Warmwasser mit Photovoltaikunterstützung

michi911 Meister
bearbeitet April 2017 in Elektroheizung, Nachtspeicher
Da das Thema schon ein paar mal angeschnitten wurde (auch von mir selbst)
Will ich mir mal die Mühe machen, das Thema etwas auseinander zu nehmen.

Es gibt 2 Varianten die sinvoll sein können.

Nachfolgend habe ich ein paar Abkürzungen benutzt.
WW = Warmwasser
KW = Kaltwasser
MW = Mischwasser
PV = Photovoltaik
WR = Wechselrichter
HT = Hochtarif/Tagtarif
NT = Niedertarif/Nachttarif
STB = Sicherheitstemperaturbegrenzer

Variante 1 (Elektrischer WW Speicher, ohne Heizungsanschluss)
Es gibt große WW Speicher die rein weg elektrisch beheizt werden. Diese Variante eignet sich für die Leute, wo schon ein Boiler installiert ist, bzw. wo das Haus rein elektrisch beheizt wird.

Es gibt sogenannte 2 Tarif WW Speicher (Beispiel Vaillant). Sie wurden in erster Linie entwickelt um mit 2 Tarifzähler zu arbeiten (Nachtspeicherschaltung).
Einen solchen Speicher kann man ohne großen (teuren) Aufwand anschließen.
Zusätzlich zum Speicher braucht man:
1 Sicherungsschalter 3polig
1 Leistungsrelais (falls nicht schon eingebaut)
1 Sonnensensor (falls nicht im WR vorhanden) z.b. vom Markisen-/Rollobauer


Funktionsweise:
Ist nicht genug Sonne vorhanden, läuft der Speicher aus Grundlast. D.h. er heizt langsamer auf. Ist genug Sonne da, schaltet der Sonnensensor (oder WR) die Schnellaufheizung ein. Der Speicher läd nun mit maximaler Leistung bis zur gewünschten Temperatur auf. Verschwindet die Sonne während der Schnellaufheizung, wird diese wieder abgeschaltet.
Man nutzt im Prinzip den NT für die Sonne.
Natürlich kann man weiterhin einen 2 Tarifzähler nutzen.

Variante 2 (Thermischer WW Speicher mit elektrischer Zusatzheizung)

Hat man bereits eine Therme oder Kessel welcher auch für WW zuständig is, lässt sich das ganze relativ einfach erweitern.
Man braucht einen Speicher mit einem Anschlussflansch. Beispiel (das schwarze runde Ding mit den silbernen Punkten umzu)
Zusätzlich zum Speicher braucht man:
1 Sicherungsschalter 3polig
1 Leistungsrelais
1 Sonnensensor (falls nicht im WR vorhanden) z.b. vom Markisen-/Rollobauer
1 Elektroheizung (wird im Flansch eingebaut) Beispiel
1 Temperaturfühler mit Messsonde und STB Funktion (Einstellbereich 30-90°C, 95° STB) Beispiel
1 Thermomischer

Funktionsweise:
Die Heizung hält den WW Speicher auf eine Grundtemerpatur von z.b. 45°C. Ist genug Sonne da, wird der WW Speicher elektrisch auf z.b. 70 oder 80°C hochgeheizt. Der Temerpaturfühler begrenzt hier die maximale Temperatur und erfüllt mit dem STB auch den Überhitzungsschutz. Ein Thermomischer am WW Ausgang des Speichers reduziert die Temperatur (per Mischung mit KW) auf 35-60° MW. Ein Verbrühen ist hier also nicht möglich.
Solange der Speicher elektrisch auf mehr als 45° C gehalten wird, wird die Heizung nicht mehr starten. Fällt die Temperatur (Nachts/Schlechtes Wetter) auf unter 45°C, springt die Heizung wie gewohnt an und heizt den WW Speicher nach. Der Legionellenschutz muss bei Temperaturen von unter 60° aktiv sein. (Nachzulesen bei den Heizungsunterlagen)

Bei beiden Varianten kann man auf teure Regelelektronik verzichten. Es muss nur jeweils auf die Leistung der Heizung geachtet werden. Sie sollte IMMER NIEDRIGER sein, wie die der PV Anlage. Ansonsten zieht man wieder unnötig Strom vom Energieversorger. Geld, was man sich sparen kann.

Ich habe bewusst hier keine Schaltungsskizzen angefügt, weil wir hier ein Infoboard haben, und kein DoitYourself Board. Die genauen technischen Informationen usw. bekommt ihr von euren Installateuren vor Ort.

Alle Links sind Beispielbilder aus dem Internet rausgesucht. Euer Installateur vor Ort wird wahrscheinlich andere Hersteller und Bauformen nutzen. Die Links dienen nur als Beispiele, damit man sich was drunter vorstellen kann!

Kommentare

  • jospr63 Meister
    bearbeitet May 2012 Beiträge: 2,758
    Hallo,
    gehe ich davon aus, dass ich die alte Einspeisevergütung von 52cent/kw bekomme und bekomme im Gegenzug vom Energieversorger ca. 24 Cent/kw in Rechnung gestellt und rechne dann noch die PV Anlage mit in die Rechnung ein, die aller Wahrscheinlichkeit nach mit rund 30000 und mehr Euronen zu buche schlagen wird, rechnet sich das alles nicht. Strom verkaufen und gleichzeitig aus dem Netz saugen, dann lohnt sich das.
    Das wird sich auch erst wieder ändern, wenn die zu hohen Subventionen für die PV Anlagen endlich wegfallen.
    Wer sich selbst eine Heizung baut, baut nie wieder eine!W
  • michi911 Meister
    bearbeitet May 2012 Beiträge: 167
    es geht um aktuell neue anlagen, wo man einen eigenverbrauchsanteil hat, nicht um alte bestandsanlagen
  • ThorbenThorben Administrator
    bearbeitet May 2012 Beiträge: 867
    Ein ausgezeichneter Beitrag, vielen Dank, dass Du dir die Zeit genommen hast, Michi911!

    Ich nehme mir einmal die Freiheit, ihn oben in der Themenübersicht festzupinnen, damit er nicht mit der Zeit nach unten rutscht - die Frage zu WW-PV taucht ja in der Tat öfters mal auf.
    Administrator & Online-Redakteur
    Heizungsfinder.de
  • ThorbenThorben Administrator
    bearbeitet June 2012 Beiträge: 867
    Ich habe mir einmal gestattet, eine Kopie von diesem Thema in die "Tipps & Tricks" - Ecke zu stellen, ich finde, das passt da ganz gut hin.
    Administrator & Online-Redakteur
    Heizungsfinder.de
  • michi911 Meister
    bearbeitet June 2012 Beiträge: 167
    kein thema ;)
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