Gaspreise: Aktuelle, vergangene und zukünftige Entwicklung

12. Oktober 2021
Die Gaspreise halten sich bereits seit über zehn Jahren auf einem konstanten und recht niedrigen Niveau. Doch auch leichte Schwankungen können sich schnell im Geldbeutel bemerkbar machen. Da kann es sich lohnen, die Faktoren zu kennen, die den Gaspreis und dessen Entwicklung beeinflussen.
Dieser Artikel wurde von
Ariane Müller für www.Heizungsfinder.de verfasst.
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Inhalt

Aktueller Gaspreis

Gaspreis 2021

Für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh liegt der Gaspreis derzeit (Stand: Juli 2021) bei durchschnittlich 6,22 Cent/kWh. Bei einem Mehrfamilienhaus mit einem Verbrauch von 80.000 kWh im Jahr sind es durchschnittlich 5,53 Cent/kWh.

Dies entspricht einer Steigerung von rund 4,2 bzw. 5,1 % gegenüber dem Vorjahr. Denn 2020 sorgte die Corona-Pandemie für eine Schwächung der Weltkonjunktur, wodurch die Nachfrage nach Brennstoffen wie Erdgas und Heizöl abnahm. Infolgedessen sanken die Gaspreise bis Mitte 2020 um durchschnittlich 5,8 % und erreichten, unterstützt von der reduzierten Mehrwertsteuer, im August sogar ein Zehn-Jahres-Tief. Dieser Trend hielt jedoch nicht lange an. Denn schon zum Jahresende stiegen die Großhandelspreise wieder um über 50 %. Zusammen mit anderen Faktoren führten sie dazu, dass Gaskunden im Sommer 2021 so viel zahlen müssen wie seit 2016 nicht mehr. Für manche Haushalte bedeutet das Mehrkosten von über 100 Euro.

Große Preisunterschiede bei großem Angebot

Wie hoch die Rechnung im Einzelfall ausfällt, hängt auch von dem jeweils gewählten Tarif ab. Denn die Preisspanne zwischen den einzelnen Angeboten ist teils sehr groß, da die ständig wachsende Zahl an Gasanbietern für reichlich Wettbewerb sorgt. Während früher die Gaslieferung über den örtlichen Grundversorger erfolgte, können Kunden seit der Öffnung des Gasmarkts im Jahr 2006 selbst entscheiden, von wem sie ihr Gas beziehen möchten.

Dabei haben sie so viel Auswahl wie nirgendwo sonst in Europa. Jedes Netzgebiet wird von mindestens 20, meist sogar über 100 Anbietern beliefert. Und während die Preise der Grundversorger stets ein gleichbleibend hohes Niveau haben, gestalten sich die Tarife alternativer Anbieter viel dynamischer und oft deutlich billiger. Daher lohnt es sich, regelmäßig Preise zu vergleichen.

Wie sich der Gaspreis zusammensetzt

Um Gas zu niedrigen Konditionen anbieten zu können, müssen die Versorger die Kosten für Beschaffung und Vertrieb so gering wie möglich halten. Diese beeinflussen den Gesamtpreis zu etwa 40 %. Sie umfassen den Einkauf und Import des Gases, dessen Speicherung und Lieferung sowie Marketing und Umsatz des Unternehmens.

Rund ein Drittel des Gaspreises machen Steuern und Abgaben aus. Neben der Mehrwertsteuer und der Erdgassteuer sind das die Anfang 2021 eingeführte CO2-Steuer und eine Konzessionsabgabe. Letztere geht an die Kommunen, deren Böden und Wege für den Betrieb und das Verlegen der Leitungen genutzt werden. Dabei spielen die Größe der Gemeinde und die Verbrauchsart – also ob das Gas nur fürs Kochen und Warmwasser, oder auch zum Heizen verwendet wird – eine Rolle.

Auch für die Nutzung der Leitungen entfällt eine Gebühr an, das sogenannte Netzentgelt. Erhoben wird es von den Netzbetreibern, die damit die Instandhaltung und den Ausbau des Gasnetzes finanzieren. Die Höhe der Netzentgelte wird alle fünf Jahre durch die Regulierungsbehörde der Länder festgelegt und hängt von lokalen Gegebenheiten wie der Geländeform, der Bevölkerungsdichte und dem Bedarf an Investitionen ab.

