Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) 2022 und Novelle 2023

18. Oktober 2022
Wer ein Haus bauen oder umfassend sanieren will, muss sich an bestimmte Vorgaben halten. Diese liefert seit dem 1. November 2020 das Gebäudeenergiegesetz – kurz GEG. Ziel seiner Entwicklung war es, den Energieverbrauch in Gebäuden zu senken und den Einsatz erneuerbarer Energien zu erhöhen. Angesichts von Gaskrise und noch nicht erreichter Klimaneutralität wurde am 7. Juli 2022 die erste von zwei Novellierungen beschlossen. So gelten ab 1. Januar 2023 in einigen Bereichen verschärfte Anforderungen.
Ariane Müller
Dieser Artikel wurde von
Ariane Müller für www.Heizungsfinder.de verfasst.
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HeizungenNeue HeizungGebäudeenergiegesetz (GEG)

Inhalt

Einführung des GEG

Abgekürzt GEG, ist der Begriff „Gebäudeenergiegesetz“ selbst eine Kurzform, und zwar für das „Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden“. Entwickelt wurde es, um die Inhalte von Energieeinsparverordnung (EnEV), Energieeinsparungsgesetz (EnEG) und dem Erneuerbare Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zu einem einheitlichen Regelwerk zusammenzufassen. Dabei wurden die dortigen Vorschriften ohne große Veränderungen übernommen.

Neben einer Lichtung des Paragrafendschungels zielte die Einführung des GEG am 1. November 2020 auch auf die Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie EPBD und der EU-Energieeffizienzrichtlinie EED ab. So bedurfte es einer Festlegung von Standards, um u. a. dafür zu sorgen, dass – wie in Artikel 9 des EPBD vorgeschrieben – ab 2021 nur noch Niedrigstenergiegebäude (Endenergiebedarf von max. 45–60 kWh/m2) errichtet werden.

Was regelt das Gebäudeenergiegesetz?

Und auch für die Wärmewende in Deutschland ist das GEG von zentraler Bedeutung. Zielt es doch darauf ab, dass im Gebäudesektor weniger Energie verbraucht wird und dass diese verstärkt aus erneuerbaren Quellen stammt. Dafür liefert das Gebäudeenergiegesetz Vorgaben zur energetischen Qualität von beheizten oder klimatisierten Wohn- bzw. Nichtwohngebäuden, deren Nutzfläche größer als 50 m2 ist. Jene sind bei deren Errichtung oder Sanierung zu berücksichtigen und umfassen neben Anforderungen an die Heiz- und Klimatechnik auch Mindeststandards für die Wärmedämmung und den Hitzeschutz.

Wie schon in der EnEV kommt dabei das Konzept des Referenzgebäudes zum Einsatz. Dabei wird anhand eines virtuellen Hilfsgebäudes mit gleicher Geometrie, Nutzfläche und Ausrichtung errechnet, wie hoch bei der realen Immobilie der Primärenergiebedarf und die Transmissionswärmeverluste maximal ausfallen dürfen. Die jeweiligen Anforderungen sind im GEG in Anlage 1 (Wohngebäude) bzw. Anlage 2 (Nichtwohngebäude) genauer definiert.

Die Vorgaben zum Transmissionswärmeverlust beziehen sich dabei auf die Gebäudehülle (Außenwände, Fenster, Türen, Dach) und deren Dämmstandard und Dichtheit. Je schlechter es um diese bestellt ist, desto mehr Heizwärme kann ungenutzt nach draußen entweichen.

Und je mehr Wärme verloren geht, desto mehr Energie muss eingesetzt, um das Haus warm zu halten. Werden dafür fossile Brennstoffe verwendet, wirkt sich das negativ auf die CO2-Bilanz aus. Damit diese sinkt, muss künftig also auch der Primärenergiebedarf gesenkt werden.

Ermittlung des Primärenergiebedarfs

Die in einem Gebäude für Heizung, Kühlung, Lüftung und Warmwasserbereitung benötigte Menge an Energie wird mit dem Primärenergiefaktor des jeweiligen Energieträgers multipliziert. Dieser richtet sich nach der Menge an nicht-regenerativer Energie, die bei dessen Gewinnung, Umwandlung und Verteilung eingesetzt werden muss und den bei diesen Prozessen anfallenden Verlusten.

Energieträger

Primärenergiefaktor

Solarenergie

0

Holz (Pellets, Hackschnitzel)

0,2

Erdgas, Flüssiggas

1,1

Heizöl

1,1

Steinkohle, Braunkohle

1,1 bzw. 1,2

Nah- u. Fernwärme aus Heizwerken

0,1 bzw. 1,3

Nah- u. Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung

0 bzw. 1,7

Strom

1,8

Vorschriften des Gebäudeenergiegesetzes für Neubauten

Die Errichtung eines Neubaus muss GEG-konform ablaufen.Wird ein Haus neu errichtet, muss dies unter Einhaltung der GEG-Vorschriften geschehen. | Foto: © 2211438 / Pixabay

