DAA WärmeIndex: Wie entwickelt sich der Heizungsmarkt

27. April 2022
Politische Ereignisse und die Förderkulisse beeinflussen den Heizungsmarkt stetig. Der DAA WärmeIndex stellt jedes Quartal vor, wie sich das Interesse an Wärmepumpe, Gasheizung und Co. entwickelt haben. Wo stehen regenerative und wo fossile Heizungssysteme?
Dieser Artikel wurde von
Gina Doormann für www.Heizungsfinder.de verfasst.
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HeizungenDAA WärmeIndex

Aktuelle Online-Nachfrage nach Heizungssystemen

Heizkosten beeinflussen das Interesse an verschiedenen Heizungssystemen. | Bildquelle: AdobeStock_Stockfotos-MG

Der DAA WärmeIndex stützt sich auf die Online-Nachfrage nach sowohl regenerativ als auch fossil betriebenen Heizungssystemen und wird von DAA aus Hamburg erhoben. DAA ist einer der größten deutschen Online-Dienstleister und Portalbetreiber für regenerative Energietechnik und ist auf Anfragen zu den Themen Heiztechnik, Photovoltaik, Sanierung und Energieeffizienz spezialisiert. Die Portale von DAA verzeichnen dabei eine durchschnittliche monatliche Besucherzahl von etwa 500.000 Seitennutzern (w/m/d).

Der DAA WärmeIndex basiert auf den Anfragen nach Heizungssystemen, die auf den Portalen von DAA abgegeben wurden. Für die mit fossilen Brennstoffen betriebenen Systeme betrachtet DAA hierfür die Öl- und Gasheizung, für die mit erneuerbaren Energien betriebenen Heizungen hingegen Wärmepumpe, Solarthermie und Pelletheizung. Der DAA WärmeIndex gibt damit Aufschluss über das aktuelle Interesse an erneuerbar und fossil betriebenen Heizungssystemen, stellt diese gegenüber und gewährt Einblicke in den Markt.

DAA Wärme-Indizes der einzelnen Quartale

Hier finden Sie den DAA WärmeIndex des jeweiligen Quartals: zum Sofortlesen und auch zum Download. Sie haben Fragen dazu? Dann schreiben Sie gerne an presse@daa.net.

DAA WärmeIndex Q1 2022: Nachfrage nach regenerativen Heizungssystemen steigt um mehr als 500 Prozent – nach fossilen um weniger als 50 Prozent

Die Nachfrage nach erneuerbaren Heizsystemen steigt im ersten Quartal 2022 bei DAA rapide an, während das Interesse an fossilen Heizungssystemen klar abnimmt. Hohe Energiekosten sowie der Krieg in der Ukraine beeinflussen offenbar die Schwerpunktsetzung von Interessenten (w/m/d). Die „Wärmepumpen-Offensive“ sowie Habecks „EEG-Osterpaket“ geben zudem von politischer Seite klar die Richtung hin zu regenerativen Systemen vor.

Hamburg, den 26.04.2022. Das erste Quartal 2022 war sowohl politisch als auch energiepolitisch sehr bewegt. Dabei hat sich der Aufwärtstrend bei der Nachfrage nach regenerativen Heizungssystemen, der bereits im 4. Quartal 2021 begonnen hatte, noch deutlich verstärkt. Auch die Entwicklung bei den Anfragen nach den fossil betriebenen Ölheizungen und Gasheizungen ähnelte der vorhergehenden Entwicklung.

Im ersten Quartal 2022 liegen die Nachfragen nach Erneuerbaren deutlich über denen nach Fossilen. | Grafik: DAA

Relevante innen- und außen- sowie energiepolitische Daten aus dem ersten Quartal beeinflussten das von DAA beobachtete Anfrageverhalten von Interessenten (w/m/d). Direkt in Kalenderwoche 4, am 24. Januar 2022, sorgte der plötzliche und vorgezogene vorläufige Stopp der Neubauförderung von Effizienzgebäuden 55 für zusätzliche Unruhe im Bausektor.

DAA bemerkte eine Reaktion darauf daran, dass für die folgenden drei Wochen nur noch ein marginaler Anstieg an Nachfragen nach den erneuerbaren Systemen Solarthermie, Wärmepumpe und Pelletheizung erkennbar war: Es ging in diesem Zeitraum lediglich um 9 Indexpunkte nach oben. Bei den fossilen Systemen Ölheizung und Gasheizung ging die Nachfrage fast simultan zurück und zeigte erst von KW 6 bis 7 wieder eine Erholung.

Steiler Anstieg der Nachfrage nach erneuerbaren Heizungssystemen

Aber ab der KW 7 drehte sich diese Entwicklung: Die Erneuerbaren legten in der Folgewoche um ganze 122 Indexpunkte zu, während die Fossilen 27 Punkte verloren. Was geschah in dieser Woche? Im Vorlauf der Eskalation des Konfliktes in der Ukraine hatten russische Truppenbewegungen mehrere hochrangige westliche Politiker dazu gebracht, den russischen Präsidenten Putin zu treffen. Eine allgemeine Nervosität wurde spürbar und auch das Thema der Abhängigkeit vom russischen Gas und Öl wurde bereits medial thematisiert.

Das Ergebnis: ein deutlich steigendes Interesse an alternativen Heizungslösungen zu Gas und Öl – bei gleichzeitiger Abwendung von fossilen Brennstoffen. Diese Entwicklung verfestigte sich während des gesamten ersten Quartals 2022, zumal mit dem tatsächlichen Beginn des Ukraine-Krieges am 24.02.2022 in der 8. Kalenderwoche.