Auswirkungen der CO2-Steuer auf die Gaspreise

Für den Anstieg des Gaspreises in den letzten Monaten ist neben einer leichten Erhöhung der Netzentgelte vor allem die Anfang 2021 eingeführte CO2-Steuer verantwortlich. Erhoben wird sie auf fossile Brennstoffe, deren klimaschädliche Emissionen reduziert werden sollen. Gleichzeitig soll damit ein Umstieg auf umweltfreundlichere Technologien wie Solarthermie und Wärmepumpen befördert werden. Dieser wird dann auch aus den Einnahmen der CO2-Steuer bezuschusst.

Bezahlt werden muss pro Tonne ausgestoßenem CO2. Im ersten Jahr liegt der Betrag hierfür bei 25 €. Dies entspricht ungefähr 0,46 Cent/kWh. Bis 2025 steigt der Preis dann jährlich an:

Jahr

CO2-Steuer in Euro pro Tonne CO2

CO2-Steuer (ohne Mehrwertsteuer)

ungefähre Mehrkosten bei

20.000 kWh/a

2021

25 €/t CO2

0,46 ct/kWh

90 €

2022

30 €/t CO2

0,56 ct/kWh

110 €

2023

35 €/t CO2

0,64 ct/kWh

128 €

2024

45 €/t CO2

0,82 ct/kWh

164 €

2025

55 €/t CO2

0,91 ct/kWh

200 €

Ab 2026 beginnt dann der Handel mit sogenannten CO2-Zertifikaten. Für das erste Jahr wurden dabei noch eine Preisunter- und Obergrenze festgelegt: 55 - 65 €/t CO2. Danach bestimmt dann der Markt die Höhe der CO2-Steuer.

Prognose der Gaspreisentwicklung nur schwer möglich

Am Markt wird auch entschieden, wie es allgemein mit dem Gaspreis weitergehen wird. Denn als Handelsgut ist er abhängig von Angebot und Nachfrage. Dabei steht zu erwarten, dass die Nachfrage in den nächsten Jahren noch steigen wird. Denn immer mehr Industriezweige, wie die Automobilindustrie, entdecken Erdgas als gute Alternative zu Erdöl. Da Erdöl immer knapper wird, ist außerdem damit zu rechnen, dass die Ölpreise ansteigen werden.

Seit Abschaffung der Ölpreisbindung im Jahr 2010 besteht keine direkte Kopplung der beiden Rohstoffpreise mehr. Eingeführt in den 60ern, sollte sie Investitionen in den Ausbau von Pipelines und Förderanlagen planungssicher machen und eine Konkurrenz der Rohstoffe verhindern. So ließ man den Gaspreis stets im viertel- oder halbjährigen Abstand dem Ölpreis folgen; ungeachtet der eigentlich viel niedrigeren Produktions- und Importkosten. Inzwischen kann beim Gas eine eigenständigere Preisentwicklung beobachtet werden, was jedoch auch deren Vorhersage schwieriger macht.

Dies hängt auch damit zusammen, dass die Bedeutung von Spotmärkten immer mehr zunimmt. Wurden früher hauptsächlich am Terminmarkt Verträge mit einer Laufzeit von bis zu 6 Jahren geschlossen, kann jetzt am Spotmarkt auch kurzfristig Gas eingekauft werden. Dadurch unterliegen die Gaspreise aber auch stärker auf aktuellen Ereignissen basierenden Schwankungen.

So können Konflikte in Förderländern die Gaspreise wegen ausbleibender Gaslieferungen in die Höhe treiben, während der Bau von Pipelines in politisch sicheren Ländern für deren Sicherstellung sorgt. Neben der Lieferbarkeit ist auch die Verfügbarkeit entscheidend. So steht durch den Fracking-Boom in den USA und Australien derzeit ein großes Angebot an Erdgas zur Verfügung.

Andererseits ist damit zu rechnen, dass die Nachfrage nach dem Rohstoff im Zuge des Atom- und Kohleausstiegs steigen wird. Gleichzeitig kann es sein, dass der Klimawandel langfristig zu wärmeren Wintern und damit einem geringeren Bedarf an Brennstoffen führt. Eine genaue Prognose, wie es mit dem Gaspreis weitergehen wird, ist somit nur schwer zu treffen.

