Bei geringer Nutzung Nachtspeicherheizung ersetzen oder nicht?

Hallo zusammen,

zuerst möchte ich mich vorstellen. Mein Name ist Matthias ich bin 26 und habe mit meiner Freundin ein Haus gekauft das bis jetzt nur eine Heizungsart verbaut hat, nämlich eine Nachtspeicherheizung. Wir werden aber auf jeden Fall einen Kaminofen vom Ofenbauer (kein Baumarktschrott) einbauen und dann damit die Räume heizen. Das heisst, die Nachtspeicherheizung werden wir so gut wie nie benutzen. Für das Warmwasser benötigen wir natürlich noch Strom. Allerdings haben wir vor für das Warmwasser zusätzlich Solarpanele aufs Dach zu machen. Was würdet ihr machen? Bis sich eine neue Heizung amortisiert hat werden wohl viele viele Jahre vergehen.

Viele Grüße Matthias

Kommentare

  • musshaltsein Geselle
    bearbeitet October 2016 Beiträge: 112
    Hallo Matthias,

    wie groß ist denn das Haus? Wie viele Räume müssen beheizt werden? Und wie wird das Warmwasser bereitet?

    Und wie lange habt Ihr vor, dort zu wohnen?
  • jospr63 Meister
    Beiträge: 2,758
    Das ist sehr stark vom Verbrauch abhängig. Wie sollte es auch anders sein?

    Man sollte bei den Nachtspeicherheizungen einiges bedenken. Zuerst einmal schränkt man sich bei den Stromanbietern erheblich ein. Kaum ein Anbieter bietet die Möglichkeit Tag/Nachtstrom saugen zu können. Diese Tarife werden meist nur vom Grundversorger angeboten und der langt richtig zu. Dann muss man meistens einen Wärmestromvertrag unterzeichnen, um in den Genuss eines ansatzweise verbilligten Preis zu gelangen, der wiederum eine Mindestabnahme an kw/h voraussetzt, die meist bei 10000 kw/h/Jahr liegt.

    Man muss nicht zwingend schlechter dastehen, wenn man mit Strom heizt, aber man sollte sein Nutzungsverhalten und auch das Haus mit seiner Isolierung sehr gut kennen. Dann rechnet man die Investitionskosten einer Zentralheizung dagegen und kann ausrechnen wann sich der berüchtigte Schnittpunkt ergibt, an dem die Zentralheizung rentabel arbeitet. Man sollte auch sein eigenes Alter mit in die Entscheidungsfindung einbeziehen. Einem Menschen mit 65 Jahren würde ich nicht mehr zu einem Austausch raten, es sei denn er besteht auf den Austausch der Heizung.

    Auch mit der Solaranlage würde ich mit reiflich überlegen, denn dafür muss die gesamte Warmwasseraufbereitung geändert und angepasst werden. Das ist ein Haufen Aufwand und mit sehr hohen Kosten verbunden.

    Auch der Einsatz mit einem Holzofen ist generell gut, aber, wenn ihr dadurch wieder die Mindestabnahme des Stromlieferranten unterschreitet, zahlt ihr halt wieder den teuren Strompreis.