Die von Bundeskanzler Olaf Scholz thematisierte „Zeitenwende“ scheint nicht allein außen-, sondern auch energiepolitisch eingetreten zu sein. Von KW 7 bis KW 9 legten die Anfragezahlen nach erneuerbaren Heizungssystemen bei DAA um 189 von 179 auf 368 Indexpunkte zu: ein Anstieg um mehr als das Doppelte. Derweil nahm das Interesse an fossil betriebenen Heizungssystemen um 24 Indexpunkte ab: Es sank von 185 Indexpunkten in KW 7 auf 161 Indexpunkte in KW 9.

Neben Sorgen um die persönliche Versorgung mit Gas zum Heizen kam seit Kriegsbeginn auch hierzulande die Belastung durch kontinuierlich steigende Energiepreise hinzu. Bereits vor dem Krieg, seit Jahresbeginn, waren die Energiepreise sprunghaft angestiegen. Laut dem Vergleichsportal Verivox hatte etwa Gas noch im Dezember 2021 rund 8,5 Cent pro Kilowattstunde gekostet und war im Januar 2022 mit rund 16,5 Cent pro Kilowattstunde auf mehr als das Doppelte geschnellt.

Der Strompreis hat mit dem Jahreswechsel ebenfalls stark angezogen: von rund 35 Cent pro kWh im Dezember 2021 auf rund 41 Cent pro Kilowattstunde im Januar 2022. Mit dem Kriegsbeginn stiegen zudem die Preise fürs Tanken: In der KW 10 überschritten sowohl Benzin als auch Diesel die 2-Euro-Marke pro Liter.

Energiekosten Q1 2022 laut Verivox

Gas

Strom

(Dez 21)

(8,52 ct/kWh)

(34,64 ct/kWh)

Jan

16,51 ct/kWh

40,64 ct/kWh

Feb

14,15 ct/kWh

38,82 ct/kWh

März

12,98 ct/kWh

37,02 ct/kWh

(Quelle: verivox.de)

Heizungs-Austauschprogramm wird vorgezogen: Nachfrage nach Erneuerbaren zieht an

Das Interesse an Wärmepumpen lag das komplette erste Vierteljahr 2022 weit über dem an allen anderen Heizsystemen. | Grafik: DAA

Die Politik reagierte in der KW 12, am 24.03.2022, auf die gestiegenen Energiepreise mit dem „Energie-Entlastungspaket“: Neben Einmalzahlungen enthält es die Senkung der Kraftstoffsteuer für drei Monate und stark vergünstige Fahrkarten für den öffentlichen Personennahverkehr – als Alternative zum Auto. Zudem wurde die Austauschpflicht für Gasheizungen angepasst: Statt wie vorher ab 2025 soll nun bereits ab 2024 jede neu eingebaute Gasheizung zu 65 Prozent erneuerbare Energie integrieren – und auch das Austauschprogramm für Heizungsanlagen, die älter als 20 Jahre sind, soll novelliert werden. Weiterhin hat Bundeswirtschaftsminister Habeck eine „Wärmepumpen-Offensive“ angekündigt. Diese politischen Ankündigungen erklären, dass die Nachfrage nach Erneuerbaren von KW 12 bis KW 13 um nochmals 159 Indexpunkte anzog: von 450 auf 609 Indexpunkte. Allein die Wärmepumpen-Anfragen stiegen um 264 Indexpunkte. Zum Vergleich: Die Fossilen stiegen um lediglich 29 Indexpunkte von 119 auf 148 Indexpunkte an.

Bereits in der 9. KW, am 04.03.2022, hatte Bundeswirtschaftsminister Habeck das „EEG-Osterpaket“ angekündigt. Die zahlreichen enthaltenen Änderungen unterstrichen den Willen der Regierung, den Ausbau der Versorgung durch erneuerbare Energien voranzubringen. Bei den verstärkten Bestrebungen, eine Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu erlangen, spielt für die Bundesregierung nun auch die strategische Abhängigkeit vom Hauptlieferanten Russland, der mit 55 % Anteil den Löwenanteil an den deutschen Gas-Importen hält, eine elementare Rolle von nationaler Tragweite. Bundesfinanzminister Lindner spracht in diesem Kontext bei den erneuerbaren Energien auch von „Freiheitsenergien“.

Der BDEW (Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft e. V.) veröffentlichte derweil Daten, nach denen der Erdgasverbrauch in Deutschland in den Monaten Januar und Februar 2022 im Vergleich zu 2021 ebenfalls gesunken ist. Dies steht selbstredend in keinem Zusammenhang zu den reduzierten Anfragen nach Gas- und Ölheizungen. Dennoch könnte der Rückgang um rund 8 bis 11 Prozent im Verbrauch durchaus auf ein Hinterfragen des eigenen Heizverhaltes durch Verbraucher in Anbetracht steigender Energiepreise hindeuten. Weiterhin seien laut BDEW im selben Zeitraum 54 Prozent des deutschen Stromverbrauchs durch Erneuerbare Energien gedeckt worden.

Prozentuale Entwicklung der Nachfrage nach einzelnen Heizungssystemen bei DAA im 1. Quartal 2022 (von KW 13 im Vergleich zu KW 1)

System

Entwicklung in %

Regenerativ

509,28

Fossil

47,97

Gasheizung

53,21

Ölheizung

7,14

Pelletheizung

212,35

Solarthermie

368,10

Wärmepumpe

782,43

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