Der Gaspreis im Vergleich zu anderen Energieträgern

Bisher jedoch verlief die Gaspreisentwicklung recht konstant. Beim Heizöl dagegen ändern sich die Preise teilweise täglich, da sie sehr viel stärker saisonalen, politischen und anderen Schwankungen unterliegen. Auch die regionale Verfügbarkeit des Rohstoffs und wie schnell dieser innerhalb Deutschlands transportiert kann, tragen zur Preisentwicklung bei. So kam es 2018 wegen Niedrigwassers am Rhein zu Transportschwierigkeiten, was einen Preisanstieg zur Folge hatte. Im September 2020 erreichten die Heizölpreise dann ein Zehn-Jahres-Tief. Inzwischen ging es mit ihnen wieder bergauf, was zum Teil auch mit der CO2-Steuer zusammenhängt. Diese schlägt wegen der größeren Menge an entstehendem CO2 beim Ölpreis noch stärker zu Buche als beim Gaspreis.

Nicht von der CO2-Steuer betroffen ist der Strompreis. Allerdings befindet sich dieser bereits wegen anderer Abgaben seit Jahren auf hohem Niveau und ist deshalb wesentlich teurer als der Gaspreis. Außerdem steigt er seit 1998 jedes Jahr kontinuierlich an. 2013 machte er wegen der Anhebung der EEG-Umlage, der Verteuerung der Netzentgelte und der Einführung der Offshore-Haftungsumlage einen besonders großen Sprung.

Stabiler und auch deutlich niedriger gestaltet sich die Preisentwicklung bei Pellets. Da es sich bei diesen zumeist um Abfallprodukte der lokalen Holzindustrie handelt, besteht so gut wie keine Abhängigkeit vom Weltmarkt. Und als weitgehend klimaneutraler Brennstoff sind Pellets auch von der CO2-Steuer befreit.

Der Preis von Erdgas ist im Vergleich zu dem von Heizöl, Strom und Pellets seit zehn Jahren sehr konstant. | Daten: BWMi & Bund der Energieverbraucher

Heizkosten sparen durch effizientere Technik

Beim Gaspreis dagegen wird die CO2-Abgabe definitiv in den nächsten Jahren zu spüren sein. Hinzukommt, dass in vielen Haushalten der Gasverbrauch aufgrund veralteter Heiztechnik sehr hoch ist. So beträgt das durchschnittliche Alter deutscher Gasheizungen 15 Jahre. Über 60 % davon sind sogar schon 20 Jahre und älter. Nach einer so langen Betriebszeit haben sie durch Verschleiß schon einiges an Effizienz eingebüßt. So beträgt der Wirkungsgrad alter Gaskessel oft nur 80 % oder noch weniger. Ein Fünftel der zugeführten Wärmemenge geht also ungenutzt verloren. Ist dann auch noch die Dämmung des Hauses unzureichend, steigt der Energiebedarf weiter.

In so einem Fall empfiehlt es sich, über einen Heizungstausch nachzudenken. Eine moderne Brennwerttherme ist nicht nur effizienter und damit ökologischer, sondern sorgt auch dafür, dass die Menge an benötigtem Gas sinkt und somit steigende Gaspreise weniger ins Gewicht fallen. Nutzt man die Gasheizung dann noch in Kombination mit einem auf erneuerbarer Energie basierenden System wie Solarthermie oder einem Kaminofen, lässt sich der Energieverbrauch sogar noch weiter senken.

Noch umweltfreundlicher wäre, den Energieträger ganz zu wechseln. So mag Strom derzeit zwar weitaus teurer als Erdgas sein. Setzt man ihn jedoch für den Antrieb einer Wärmepumpe ein, die zum großen Teil mit kostenloser Umgebungswärme arbeitet, wird nur noch ein Bruchteil an zuzuführender Energie notwendig. Mit einem Wirkungsgrad von teils 400 % und mehr sorgt die Wärmepumpe dafür, dass der Unterschied zwischen Strom- und Gaspreis kaum noch zu spüren ist.

Bei Pelletheizungen wiederum ist der Brennstoff nicht nur preiswerter, sondern auch sehr viel klimaschonender. So entsteht bei Pellets nicht einmal ein Zehntel der Menge an CO2, die bei Erdgas freigesetzt wird. Hinzukommt, dass deren Herstellung meist vor Ort stattfindet und dafür nur wenig Energie notwendig ist. Außerdem handelt es sich bei Holz um einen nachwachsenden Rohstoff.

Welcher Heizungstyp für die jeweilige Wohnsituation am geeignetsten ist, kann ein Fachbetrieb am besten beurteilen. In jedem Fall wird die Erneuerung einer Gasheizung durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)und die KfW staatlich gefördert. Denn eine effizientere Heiztechnik macht nicht nur unabhängiger von der Gaspreisentwicklung, sondern trägt auch zum Klimaschutz bei.