Für Neubauten ist es daher laut GEG verpflichtend, erneuerbare Energien beim Heizen oder Kühlen zu verwenden – zumindest zu einem gewissen Anteil (§ 10). Dieser darf nur dann überschritten werden, wenn dafür die Anforderungen an den Wärmeschutz unterschritten werden (§§ 16 und 19). Wie hoch der Anteil bei den einzelnen Energieträgern mindestens auszufallen hat, wird in den §§ 34–45 näher definiert:

Heiztechnik

Geforderter Anteil erneuerbarer Energien

Solarthermie

15 %

Biogas

30 % bei KWK / Brennstoffzelle

50 % (Gas-Brennwertkessel)

Feste Biomasse (z. B. Pelletheizung)

50 %

Flüssige Biomasse

50 %

Wärmepumpe

50 %

Fernwärme

50 %

So darf der Primärenergiebedarf im derzeitigen GEG (Stand: 2022) maximal 75 % des Referenzgebäudes betragen. Dies entspricht dem Effizienzhausstandard EH/EG 75. Mit dem Einbau einer Pelletheizung oder Wärmepumpe als Haupt- oder Alleinheizung erfüllen Sie somit die Auflagen. Möchten Sie dennoch lieber einen fossil betriebenen Wärmeerzeuger wie eine Gasheizung verwenden, kann die Warmwasserbereitung mittels Solarthermie-Anlage aber zumindest zu einer Senkung des Primärenergiebedarfs beitragen.

Neubau-Förderung

Strikter als die Anforderungen im GEG sind die Voraussetzungen für eine Förderung im Rahmen der BEG. Um für Ihren Neubau einen bezuschussten Kredit von der KfW zu bekommen, darf dieser höchstens den Effizienzhausstandard 40 aufweisen – der Primärenergiebedarf also maximal 40 % des Referenzgebäudes betragen.

Höhere Anforderungen im GEG 2023

Da die aktuellen Vorgaben jedoch nicht zum Erreichen der für 2045 angesetzten Klimaziele ausreichen, sind bereits Verschärfungen geplant. Die erste Änderung des Gebäudeenergiegesetz wurde am 7. Juli 2022 beschlossen und tritt bereits am 1. Januar 2023 in Kraft. Mit dem GEG 2023 gilt für Neubauten dann EH/EG 55 als Standard. Während die Anforderungen an den Wärmeschutz unverändert bleiben, darf der Primärenergiebedarf dann nur noch maximal 55 % des Referenzgebäudes betragen.

Weitere Verschärfungen im GEG 2025

Eine zweite GEG-Novelle ist für 2025 angedacht. Diese bringt eine weitere Erhöhung des Standards mit sich – und zwar auf EH/EG 40. So muss dann auch jede neue Heizung zu 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Ab 2026 ist dann auch der Einbau neuer Ölheizungen untersagt, sofern keine Kombination mit einem regenerativen Wärmeerzeuger stattfindet (Hybridheizung) bzw. die Nutzung eines anderen Energieträgers nicht machbar ist.

Da durch die Anhebung der Anforderungen die Annahmen des mit dem GEG eingeführten vereinfachten Nachweisverfahrens (§ 31 und Anlage 5) ihre Gültigkeit verlieren, richtet sich dieses künftig nach den Referenzwerten der KfW-Förderung für das Effizienzhaus 55. Im Unterschied zu dieser sind im Rahmen des GEG dann allerdings keine Erdgas-basierten Heizungen mehr zugelassen. Und Biomasse-basierte Heizungen nur in Kombination mit einer Solarthermie-Anlage, welche dafür sorgt, dass sie im Sommer ausgeschaltet bleiben können, wodurch der Biomasseverbrauch begrenzt wird.

Ebenfalls eine Überarbeitung gibt es beim Verfahren zur Anrechnung von EE-Strom (§ 23). Da dieses in mehrgeschossigen Gebäuden teils zu widersprüchlichen Ergebnisse führt, findet eine Rückkehr zum EnEV-Verfahren statt, bei dem der monatliche Stromertrag vom Gebäudebedarf abgezogen wird. Durch Strom aus der eigenen Photovoltaik-Anlage reduziert sich also der Jahres-Primärenergiebedarf Ihres Hauses. Während selbst erzeugter Solarstrom bisher nur bei überwiegendem Eigenverbrauch angerechnet wird, lässt das GEG 2023 dessen Erträge auch bei Volleinspeisung in die Berechnung des Primärenergiebedarfs einfließen.

Des Weiteren sorgt die GEG-Novelle dafür, dass bei Wärmenetzen, die von Großwärmepumpen (ab 500 kW) gespeist werden, der Primärenergiefaktor des netzbezogenen Stroms von 1,8 auf 1,2 gesenkt wird. Dadurch sollen diese nicht länger gegenüber Fernwärme aus KWK-Anlagen oder fossil betriebenen Wärmeerzeugern benachteiligt werden (§ 22).

