Lohnt sich Brennwert bei der Modernisierung?

Im Neubau ist die Brennwertheizung Standard. Dort stellt sich die Frage nach Brennwert oder Heizwert nicht. Doch der Neubau ist nur ein kleiner Teil des Häuserbestands in Deutschlands und irgendwann macht die angerostete Heizung im Altbau nicht mehr mit. Bei der Frage nach Brennwert oder Heizwert im Altbau stößt man oft auf widersprüchliche Behauptungen. Lohnt sich Brennwert bei einer Modernisierung überhaupt? In den meisten Fällen fällt die Antwort positiv aus - es gibt allerdings einige Ausnahmen.
Dieser Artikel wurde von
Markus Fasselt für www.Heizungsfinder.de verfasst.
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HeizungenGasheizungNeue GasheizungLohnt Brennwert?

Lohnt sich Brennwert oder reicht Heizwert?

Grafik: ASUE Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen
Energieverbrauch e.V.
Von den technischen Daten her liegt Brennwerttechnik klar im Vorteil gegenüber der älteren Heizwerttechnik. Kurz gefasst nutzt eine Brennwertheizung zusätzliche Energie aus dem Wasserdampf, der bei der Verbrennung anfällt.

In alten Geräten verlässt diese Wärmeenergie das Haus durch den Schornstein und ist verloren. Brennwertgeräte sorgen dafür, dass der Wasserdampf sich durch Abkühlung niederschlägt (kondensiert), wobei der Wasserdampf seine enthaltene Wärme abgibt. Sie wird dem Heizkreislauf wieder zugeführt.

Lohnt sich Brennwert also? In Kombination mit weiteren technischen Verbesserungen führt Brennwert bei Gaskesseln - Ölheizungen erreichen andere Werte - zu einem möglichen Effizienzgewinn von 11 - 30 % gegenüber sehr alten Standardkesseln und zu 5 - 11 % im Vergleich zu neueren Niedertemperatur­kesseln. Wenn man diese Werte den Kosten einer Gasbrennwertheizung ( insgesamt 7000 bis 8000 Euro) gegenüberstellt, erreicht man im Idealfall eine Amortisationszeit in 7- 10 Jahren. Aber auch bei "Ohnehin-Maßnahmen", wenn zum Beispiel der alte Kessel seinen Dienst einstellt, ist man mit der Brennwerttechnik auf der besseren Seite. Beispielhafte Heizkosten im Vergleich zwischen Brennwert oder Heizwert und anderen Systemen finden Sie in unserem Artikel Heizkosten im Altbau im Vollvergleich.

Was sich in der Theorie ganz gut liest, ist in der Praxis leider oft nicht der Fall. Viele Gaskessel erreichen diese Werte nicht, so dass angenommen wird, dass Brennwert sich nicht lohnt, wenn man eine Gasheizung kaufen möchte. Lohnt sich Brennwert im Altbau generell nicht? Durchaus, wenn man einige Dinge beachtet.

Lohnt sich Brennwert im Altbau?

Damit ein Brennwertkessel seine technischen Vorteile voll nutzt, muss der Wasserdampf kondensieren können. Dies geschieht allerdings erst bei Abgastemperaturen unterhalb von 57-59 Grad Celsius, dem sogenannten Taupunkt von Erdgas. In den meisten Brennwertkesseln wird dies erreicht, indem der Rücklauf (das kühlere Wasser, das von den Heizkörpern zurück zum Kessel geleitet wird) möglichst kalt gehalten wird. Dort schlägt sich der Wasserdampf dann (meist innerhalb des Kessels) nieder und gibt seine Energie ab. In vielen Altanlagen kommt man jedoch nicht auf diese niedrigen Rücklauftemperaturen, da sie auf Vorlauftemperaturen von 70 oder gar 90 Grad Celsius geplant worden sind. Der entsprechende Rücklauf ist dann höher als der Taupunkt und eine Kondensation findet nicht statt. Lohnt sich Brennwert hier überhaupt noch? Meist schon. 

Früher wurden viele Anlagen zu groß bzw. zu leistungsstark ausgelegt und auch die Heizkörper waren entsprechend groß, um mehr Wärme abgegeben zu können. Aufgrund der großen Abgabefläche kommen diese großen Heizkörper in langen Zeiträumen des Jahres durchaus auch mit niedrigeren Vorlauftemperaturen (und entsprechend niedrigen Rücklauftemperaturen) zurecht, ohne dass es empfindlich kalt wird - denn moderne Brennwertheizungen passen ihre Leistung / Temperaturen gleitend an. Nur an besonders klirrenden Tagen wird der Taupunkt nicht unterschritten, so dass man über das Jahr betrachtet einen relativ großen Anteil Brennwertnutzen von seinem Gerät hat.

Auch falls man seit Einbau der Heizung wärmedämmende Maßnahmen durchgeführt hat, indem man beispielsweise neue Fenster eingebaut oder sein Dachgeschoss besser isoliert hat, kann man manchmal mit der Temperatur heruntergehen und den Brennwertnutzen maximieren. Falls ohnehin eine (Teil-)Sanierung des Gebäudes ansteht, so sollte man erst den Energiebedarf des Hauses reduzieren und dann einen Kessel mit passender Leistung wählen und auch den gesamten Heizkreislauf optimieren: moderne Niedertemperaturheizkörper oder eine Fußbodenheizung, eine moderne Hocheffizienzumwälzpumpe und dazu ein hydraulischer Abgleich, bei dem der Fachmann den hydraulischen Strom passgenau auf die bauliche Situation auslegt und so den Brennwertnutzen maximiert. Mit all diesen Maßnahmen lohnt sich Brennwert durchaus. Übrigens sollten Sie darauf achten, dass der Fachmann im Rahmen der Modernisierung prüft, ob das Abgassystem Ihres Hauses für Brennwerttechnik geeignet ist.

