Gaspreise: Aktuelle, vergangene und zukünftige Entwicklung

Nach Jahren der Stabilität zeigte sich der Gaspreis in den vergangenen Monaten sehr sprunghaft und erreichte zuletzt Höchstwerte. Verantwortlich dafür sind verschiedene Faktoren. Diese zu kennen, kann Ihnen einen Ausblick auf die weitere Entwicklung der Gaspreise geben und Ihnen helfen, den für Sie passendsten Energieträger zu finden.
Ariane Müller
Dieser Artikel wurde von
Ariane Müller für www.Heizungsfinder.de verfasst.
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Aktueller Gaspreis 2022

Am 24. Februar 2022 betrug der durchschnittliche Gaspreis 11,15 Cent/kWh bei einem Verbrauch von 20.000 kWh. Im Januar 2022 mussten Sie dafür im Schnitt 12,21 Cent/kWh zahlen. Noch höher lag der Gaspreis im Dezember 2021. So erreichte er am 21.12.2021 mit 21,15 Cent/kWh seinen bisherigen Höchststand. Im Vergleich zum letzten Winter entspricht dies einer Preissteigerung von 65 Prozent.

Inhalt


Wie sich der Gaspreis seit 2020 entwickelte

Dass die Gaspreise in der vergangenen Heizperiode so viel niedriger waren, lag zum großen Teil an der Corona-Pandemie. Diese sorgte 2020 sorgte für eine Schwächung der Weltkonjunktur und eine dadurch geringere Nachfrage nach Brennstoffen wie Erdgas und Heizöl. Dies ließ auch die Gaspreise bis Mitte 2020 sinken, bis sie, unterstützt von der reduzierten Mehrwertsteuer, im August ein Zehn-Jahres-Tief erreichten. Schon zum Jahresende 2020 stiegen die Großhandelspreise dann aber wieder um über 50 %.

Noch gingen die Gaspreise seit Oktober 2021 nach oben. Betrugen sie am Monatsanfang noch das Niveau von 2015, kam es danach zu enormen Preissprüngen. Kurz vor Weihnachten 2021 lag der Großhandelspreis dann mehr als 500 Prozent über dem Vorjahreswert. Danach sanken sie wieder etwas, da eine größere Menge Flüssiggas aus Amerika geliefert wurde und somit die Nachfrage nach russischem Gas zurückging.


Gründe für den Anstieg der Gaspreise

Die Abhängigkeit von Russland, was Gaslieferungen angeht, spielt eine wichtige Rolle beim Preisanstieg der vergangenen Monate. Bisher bezieht Deutschland 55 Prozent seines Gases von dort. In letzter Zeit aber lieferte Russland weniger Gas als zuvor. Mit Beginn des Ukraine-Kriegs stieg deshalb die Sorge, dass die russischen Gaslieferungen ganz ausbleiben könnten. In Erwartung einer Angebotsverknappung kam es am Markt zu erneuten Preisanstiegen. Dazu trug auch die ausbleibende Genehmigung für die Gaspipeline Nord Stream 2 bei.

Vor der Eskalation der Ukraine-Krise war es vor allem die weltweite Konjunkturerholung, die die Gaspreise in die Höhe trieb. Während zu Hochzeiten der Corona-Pandemie die Wirtschaft heruntergefahren wurde, stieg im Verlauf von 2021 der Energiebedarf wieder. Am Terminmarkt sorgte dies für eine Verfünffachung der Gaspreise.


Wie sich der Gaspreis zusammensetzt

Angebot und Nachfrage bestimmen die Preisentwicklung an der Börse. Je höher der Großhandelspreis ausfällt, desto mehr müssen die Versorger für den Gaserwerb zahlen. Derzeit machen die Beschaffungskosten mit über 61 Prozent den größten Anteil des von den Verbrauchern zu zahlenden Gaspreises aus. Sie umfassen den Einkauf und Import des Gases, dessen Speicherung und Lieferung sowie die Gewinnmarge des Unternehmens. Hinzu kommen dann noch die Vertriebskosten für die Vermarktung.

Zusammensetzung Gaspreis Januar 2022

Ein weiterer Kostenfaktor ist die Gebühr, die für die Nutzung der Leitungen anfällt – das sogenannte Netzentgelt. Erhoben wird sie von den Netzbetreibern, die damit die Instandhaltung und den Ausbau des Gasnetzes finanzieren. Die Höhe der Netzentgelte wird alle fünf Jahre durch die Regulierungsbehörde der Länder festgelegt und hängt von lokalen Gegebenheiten wie der Geländeform, der Bevölkerungsdichte und dem Bedarf an Investitionen ab. Zuletzt stiegen die Netzentgelte in nahezu 90 Prozent der Postleitgebiete um rund 3 Prozent.