    Mein Tipp wäre: Lasst euch die Abrechnungen der Voreigentümer zeigen. Somit habt ihr einen kleinen Einblick, was euch in etwa an Kosten erwarten wird. Nirgends wird soviel gelogen wie bei den Stromheizungen. Belege sind daher sehr wichtig zur Orientierung für weitere Investitionen.
    Wer sich selbst eine Heizung baut, baut nie wieder eine!W
  • Beiträge: 4
    Vielen Dank für Eure Antworten. Das mit der Mindestabnahme ist mir neu, danke für den Tip. Das bewohnte Stockwerk hat ca. 130qm wovon ca. 80qm mit dem Holzofen beheizt werden sollen. Die jetzige Eigentümerin des Hauses hat nach eigenen Aussagen ca 2800€ Gesamtstromkosten pro Jahr. Allerdings hat sie sie keine großen Gedanken über eine effiziente Nutzung der Heizung gemacht. Ach ja, ein Aussentemperaturfühler ist vorhanden. Meine Hoffnung ist eben, nur noch Wasser über Strom aufzuwärmen. Dem steht allerdings die Mindestabnahmemenge entgegen. Ich werde mich mal erkundigen.
  • jospr63 Meister
    Beiträge: 2,758
    Also gemessen daran, dass man rund 1000€ ohnehin an Stromkosten hat und eine Zentralheizung auch einiges an Strom frisst, macht das keinen so großen Unterschied, jedenfalls für mein Verständnis.
    2008 habe ich selbst ein großes Haus mit mehreren Mietwohnungen gekauft. In 3 von 4 Wohnungen waren damals auch noch Nachtspeicherheizungen verbaut. Nur kostete damals der Nachtstrom auch nur 9,6 Cent/kw/h. Der Arbeitspreis hat sich allerdings in der kurzen Zeit bis zum heutigen Tage nahezu verdoppelt. und das im Nachttarif und im Gebiet der EON. In unseren selbst genutzten Bereich habe ich von Anfang an eine Zentralheizung eingebaut und mittlerweile auch die Mietwohnungen daran angeschlossen. Für einen Mieter ist es einfach zu teuer mit Strom zu heizen und er hat keine Möglichkeit eine Kosten/Nutzenrechnung aufstellen zu können.

    Generell bin ich ein Gegner einer Stromheizung mit der Ausnahme, wenn man den Strom selbst herstellen kann. Vielleicht solltest du den Aspekt mit in deine Entscheidungsfindung einbeziehen?

    'Nur noch einen Tipp von mir! Du kannst dein Haus nicht ausschließlich mit einem einzigen Ofen komfortabel beheizen. Schon 3 mal keine 80 oder 130 qm. Du brauchst jemanden, der ständig daheim ist und den Ofen im Winter beschicken kann. Du musst Holz schlichten, lagern, abtrocknen lassen können und das setzt bei der Fläche geschätzte 6 bis 10 Ster Buchenholz voraus. Das mal 3 sind rund 30 Ster Holz vor der Haustür. Das du mit einer LAG/in dort einziehen wirst, werden es wohl eher 10 Ster/Jahr werden.

    Meine persönliche Erfahrungen mit einer Lebensgefährtin etwas aufzubauen sind sehr gespalten, es sei denn, alles ist perfekt. Perfekt für einen Mann bedeutet: Es funktioniert! Perfekt für eine Frau bedeutet: Es funktioniert, aber es darf ihr keine Arbeit machen, was wiederum bedeutet, du erledigst die Arbeit, oder du hast irgendwann eines guten Tages richtig Stress am Hals. Ich bin doppelt so alt wie du und ich habe mir damals auch einen Traum erfüllen wollen und lebe mittlerweile zum Teil den Traum meiner Frau. Dieser Traum meiner Frau schaut allerdings anders aus und wenn die kalte Füsse bekommt, weil ich mal nicht daheim bin, dann, ja dann rasselt das Handy und ich kann mir alles anhören, was nicht so optimal gelaufen ist. Mittlerweile habe ich noch einen Ölkessel gekauft, der, wenn die Temperatur unterschritten wird, automatisch zuschaltet.

    Frauen sind Sammler und darin sind sie sehr effektiv.Heute sammeln sie keine Kräuter und Beeren, aber Informationen, weil sie auch die Zeit dafür haben. Irgendwann wirst du über die hohe Stromrechnung stolpern oder über den fehlenden Komfort, die das gewünschte Nest einfach kalt werden lässt. Spätestens dann hast du irgendwann und was falsch gemacht.

    Ein guter Spezl hat mir einen Tipp gegeben meine Frau zu testen, ob sie wirklich zu der Kategorie "Sammler" gehört. Es war die Frage nach den Treuepunkten an den Kassen diverser Discounter. Ich sage NEIN, sie sagt JA! Das ist so ein Indiz für den Stressfaktor der nächsten Jahre, der dich erwarten wird, wenn irgendwas nicht funktioniert im Nest.