Wer liegt vorn? Brennwert oder Heizwert?

Grundsätzlich neigt sich die Waagschale zwischen Brennwert oder Heizwert recht eindeutig in Richtung Brennwert. In den meisten Fällen können moderne Heizungen so weit an Bedingungen im Bestandsbau angepasst werden, dass sich die Mehrkosten für ein Brennwertgerät rechnen. Nur wenn anhand eingehender Analyse vor Ort klar wird, dass ohne weitere Maßnahmen voraussichtlich kaum Brennwertnutzen erzielt wird, kann man zu einem Heizwertgerät greifen. Ansonsten überwiegen die Vorteile der Brennwertheizungen deutlich.

Lohnt sich Brennwert für Sie? Fachbetriebe für Heiztechnik helfen Ihnen bei der Entscheidung zwischen Brennwert oder Heizwert und erstellen Ihnen gerne Kostenvoranschläge und Berechnungen.

 

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Berechnung von notwendigen kW im Verhältnis zur Wohnfläche

Wieviel kW sollte meine Heizung haben? Meine Wohnfläche beträgt ca 240 qm. Gibt es eine Faustformel, mit der man die notwendigen kW ins Verhältnis zur Wohnfläche setzen kann?
Antwort von Anlagensanierung Georgi

Der Heizbedarf sollte in einer Wärmebedarfsberechnung ermittelt werden - für die Inanspruchnahme von Fördermitteln sogar notwendig. Die Angaben KW/m² wird zwar auch benutzt - es sind aber nur sehr ungenaue Schätzwerte. Man benötigt dazu die Verbrauchswerte oder die Richtwerte der Wärmeschutzverordnung oder Energieeinsparverordnung nach Baujahr - wenn es so gebaut wurde? Das ist z. B. bei einem älteren Haus sehr gewagt.

MfG Gunter Georgi

Gaskombitherme austauschen: Einbau einer neuen Heizwerttherme möglich?

Ich stehe vor dem Austausch meiner Gaskombitherme Junkers zwr 18 - 1 ke. Sie ist etwas über 30 Jahre alt. Muss ich nun eine Brennwerttherme einbauen (nach aktueller Gesetzeslage) oder kann ich wieder eine Heizwerttherme (Kombigerät) wählen? Ich persönlich würde gerne wieder eine Heizwerttherme einbauen, am besten wieder Junkers. Die Wohnung ist 74 Quadratmeter groß.
Antwort von Ingenieurbüro für effiziente Energieanwendung

Seit dem 26. September 2015 ist die Neuinstallation von Heizwertgeräten im gesamten EU-Gebiet verboten. Es gibt Ausnahmen, die die Fälle der Mehrfachbelegung von Schornsteinanlagen atmosphärischer Geräte betreffen.
Der Ersatz von alten Heizwertgeräten bedarf einer Anpassung des vorhandenen Abgassystems und einer Anlage zur Abfuhr des anfallenden Kondensates aus der Brennwerttechnik. Denn nur Brennwertgeräte sind dann als Neuinstallation zulässig. Der Austausch von Bauteilen an Heizwertgeräten ist so lange möglich, wie die Herstellerindustrie diese Bauteile nachliefert.
Es ist immer sinnvoll, die Meinung des zuständigen Schornsteinfegers einzuholen. Er nimmt die Anlage sowieso ab.
Hinweis: 1. Bei Weiterbetrieb von Heizwertanlagen ist der Einsatz von Hocheffizienzpumpen sinnvoll.
2. Einsparungen durch neue Brennwerttechnik ist immer auch von der nachgeschalteten Wärmeverteilung im Gebäude
abhängig, d.h. von der erforderlichen Vorlauftemperatur.
3. Der Ersatz von Wärmeerzeugern macht einen hydraulischen Abgleich der thermostatischen Heizkörperventile
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Bei Neubau: Gas-Brennwertheizung vs. Luftwärmepumpe?

Wir planen ein Fertighaus - und haben hier die Wahl seitens des Bauträgers zwischen einer Gas-Brennwert Heizung und einer Luft-Wärmepumpe (eine Erdwärmepumpe steht nicht zur Verfügung). Der Gasanschluss kostet ungefähr 400 Euro. Bei den Luftwärmepumpen sind die Mehrkosten etwa 10.000 Euro im Vergleich zur Gasheizung. Angeboten wird hier eine Nibe F2040 oder einer Nibe F2120. Was macht hier am meisten Sinn, um zukünftig auf der sicheren Seite zu sein? Mein Kopf sagt, dass sich der Mehrpreis für eine Luftwärmepumpe beim aktuellen Gaspreis nicht lohnt. Zudem kann man für den Mehrpreis ja auch eine Solarthermie oder Photovoltaikanlage installieren (oder zumindest teilweise auch schon vorbereiten). Allerdings hat meine Frau auch widerrum Vorbehalte gegen die Sicherheit einer Gasheizung (wegen Gasaustritt) - wobei ich nicht weiß, ob das bei neuen / aktuellen Gasheizungen noch ein Thema ist. Was würden Sie hier empfehlen?
Antwort von LKS SARL

Ich würde raten weder noch! Sie haben schon bei der Solarthermie einen vernünftigen Gedanken, warum nicht direkt auf Pellets hinaus gehen: wir haben das schon fast 20 Jahre: Komfort hervorragend, heimische Energie, bezahlbare wenig schwankbare Kosten und Gebäude Wertzunahme.

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