Gasheizung oder Ölheizung? Eine Entscheidungshilfe

22. April 2022
Wenn man neu baut, stellt sich die Frage "Gas oder Öl?" meist nicht. Die Ölheizung kommt dort nur in wenigen Fällen zum Einsatz. Wenn man aber seine alte Ölheizung sanieren will oder generell eine neue Heizung im Bestandsbau installiert werden soll, fragen sich viele, ob es eine Öl- oder Gasheizung werden soll - oder man am besten direkt zu einem erneuerbaren System greift. Heizungsfinder zeigt die wichtigsten Punkte bei der Entscheidung zwischen Gas oder Öl.
Dieser Artikel wurde von
Thorben Frahm für www.Heizungsfinder.de verfasst.
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HeizungenGasheizungNeue GasheizungAuf Gas wechseln?

Gas oder Öl? Grundlagen für die Wahl des passenden Heizsystems

Ein moderner Brennwertkessel nutzt den Brennstoff besser,
Bild: Institut für Wärme und Oeltechnik e. V. (IWO)
Bei der Entscheidung für Gas oder Öl scheint die Antwort auf den ersten Blick simpel: Erdgas war lange Zeit billiger als Heizöl, die Installation preisgünstiger, der Energieträger stößt weniger CO2 aus. Ist eine Gasheizung also grundsätzlich die bessere Wahl bei der Heizungssanierung?

Gas oder Öl? Brennstoffpreise im Vergleich

Was ist günstiger, Öl oder Gas? Heizöl ist preislich deutlich instabiler als Erdgas. Öl ist als Brennstoff in lange deutlich teurer als Gas gewesen. Das ist sich seit 2014 geändert und Heizöl ist preiswerter als Gas geworden. Heizöl näherte sich seit Jahresende 2017 allerdings wieder dem Erdgas an und übertraf dieses stellenweise wieder deutlich. 2020 kam es zu einem Zehnjahrestief und der Krieg in der Ukraine 2022 sorgte für eine neue Spitze bei den Heizölpreisen, die derzeit im April 2022 wieder zurückgeht.

Während Heizöl laut Deutschem Energieholz- und Pellet-Verband e.V. (DEPV) im April 2022 bei 13,02 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) lag, war Erdgas im Schnitt für 12,43 ct/kWh Wärme erhältlich.

Die Detaildaten weichen bedingt durch die unterschiedlichen Erhebungs- und Erfassungsverfahren ein wenig voneinander ab, das Gesamtbild wird jedoch akkurat wiedergegeben. Derzeit halten sich Gas und Öl wieder ungefähr die Waage (siehe dazu unseren Schwerpunktartikel zur Gaspreisentwicklung).

Grafik: Deutscher Energieholz- und Pellet-Verband e.V. (DEPV) Zum Vergleich: Brennstoffpreise für Heizöl, Erdgas und Pellets der letzten zehn Jahre, Grafik: Heizungsfinder.de

Gas- oder Ölheizung? Verbrauchskosten im Vergleich

Im Schnitt liegen die Heizkosten im Einfamilienhaus (energetisch saniert) bei einer Heizlast von 10 kW und einem Nutzenergiebedarf von circa 18.000 kWh für Heizung und ungefähr 1.500 kWh für die Trinkwassererwärmung im Vergleich zwischen Gas und Öl (wenn beides Brennwertgeräte sind) nach den zuletzt verfügbaren Zahlen des BDEW sehr nahe beieinander:

Heizkosten im sanierten Altbau, Stand: 2021

Heizsystem Jährliche Heizkosten Heizung + Warmwasser
Ölheizung Brennwert 1532 Euro Heizung, 337 Euro Warmwasser
Ölheizung + Solarthermie Warmwasser 1531 Euro Heizung, 149 Euro Warmwasser
Ölheizung + Solarthermie Heizungsunterstützung 1380 Euro Heizung, 160 Euro Warmwasser
Gasheizung Brennwert 1521 Euro Heizung, 325 Euro Warmwasser
Gasheizung + Solarthermie Warmwasser 1521 Euro Heizung, 143 Euro Warmwasser
Gasheizung + Solarthermie Heizungsunterstützung 1372 Euro Heizung, 153 Euro Warmwasser

Dazu gesellen sich noch der jeweilige Grundpreis und die Kosten für HIlfsenergie die zusammen bei der Gasheizung jeweils bei 147 und 174-188 Euro liegen. Bei der Ölheizung entfällt der Grundpreis; die Hilfsenergien beziffern sich auf 169 bis 186 Euro.