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Erfahrungen & Fragen zum Thema Gasheizung

Berechnung von notwendigen kW im Verhältnis zur Wohnfläche

Wieviel kW sollte meine Heizung haben? Meine Wohnfläche beträgt ca 240 qm. Gibt es eine Faustformel, mit der man die notwendigen kW ins Verhältnis zur Wohnfläche setzen kann?
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Der Heizbedarf sollte in einer Wärmebedarfsberechnung ermittelt werden - für die Inanspruchnahme von Fördermitteln sogar notwendig. Die Angaben KW/m² wird zwar auch benutzt - es sind aber nur sehr ungenaue Schätzwerte. Man benötigt dazu die Verbrauchswerte oder die Richtwerte der Wärmeschutzverordnung oder Energieeinsparverordnung nach Baujahr - wenn es so gebaut wurde? Das ist z. B. bei einem älteren Haus sehr gewagt.

MfG Gunter Georgi

Gaskombitherme austauschen: Einbau einer neuen Heizwerttherme möglich?

Ich stehe vor dem Austausch meiner Gaskombitherme Junkers zwr 18 - 1 ke. Sie ist etwas über 30 Jahre alt. Muss ich nun eine Brennwerttherme einbauen (nach aktueller Gesetzeslage) oder kann ich wieder eine Heizwerttherme (Kombigerät) wählen? Ich persönlich würde gerne wieder eine Heizwerttherme einbauen, am besten wieder Junkers. Die Wohnung ist 74 Quadratmeter groß.
Antwort von Ingenieurbüro für effiziente Energieanwendung

Seit dem 26. September 2015 ist die Neuinstallation von Heizwertgeräten im gesamten EU-Gebiet verboten. Es gibt Ausnahmen, die die Fälle der Mehrfachbelegung von Schornsteinanlagen atmosphärischer Geräte betreffen.
Der Ersatz von alten Heizwertgeräten bedarf einer Anpassung des vorhandenen Abgassystems und einer Anlage zur Abfuhr des anfallenden Kondensates aus der Brennwerttechnik. Denn nur Brennwertgeräte sind dann als Neuinstallation zulässig. Der Austausch von Bauteilen an Heizwertgeräten ist so lange möglich, wie die Herstellerindustrie diese Bauteile nachliefert.
Es ist immer sinnvoll, die Meinung des zuständigen Schornsteinfegers einzuholen. Er nimmt die Anlage sowieso ab.
Hinweis: 1. Bei Weiterbetrieb von Heizwertanlagen ist der Einsatz von Hocheffizienzpumpen sinnvoll.
2. Einsparungen durch neue Brennwerttechnik ist immer auch von der nachgeschalteten Wärmeverteilung im Gebäude
abhängig, d.h. von der erforderlichen Vorlauftemperatur.
3. Der Ersatz von Wärmeerzeugern macht einen hydraulischen Abgleich der thermostatischen Heizkörperventile
erforderlich, besonders wenn Fördermittel generiert werden sollen.

Bei Neubau: Gas-Brennwertheizung vs. Luftwärmepumpe?

Wir planen ein Fertighaus - und haben hier die Wahl seitens des Bauträgers zwischen einer Gas-Brennwert Heizung und einer Luft-Wärmepumpe (eine Erdwärmepumpe steht nicht zur Verfügung). Der Gasanschluss kostet ungefähr 400 Euro. Bei den Luftwärmepumpen sind die Mehrkosten etwa 10.000 Euro im Vergleich zur Gasheizung. Angeboten wird hier eine Nibe F2040 oder einer Nibe F2120. Was macht hier am meisten Sinn, um zukünftig auf der sicheren Seite zu sein? Mein Kopf sagt, dass sich der Mehrpreis für eine Luftwärmepumpe beim aktuellen Gaspreis nicht lohnt. Zudem kann man für den Mehrpreis ja auch eine Solarthermie oder Photovoltaikanlage installieren (oder zumindest teilweise auch schon vorbereiten). Allerdings hat meine Frau auch widerrum Vorbehalte gegen die Sicherheit einer Gasheizung (wegen Gasaustritt) - wobei ich nicht weiß, ob das bei neuen / aktuellen Gasheizungen noch ein Thema ist. Was würden Sie hier empfehlen?
Antwort von LKS SARL

Ich würde raten weder noch! Sie haben schon bei der Solarthermie einen vernünftigen Gedanken, warum nicht direkt auf Pellets hinaus gehen: wir haben das schon fast 20 Jahre: Komfort hervorragend, heimische Energie, bezahlbare wenig schwankbare Kosten und Gebäude Wertzunahme.

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