aber nur etwas für Fachleute – erinnere an das Desaster der
    RWTH-Aachen die rund 2,5 Mio in den Sand gesetzt hat um ihren fehlgeplanten Luxusbau C mit Erdwärme zu versorgen. Hat nicht geklappt. Die Fernwärme versorgt
    jetzt den Bau. – Großartige Fachleute !!!!! Wie heisst
    es – Schuster bleibe bei deinem Leisten. chissel34


  2. Robert
    vom 22. Juni 2012

    Hallo, hier muss fairerweise hinzugefügt werden, dass es sich bei der Bohrung in Aachen um eine 2500 Meter tiefe Bohrung handelt. Dies allein ist vom benötigten Bohrgerät als auch von den technsichen Anforderungen her schon wesentlich komplizierter. Zudem handelt es sich in Heubach um eine U-Rohr-Sonde. In Aachen wurde eine koaxiale Sonde eingesetzt. Eine koaxiale Sonde in 2500 Meter Tiefe herunterzulassen stellt vollkommen andere Anforderungen an die Zug- und Druckkräfte.


  3. chissel34
    vom 22. Juni 2012

    Hallo Robert – Du machst es Dir sehr einfach -2500m
    stimmt-aber das erste Rohr war gänzlich ungeeignet-
    mann hatte einiges nicht berücksichtigt – das neue
    Rohr blieb auf halber Strecke stecken – ferner war
    das delta zu klein – was die anderen Pleiten anbetrifft so ist das Gebäude ein teueres Lehrstück
    für angehende Architekten : Statik für Belegung falsch – Lüftung/Fenster falsch – Lastannahmen falsch – Fassade problematisch – Bauleitung und Projektmanagement – desolat. mfg chissel34


  4. chissel34
    vom 25. Juni 2012

    Hallo Robert – ergänzend zu meinem Kommentar vom 22.6.
    möchte ich Dich auf wikipedia.org/wiki/superC verwei-
    sen – hier hast Du den gesamten Ablauf der Bohrung
    aufgelistet-wie es geplant war – unter AKE 2005-07
    Herzog Geothermieprojekt-mfg chissel34


  5. Robert
    vom 29. Juni 2012

    Ich gebe Dir vollkommen recht, dass die Planung und Umsetzung der Tiefe Erdwärmesonde am Super C daneben ging. In Arnsberg gab es ja ähnliche Probleme. Und auch in Prenzlau sagt man hinter vorgehaltener Hand, dass der Einbau des Steigrohrers “schwierig” war. Trotzdem ist die Tiefe Geothermie in Deutschland und insbesondere durch Tiefe Erdwärmesonden eine Option, die es lohnt wissenschaftlich weiterzuentwickeln. Leider werden im hydrogeothermischen Strombereich Vergütungen geboten, die in keinem angemessenen Verhältnis zum Risiko stehen. Und auch der Bohrmeterzuschuss für eine ausschließlich thermische Nutzung Tiefer Geothermie reizt nicht genug. Doch wo sollen die Praxiserfahrungen dann herkommen? Daher bin ich immer gegen Kritik an der Sache, weil einzelne Projekte schief gegangen sind. Die Geothermie hat immer noch eine zu schwache Lobby in Deutschland, die man mit Generalkritik nicht noch weiter schwächen sollte.


  6. chissel34
    vom 3. Juli 2012

    Hallo Robert,
    danke nochmals für Deinen versöhnlichen Kommentar.
    Wo Du Recht hast– Was mich nur grundsätzlich stört,
    sind die ‘vorauseilenden’Lobeshymnen bei Projekten
    der sog. ‘offenen (Öffentlichen)’Hand.Nach 45 Jahren
    Praxis muß ich leider feststellen, daß sich der sog.
    ‘Eurovirus’ heute breit macht und kein Projekt mehr
    kostendeckend – wie veranschlagt – sein Ziel erreicht.
    Schade– mfg schissel 34


  7. Robert
    vom 12. Juli 2012

    Hallo chissel34, jetzt gibts Neuigkeiten von der Tiefe Erdwärmesonde in Arnsberg: Seit Anfang Februar wird dort nun Wärme aus 2835 Metern Tiefe mit einer Temperatur von 55°C gefördert. Im September sollen dann weitere Optimierungen folgen, sodass die Verantwortlichen dann mit 2 Mio. kWh pro Jahr rechnen.

    Ist doch eigentlich ein Erfolg, oder?