Heizkosten im Neubau nach Mindestwärmeschutz und KfW 55 Effizienzhaus, Stand: 2021

Heizsystem Jährliche Heizkosten Mindestwärmeschutz
Jährliche Heizkosten Effizienzhaus 55
Ölheizung Brennwert keine Angabe (Ölheizung ohne Solarunterstützung nicht mehr möglich) keine Angabe
Ölheizung + Solarthermie Warmwasser 633 Euro Heizung, 156 Euro Warmwasser keine Angabe
Gasheizung Brennwert keine Angabe (Gasheizung ohne Solarunterstützung nicht mehr möglich) keine Angabe
Gasheizung + Solarthermie Warmwasser 616 Euro Heizung, 147 Euro Warmwasser 390 Euro Heizung, 148 Euro Warmwasser
Gasheizung + Solarthermie Heizungsunterstützung keine Angabe 345 Euro Heizung, 119 Euro Warmwasser

Generell gilt: je energieeffizienter ein Gebäude, desto geringer fällt der preisliche Unterschied beim Brennstoff ins Gewicht. Natürlich fallen noch weitere Kosten an, welche die Entscheidung zwischen Ölheizung oder Gasheizung nicht gerade einfacher gestalten: die Kosten für einen Öltank, den Gasanschluss oder die Grundgebühren für den Gastarif wollen ebenso bezahlt werden.

Gesamtkosten für Gas- und Ölheizungen beachten

Die Preise für Gas oder Öl sind nicht die einzigen Kosten. Dazu gesellen sich die Preise für die Heizungsanlage selbst.

Eine Gasheizung ist in der Anschaffung günstiger als eine Ölheizung. Bei einer Gasheizung kann man im Einfamilienhausbereich von Gesamtkosten ab 6000 bis 8000 Euro aufwärts (siehe auch: Preise & Kosten einer Gasheizung) ausgehen. Bei einer Ölheizung liegen die Preise um einige tausend Euro darüber - gehen Sie eher von 8000 bis 10000 Euro aufwärts in diesem Bereich aus (siehe auch: Preise und Kosten einer Ölheizung).

Neue Gasheizungen oder Ölheizungen ohne Einbindung erneuerbarer Energie sind ab 2026 nicht mehr erlaubt. Es kommen also noch Kosten für eine Wärmepumpe oder eine Solarthermieanlage hinzu. Die Kosten einer Solarthermieanlagen bewegen sich zwischen 3.000 bis 6.000 Euro für eine Warmwasseranlage und 7.000 bis 10.000 Euro für eine Solarthermieanlage, die auch die Heizung unterstützt.

Ist eine der Heizungen also grundsätzlich im Vorteil?

Derzeit ist Erdgas etwas preiswerter als Heizöl. Allerdings war dies über einige Jahre hinweg nicht der Fall und die komplette Rechnung steht und fällt auf lange Sicht (also der Laufzeit einer Heizung) hauptsächlich mit den Brennstoffpreisen. Kehrt sich die Situation zwischen Gaspreisen und Ölpreisen wieder um, sieht die Sachlage schon wieder ganz anders aus.

Sollte ich aus finanziellen Gründen von Öl auf Gas oder umgekehrt wechseln, wenn ich meine Heizung sanieren möchte? Hierauf gab es lange kaum eine befriedigende Antwort. Mit den aktuellen politischen Entwicklungen bezüglich der Ukraine und des Klimaschutzes hat sich die Sachlage jedoch geändert. Die Ölheizung ist in den kommenden Jahren zwar noch möglich, jedoch ohne Einbindung erneuerbarer Energien nicht mehr möglich. Dieses Schicksal trifft auch Gasheizungen, jedoch gibt es noch einen weiteren Aspekt: die CO2-Abgabe, die 2021 eingeführt worden ist. Durch diese Abgabe zahlen Sie zusätzlich einen festen Betrag, der an den CO2-Ausstoß der Heizung gekoppelt ist. Er liegt derzeit bei 30 Euro pro Tonne, steigt aber bis 2026 auf wahrscheinlich 55-65 Euro pro Tonne an. Heizöl hat allerdings einen signifikant höheren CO2-Ausstoß als Erdgas (0,28 in kgCO2/kWh bei Heizöl versus 0,20 kgCO2/kWh bei Erdgas). Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel zur CO2-Steuer.

Zum Vergleich - auf dem Heizungsfinder hatten wir 2013 diesen Artikel zum ersten Mal verfasst. Dort war es finanziell geboten, bei Vorliegen eines Gasanschlusses und Bestehen einer alten Ölheizung doch lieber auf eine moderne Brennwert-Gasheizung umzusteigen. Wechselt man Öl auf Gas, fallen im Vergleich zum reinen Kesselaustausch zusätzliche Kosten an - es muss beispielsweise unbedingt eine professionelle Öltankentsorgung durchgeführt werden (um die 1000 Euro aufwärts, aber immerhin gewinnt man Stellfläche im Haus). Und wenn ein Gasanschluss noch nicht am Haus oder gar in der Straße liegt (die Kosten für einen Gasanschluss liegen im Mittel schließlich auch bei ungefähr 2000 Euro mit ausreichend Luft nach oben), kann ein Wechsel rein finanziell betrachtet eine sehr knifflige Angelegenheit sein. Bei Öl oder Gas ist in beiden Fällen bei der Umstellung auf Brennwert zusätzlich noch eine Sanierung des Abgassystems notwendig, damit diese für das anfallende Kondensat geeignet sind.

