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Aktualisiert: 04.09.2019

Aktueller Stand: Abwrackprämie Ölheizung

Im August 2019 entfachte eine alte Diskussion erneut: soll es eine Abwrackprämie für Ölheizungen geben? Der Austausch alter Ölheizungen solle den deutschen CO2-Ausstoß mindern, die berühmt-berüchtigte "schwarze Null" solle nun Gemeinschaft durch eine "grüne Null" erhalten. Die Reaktionen aus Politik, Gesellschaft und Verbänden folgten erwartungsgemäß ebenso schnell wie abwechslungsreich. Dass der deutsche Heizungsbestand in großen Teilen veraltet und ineffizient ist, bezweifelt niemand unter den Kommentatoren. Doch wie mit dieser Tatsache umzugehen ist, bleibt offen.
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Kommt eine Abwrackprämie für die Ölheizung?

Das Wichtigste vorab: vorerst nicht. Abgesehen von der Absichtsbekundung gibt es außer Stellungnahmen noch keine konkreten Ergebnisse. Weitere Hintergründe zur Abwrackprämie finden Sie im folgenden Text.

Inhalt:

Der Heizungsbestand in Deutschland

In Deutschland gibt es nach Angaben des Bundesverbandes der deutschen Heizungsindustrie (BDH) knapp 20,7 Millionen Zentralheizungen. Davon nutzen knapp 11,9 Millionen Heizungen die veraltete Heizwert-Technik. Von diesen 11,9 Millionen veralteten Kesseln feuern 4,8 Millionen Kessel mit Heizöl. Während Heizwertkessel nur noch in sehr geringen Stückzahlen neu verbaut werden ist der Altbestand noch beachtlich.

Laut "Klimaschutz in Zahlen 2018" des Bundesumweltministeriums ist das Heizen für ungefähr ein Zehntel der deutschen Gesamtemissionen an CO2 verantwortlich. Mit Brennwertkesseln und erneuerbaren / alternativen Heizenergien (Pelletheizungen - alte Öltanks lassen sich gut zu Pelletlagern umrüsten - Wärmepumpe, Solarthermie - lässt sich auch sehr gut in bestehende Heizsysteme einbinden - Brennstoffzelle) sowie angesichts des Zustands der deutschen Heizungsflotte ist also ein gutes Einsparpotential für CO2 und die Heizkosten vorhanden. Auch die Modernisierungsrate wird schon seit langem als viel zu niedrig für das Erreichen jedweder Klimaziele bewertet. Während das Ziel also klar ist, verbleibt der Weg dorthin im Nebel.

Fragen zur Abwrackprämie

Ist die Ölheizung als solche noch tragbar?

Die erste grundlegende Frage zum Umgang mit der Ölheizung ist die Einschätzung der Technologie selbst: soll die Ölheizung zum Auslaufmodell wie in Dänemark werden und der Wechsel zu alternativen Heizsystemen gefördert werden oder ist eine Modernisierung zu modernen Brennwert-Ölheizungen in Kombination mit Unterstützungssystemen wie Solarthermie der beste Weg?

Beide Ansichten finden ihre Befürworter: so unterstützt das Institut für Wärme und Öltechnik (IWO) den Modernisierungsansatz. Die Klimaziele für das Jahr 2030 seien durch eine Aufrüstung von Heizwert- auf Brennwertsysteme mit Solarunterstützung bereits erreichbar. Nähme man zusätzlich synthetisches Heizöl als Brennstoff in den Mix, sei auch das Klimaziel zur Mitte des Jahrhunderts durchaus erreichbar. Das Argument ist nicht von der Hand zu weisen, denn eine Modernisierung eines bestehenden Systems ist meist deutlich preiswerter als der Umstieg mit Neueinbau eines anderen Heizsystems.

Warum sollte man nur Ölheizungen abwracken?

Weitere Kritiker sehen im Abwrackziel für nur eine Technologie den falsche Ansatz, da sich gerade in abgelegeneren Regionen selten wirtschaftliche Alternativen anböten. Wie aus der obigen Grafik ersichtlich wird, sind neben den Ölheizungen noch Millionen veraltete Gasheizungen im Einsatz. Insofern könne eine Abwrackprämie auf alle Heizungen die CO2-Emissionen des Landes deutlich stärker reduzieren, schlägt der Chef des BDH in einem Interview mit der WELT vor. Zusätzlich läge nach seinen Angaben die Hälfte aller Heizwert-Ölheizungen in Gebieten, in denen ein Gasanschluss vergleichsweise leicht erreichbar sei, so dass eine Umrüstung von Öl auf Gas einfach vonstatten gehen könnte.

Sind Abwrackprämien als Instrument sinnvoll?

Aus der FDP gab es weitere ablehnende Stimmen zur Abwrackprämie für Ölheizungen. Der parlamentarische Geschäftsführer der Partei sagte, Deutschland habe mit Abwrackprämien schlechte Erfahrungen gemacht. So seien im Falle der Abwrackpämien für Autos keine zusätzlichen Investitionen angestoßen, sondern ohnehin geplante vorgezogen worden.

Ist Freiwilligkeit ausreichende Motivation?

Die Grünen sehen die Grenzen der Freiwilligkeit erreicht. Vorsitzender Habeck sagte im Deutschlandfunk, er begrüße den Vorschlag einer Abwrackprämie für Ölheizungen. Gleichzeitig fördere die Bundesregierung aber den Bau neuer Ölheizungen mit bis zu 3.000 Euro. Die Co-Vorsitzende Baerbock forderte im NDR-Hörfunk, dass nur noch umweltfreundliche Heizungen gefördert werden dürften. Kramp-Karrenbauer setze nur auf Anreize.

Aktueller Stand

Von der Ankündigung abgesehen verbleibt die konkrete Ausgestaltung noch im Dunkeln. Selbst wenn es zu einer rasanten Einigung kommen sollte, muss man bedenken, dass im SHK-Handwerk bereits jetzt die Kapazitäten knapp und die Auftragsbücher gut gefüllt sind. Wer auf eine schnelle Lösung hofft, sollte sich ohnehin gedulden. Wir haben an dieser Stelle schon einmal über eine Abwrackprämie für alte Heizkessel berichtet. Der Beitrag datiert auf den 04. Dezember 2012.

Dieser Artikel wurde erstellt von: Thorben Frahm, Redakteur www.Heizungsfinder.de