Rund ein Viertel des Gaspreises entfällt auf Steuern und Abgaben. Dazu zählen die Mehrwertsteuer, die Erdgassteuer sowie eine Konzessionsabgabe. Letztere geht an die Kommunen, deren Böden und Wege für den Betrieb und das Verlegen der Leitungen genutzt werden. Dabei spielen die Größe der Gemeinde und die Verbrauchsart – also ob das Gas nur fürs Kochen und Warmwasser, oder auch zum Heizen verwendet wird – eine Rolle.


Auswirkungen der CO2-Steuer

Seit Anfang 2021 wird auf fossile Brennstoffe außerdem eine CO2-Steuer erhoben. Diese soll zur Reduzierung von klimaschädlichen Emissionen beitragen und den Umstieg auf umweltfreundlichere Technologien wie Solarthermie und Wärmepumpen befördern. Die Einnahmen der CO2-Steuer fließen deshalb in dafür aufgelegte Förderprogramme.

Berechnet wird die Abgabe je Tonne ausgestoßenem CO2. Im ersten Jahr lag der Betrag hierfür bei 25 €. Dies entsprach ungefähr 0,46 Cent/kWh. 2022 erhöhte sich er um 20 Prozent. Bis 2025 erfolgt jährlich eine Anhebung des CO2-Preises:

JahrCO2-Steuer in Euro pro Tonne CO2CO2-Steuer (ohne Mehrwertsteuer)Mehrkosten bei

20.000 kWh/a

2021
25 €/t CO20,46 ct/kWh90 €
202230 €/t CO20,56 ct/kWh110 €
202335 €/t CO20,64 ct/kWh128 €
202445 €/t CO20,82 ct/kWh164 €
202555 €/t CO20,91 ct/kWh200 €

Ab 2026 beginnt dann der Handel mit sogenannten CO2-Zertifikaten. Für das erste Jahr wurden dabei noch eine Preisunter- und -obergrenze festgelegt: 55 - 65 €/t CO2. Danach wird dann der Markt deren Höhe bestimmen.

Wie sich Gas preislich von anderen Energieträgern unterscheidet

Noch größer ist der Einfluss der CO2-Steuer auf den Preis von Heizöl. Denn bei der Verbrennung von Öl wird noch mehr CO2 frei als bei der von Erdgas. Auch unterliegen die Heizölpreise noch stärker saisonalen, politischen und anderen Schwankungen und ändern sich dadurch teilweise täglich. Auch die regionale Verfügbarkeit des Rohstoffs und wie schnell dieser innerhalb Deutschlands transportiert kann, tragen zur Preisentwicklung bei. So kam es 2018 wegen Niedrigwassers am Rhein zu Transportschwierigkeiten, was einen Preisanstieg zur Folge hatte. Im September 2020 erreichten die Heizölpreise dann ein Zehn-Jahres-Tief. Inzwischen hat aber auch hier eine Trendwende stattgefunden und zu nie gekannten Höchstständen geführt.

Stabiler und auch deutlich niedriger gestaltet sich die Preisentwicklung bei Pellets. Da es sich bei diesen zumeist um Abfallprodukte der lokalen Holzindustrie handelt, besteht so gut wie keine Abhängigkeit vom Weltmarkt. Und als weitgehend klimaneutraler Brennstoff sind Pellets auch von der CO2-Steuer befreit. Zwar sind auch die Pelletpreise in den vergangenen Monaten stärker angestiegen. Sie liegen jedoch weiterhin weit unter denen der fossilen Brennstoffe.

Entwicklung von Gaspreis, Ölpreis und Pelletpreis von 2012 bis 2021Die vergangenen zehn Jahre zeigten sich beim Gaspreis kaum Veränderungen. Während der Pelletpreis stets niedriger ausfiel, verzeichnete der Heizölpreis viele Schwankungen. | Grafik: © Heizungsfinder


Prognose der Gaspreisentwicklung nur schwer möglich

Wie es mit dem Gaspreis weitergehen wird, ist schwer abzuschätzen. Es steht zu erwarten, dass die Nachfrage in den nächsten Jahren noch steigen wird. Denn immer mehr Industriezweige, wie die Automobilindustrie, entdecken Erdgas als gute Alternative zu Erdöl. Da Erdöl immer knapper wird, ist außerdem damit zu rechnen, dass die Ölpreise ansteigen werden.

Seit Abschaffung der Ölpreisbindung im Jahr 2010 besteht keine direkte Kopplung der beiden Rohstoffpreise mehr. Eingeführt in den 60ern, sollte sie Investitionen in den Ausbau von Pipelines und Förderanlagen planungssicher machen und eine Konkurrenz der Rohstoffe verhindern. So ließ man den Gaspreis stets im viertel- oder halbjährigen Abstand dem Ölpreis folgen; ungeachtet der eigentlich viel niedrigeren Produktions- und Importkosten. Inzwischen kann beim Gas eine eigenständigere Preisentwicklung beobachtet werden, was jedoch auch deren Vorhersage schwieriger macht.