Nach der aktuellen Lage stellt es sich rein wirtschaftlich betrachtet wahrscheinlich kurz- bis mittelfristig als günstiger heraus, einfach bei seinem Brennstoff zu bleiben, besonders, wenn Ihre alte Heizung unter die Austauschpflicht für alte Heizkessel fällt. Eine Modernisierung von alten Heizwert oder Niedertemperaturkesseln auf ihre modernere Brennwertvariante zahlt sich immer aus. Allerdings sehen wir an diesem Beispiel, dass die Brennstoffpreise (besonders Heizöl) sehr volatil und kaum langfristig berechenbar sind. Deshalb können wir Ihnen an dieser Stelle kaum den einen Tipp geben, der diese Überlegungen dauerhaft zu den Akten bringt - in der langfristigen Betrachtungsweise haben allerdings die erneuerbaren Heizsysteme die Oberhand und die Frage "Gas- oder Ölheizung?" wird genau genommen obsolet, da beide Heizsysteme in der derzeitigen Form politisch nicht mehr erwünscht sind.

Gas oder Öl? Überblick über die Eigenschaften

Heizsystem Eigenschaften
Gasheizung Kompakt
Geringere Anschaffungskosten
Brennstoff preisstabiler als Heizöl
keine Nachbestellungen an Brennstoff nötig
Kein Brennstofflager notwendig
Geringere CO2-Emissionen
Geringere Wartungskosten
Ölheizung Nimmt durch Öltank mehr Raum ein
Öltank notwendig
Brennstoffbestellung notwendig
Man kann Preisschwankungen ausnutzen
Brennstoff preislich volatiler als Erdgas
Keine Anbindung an Gasnetz nötig
Höhere CO2-Emissionen
Höhere Wartungskosten

Wofür soll man sich nun entscheiden? Gas- oder Ölheizung?

  • Wichtiger als die Frage "Gas oder Öl?" ist im Prinzip erst einmal, dass Sie ein aktuelles (Brennwert-)System Ihr eigen nennen. Gerade alte Standardkessel gehören ausgetauscht. Sie sind längst nicht mehr Stand der Technik - ob Ölheizung oder Gasheizung.
  • Sie haben bereits eine alte Ölheizung mit allem, was dazu gehört? Ein reiner Kesseltausch auf Brennwerttechnik, am besten in Verbindung mit Solarthermie, bietet sich als kurzfristige Lösung an. Haben Sie bereits einen Ölkessel mit Brennwert, kann man aus wirtschaftlicher Sicht auch hier durchaus bei dem System verbleiben und ein Kesseltausch reicht aus.
  • Im Neubau neigt sich die Waagschale in der Frage zwischen Gas oder Öl deutlich in Richtung der Gasheizung (in Kombination mit Solarthermie). Insgesamt sollten Sie jedoch keiner der beiden Systeme direkt den Vorzug geben, sondern auf erneuerbare Heizsysteme ausweichen: Pelletheizung, Wärmepumpe und Solarthermie bieten sich an und werden von staatlicher Seite mit einer attraktiven Heizungsförderung unterstützt.
  • Zu den inzwischen etablierten erneuerbaren Systemen haben sich in den letzten Jahren noch zwei weitere Wettbewerber in den Heizungsmarkt eingereiht: die H2-Ready-Gasheizung und die Brennstoffzelle. Beide Systeme arbeiten prinzipiell mit Erdgas, haben aber jeweils noch weitere Eigenheiten, die sie bemerkenswert machen. Die H2-Ready Gasheizung ist dazu in der Lage, ganz oder teilweise mit Wasserstoff anstelle von Erdgas betrieben zu werden. Ein interessanter Ansatz der sicherstellen soll, dass das bestehende umfassende Erdgasnetz weiter betrieben werden und als Speicher für grünen Wasserstoff dienen kann. Gleichzeitig ist eine H2-Ready-Gasheizung von den Anschaffungskosten her der handelsüblichen Gasheizung sehr nahe und kann auch mit Bioerdgas betrieben werden. Auch die Brennstoffzelle kann mit Bioerdgas arbeiten, gewinnt aber aus dem Brennstoff Wärme und Strom gleichzeitig. Letzteren können Sie direkt im Haus verwenden oder gegen eine Vergütung in das allgemeine Stromnetz einspeisen.
  • Wenn Sie sich noch nicht sicher sind, ob Sie Gas oder Öl ( oder eine andere Heizung ) verwenden möchten, werfen Sie doch einmal einen Blick auf unseren Heizungsratgeber. Dort können Sie verschiedene Alternativen miteinander vergleichen.

Mit Heizungsfinder.de erhalten Sie kostenlos Kontakt mit erfahrenen Fachbetrieben für Heiztechnik, die Sie in der Frage "Gas oder Öl?" kompetent beraten und Ihnen auf Wunsch kostenfreie Angebote für eine Öl- oder Gasheizung oder ein erneuerbares Heizsystem machen werden.

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