    Du bist noch sehr jung und ich kann dir wirklich nur den Rat geben: Renoviere perfekt und auf einem Niveau in eurem persönlichen Umfeld und was du dir auch wirklich leisten kannst. Lasse dich nicht hoch schaukeln von vermeintlichen Besserwissern.
    Mit einem einzigen Holz befeuerten Ofen für die gesamte Wohnung wird das allerdings definitiv nichts werden. Als Ergänzung ist das Okay, um eine Lagerfeueratmosphähre zu kreieren, hat ja auch seine Reize, aber zum grundsätzlichen Heizen ist ein Ofen handbefeuert einfach zu wenig.
    Wer sich selbst eine Heizung baut, baut nie wieder eine!W
  • Beiträge: 4
    Danke für die Antwort. Ich rechne auch mit ca. 1000€ Stromkosten im Jahr die man auch ohne Heizstrom hat. Bleiben also noch 1800€ an der Heizung hängen. Da die Dame die Heizung nicht so nutzt wie empfohlen, ließen sich wohl auch noch ein paar € rausholen. Wenn man dann 1600€ als Heizstrom annimmt, finde ich das nicht allzu hoch. Heizöl oder auch Pellets hat ja mittlerweile auch seinen Preis. Und dann bliebe immernoch die Anschaffung einer neuen Heizung. Dass der Ofen nicht das komplette Stockwerk heizen kann ist klar. Dennoch ist ein Ofen vom Ofenbauer hinsichtlich Heizleistung und Holzverbrauch eine anderen Liga als ein Baumarktofen (eigene Erfahrung). Und was die weibliche Seite angeht, wir ticken beide gleich. Sie ist sehr fleißig und hat keine Angst sich die Hände schmutzig zu machen. Sie hat nicht im Ansatz die Erwartung dass ich alles allein machen soll/muss. Aber die Beziehnungsgeschichten gehören mmn nicht hier her. Schwierige Entscheidung die mir sicher noch einige Stunden zum Nachdenken gibt...
  • jospr63 Meister
    Beiträge: 2,758
    Sorry, aber genau diese Beziehungsgeschichten sollte man immer mit in die Entscheidungsfindung einbeziehen. Es ist nun mal so, wie es ist und wer sich mit Alternativen Energien auseinander setzt, wird eines guten Tages exakt darüber stolpern, was ich weiter oben geschrieben habe. Im Kundendienst beschäftigt kommt man nun einmal sehr viel umher und daher kann ich das auch nicht nur aus eigen gemachter Erfahrung so im Raum stehen lassen. Du bist noch sehr jung, bedenkst auch vieles nicht, was später für Unfrieden sorgen wird. Krankheit, Schwangerschaft, Urlaub ect. das alles sind Faktoren, die man mit einbeziehen muss.

    Jetzt allerdings noch einmal zum geplanten Ofen. Man muss einen Holzofen nicht zwanghaft beim Ofenbauer kaufen. Es gibt die gleichen Ofen auch bei anderen Anbietern für wesentlich weniger Geld. Der Einbau ist nach Rücksprache und Absegnen durch den Schornsteinfeger kein großer Aufwand.

    https://kaminofen-shop.de/kaminofen.html

    Generell kann man mit solch einen Ofen nichts verkehrt machen, aber man sollte solch einen Ofen nur als Ergänzung betrachten und nicht als Hauptwärmequelle.
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  • Beiträge: 4
    Besten Dank für Deine Meinung. Ich wage zu behaupten, dass diese Beziehungsgeschichten bei uns nicht auftreten werden. Weder bin ich im Aussendienst, noch hat sie Angst sich die Hände auch mal schmutzig zu machen. Ich habe mich in den letzten Tagen intensiv mit Heizungen beschäftigt und auch mit einigen Freunden und Bekannten gesprochen. Zwei davon haben einen Kaminofen mit Specksteinverkleidung. Und beide heizen weit aus mehr als 60m². Einer davon heizt mit einem 10kw Ofen das komplette Stockwerk 120m². Dass der Ofen dann natürlich nicht nur eine kleine Hand voll Holz braucht ist klar. Folgendermaßen werden wir vorgehen. Ein ordentlicher Holzofen. Eine Jalousie in eine Wand damit wir die erzeugte Wärme im Haus besser kontrollieren können. Als sekundäre Wärmequelle werden wir die Nachtspeicheröfen abhängen und, wo benötigt, Flächenspeicherheizungen oder Infrarotheizungen (diese Entscheidung ist noch nicht gefallen) installieren.
    Achso, den Tip von Dir mit der Selbsterzeugung des Stromes merken wir uns. ;)
    Viele Grüße

    Matthias
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