Dies hängt auch damit zusammen, dass die Bedeutung von Spotmärkten immer mehr zunimmt. Wurden früher hauptsächlich am Terminmarkt Verträge mit einer Laufzeit von bis zu 6 Jahren geschlossen, kann jetzt am Spotmarkt auch kurzfristig Gas eingekauft werden. Dadurch unterliegen die Preise dort aber auch stärker den auf aktuellen Ereignissen basierenden Schwankungen.

So können Konflikte in Förderländern die Gaspreise wegen ausbleibender Gaslieferungen in die Höhe treiben, während der Bau von Pipelines in politisch sicheren Ländern für deren Sicherstellung sorgt. Neben der Lieferbarkeit ist auch die Verfügbarkeit entscheidend. So steht durch den Fracking-Boom in den USA und Australien derzeit ein großes Angebot an Erdgas zur Verfügung.

Andererseits ist damit zu rechnen, dass die Nachfrage nach dem Rohstoff im Zuge des Atom- und Kohleausstiegs steigen wird. Gleichzeitig kann es sein, dass der Klimawandel langfristig zu wärmeren Wintern und damit einem geringeren Bedarf an Brennstoffen führt.

Aktuelle Gaspreis-Prognose

Derzeit gehen Experten davon aus, dass sich der Gaspreis wahrscheinlich im Laufe des Frühlings etwas entspannen wird. Allerdings wird er wohl das ganze Jahr über auf einem recht hohen Niveau bleiben; möglicherweise auch über 2022 hinaus. Denn bereits jetzt werden am Terminmarkt Lieferverträge für die kommenden Jahre geschlossen. Sollte in Zukunft aufgrund von Lieferengpässen bei russischem Gas verstärkt auf den Import von Flüssiggas gesetzt werden, hätte dies weitere Preisanstiege zur Folge.


Heizkosten sparen durch effizientere Technik

Auf viele Haushalte wird also in den nächsten Jahren eine höhere Gasrechnung zukommen. In vielen ist der Gasverbrauch aufgrund veralteter Heiztechnik außerdem viel zu hoch. So beträgt das durchschnittliche Alter deutscher Gasheizungen 15 Jahre. Über 60 % davon sind sogar schon 20 Jahre und älter. Nach einer so langen Betriebszeit haben sie durch Verschleiß schon einiges an Effizienz eingebüßt. So beträgt der Wirkungsgrad alter Gaskessel oft nur 80 % oder noch weniger. Ein Fünftel der zugeführten Wärmemenge geht also ungenutzt verloren. Ist dann auch noch die Dämmung des Hauses unzureichend, steigt der Energiebedarf weiter.

In so einem Fall empfiehlt es sich, über einen Heizungstausch nachzudenken. Eine moderne Brennwerttherme ist nicht nur effizienter und damit ökologischer, sondern sorgt auch dafür, dass die Menge an benötigtem Gas sinkt und somit steigende Gaspreise weniger ins Gewicht fallen. Nutzt man die Gasheizung dann noch in Kombination mit einem auf erneuerbarer Energie basierenden System wie Solarthermie oder einem Kaminofen, lässt sich der Energieverbrauch sogar noch weiter senken.


Sich von hohen Gaspreisen unabhängig machen

Noch umweltfreundlicher wäre, den Energieträger ganz zu wechseln. So mag Strom zwar weitaus teurer als Erdgas sein – auch, weil dieses zur Stromproduktion eingesetzt wird. Nutzt man ihn jedoch für den Antrieb einer Wärmepumpe, die zum großen Teil mit Umgebungswärme arbeitet, ist der Unterschied zwischen Strom- und Gaspreis kaum zu spüren. Denn eine Wärmepumpe mit einem Wirkungsgrad von 400 % braucht nur ein Viertel der Energiemenge, die eine moderne Gasbrennwerttherme benötigt.

Pelletheizungen wiederum zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Brennstoff nicht nur preiswerter, sondern auch sehr viel klimaschonender. So entsteht bei Pellets nicht einmal ein Zehntel der Menge an CO2, die bei Erdgas freigesetzt wird. Hinzukommt, dass deren Herstellung meist vor Ort stattfindet und dafür nur wenig Energie notwendig ist. Außerdem handelt es sich bei Holz um einen nachwachsenden Rohstoff. Ein weiteres Plus ist, dass Sie mit dem Kauf von Pellets die einheimische Wirtschaft unterstützen.

Der Staat unterstützt den Umstieg auf effiziente und umweltfreundliche Heiztechnik mit einer alle Anschaffungs- und Installationskosten umfassenden Heizungsförderung. Denn mit einer modernen Heizanlage können Sie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dass Sie nebenbei auch einiges an Heizkosten sparen, dürfte ein zusätzlicher Anreiz sein. Welcher Heizungstyp am besten zu Ihrer Wohnsituation passt, kann Ihnen ein darauf spezialisierter Fachbetrieb sagen.

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