Vorschriften des Gebäudeenergiegesetzes für Altbauten

Während sich die meisten Anforderungen auf Neubauten beziehen, enthält das Gebäudeenergiegesetz auch einige für Bestandsgebäude. Diese finden u. a. dann Anwendung, wenn ein solches verkauft oder vererbt wird. So haben Sie als Neubesitzer eines vor dem 1. Februar 2002 errichteten Altbaus innerhalb von zwei Jahren nach dessen Übernahme gewisse Sanierungsmaßnahmen durchzuführen:

Austausch alter Heizkessel

§ 72 des GEG beinhaltet eine Austauschpflicht für Konstanttemperaturkessel mit einer Nennleistung zwischen 4 und 400 kW, wenn diese seit mindestens 30 Jahren in Betrieb sind. Da Verschleiß und veraltete Technik sie ineffizient haben werden lassen, sind sie durch moderne Wärmeerzeuger zu ersetzen. Auf diese Weise kann bis zu 30 % Energie eingespart werden.

Isolierung der Rohrleitungen

Damit die erzeugte Wärme nicht ungenutzt verloren geht, schreibt § 71 des GEG eine Dämmung der von warmem Heiz- oder Brauchwasser durchströmten Rohrleitungen in beheizten Räumen wie dem Keller vor. Die Dicke der Isolierung richtet sich dabei nach dem Innendurchmesser des jeweiligen Rohrs und der Wärmeleitfähigkeit des Dämmstoffs.

Dämmung von Dach oder oberster Geschossdecke

Da noch mehr Wärmeenergie über das Dach entweichen kann, ist laut § 47 des GEG eine Dachdämmung erforderlich. Im Falle eines unbeheizten Dachbodens reicht es auch aus, die oberste Geschossdecke zu dämmen. Ziel dabei ist es, dass fortan nur noch maximal 0,24 Watt je m2 und Kelvin auf diesem Weg nach draußen dringen. Entsprechende Maßnahmen haben Sie nur dann nicht durchzuführen, wenn es keinen Zugang zum Dachgeschoss gibt, eine Umsetzung technisch nicht möglich ist oder Sie Ihr Haus weniger als 4 Monate im Jahr auf über 19 °C erwärmen.

Einhalten von Mindeststandards bei umfassenden Sanierungen

Zusätzlich zu diesen Nachrüstpflichten finden sich im Gebäudeenergiegesetz auch Vorschriften für Bestandsgebäude, bei denen eine freiwillige Sanierung vorgenommen wird. Wenn Sie also mehr als 10 % eines Außenbauteils erneuern (z. B. die Fenster tauschen oder die Fassade neu verputzen), müssen Sie dafür sorgen, dass dieses anschließend gewisse energetische Mindeststandards einhält (§ 48). Welche das sind, verrät Ihnen das GEG in Anlage 7. Auf jeden Fall darf sich durch die Modernisierung die energetische Qualität des Gebäudes nicht verschlechtern (§ 46).

Höherer Mindeststandard bei Modernisierungen ab 2024

Ab 1. Januar 2024 müssen Außenbauteile, die im Rahmen eines Um- oder Ausbaus bzw. einer Gebäudeerweiterung neu hinzugefügt werden, dem Effizienzhausstandard 70 entsprechen.

Pflicht zum Energieausweis

Da gerade Altbauten oft sanierungsbedürftig sind, ohne dass man ihnen ihre Makel auf den ersten Blick ansieht, verpflichtet das Gebäudeenergiegesetz auch dazu, im Falle von Verkauf, Vermietung oder Verpachtung einer Immobilie für diese einen Energieausweis vorliegen zu haben (§ 80). Dadurch ermöglicht das GEG Interessenten eine Einschätzung, mit welchen Energiekosten sie rechnen können. Damit diese dazu auch in der Lage sind, muss bei Ein- und Zweifamilienhäusern zusätzlich noch informatives Gespräch mit einer nach § 88 ausstellungsberechtigten Person stattfinden. Welche Angaben ein Energieausweis unbedingt enthalten muss, ist in § 85 festgehalten. § 87 des GEG regelt derweil, welche Informationen in Immobilienanzeigen anzugeben sind.

Bei Verkauf oder Vermietung eines Hauses muss laut Gebäudeenergiegesetz ein Energieausweis vorgelegt werden.Gerade Interessenten von Altbauten profitieren von der GEG-Pflicht zur Vorlage eines Energieausweises, der ihnen verrät, wie es um deren energetische Qualität bestellt ist. | Bild: © Ingo Bartussek / Adobe Stock

Gebäudeenergiegesetz Zusammenfassung

Mit dem GEG wurde die Gesetzgebung im Bereich „Einsparen von Energie und Nutzung erneuerbarer Energien“ reformiert. So soll die energetische Qualität von Gebäuden gesteigert und dadurch der Verbrauch fossiler Brennstoffe gesenkt werden. Insbesondere beim Errichten von Neubauten sind hohe Mindeststandards einzuhalten. So ist eine dichte und gut gedämmte Gebäudehülle ist vorgeschrieben, um Transmissionswärmeverluste zu vermeiden. Noch strenger sind die Richtlinien in Bezug auf den Primärenergiebedarf. So muss zum Heizen, Kühlen und der Belüftung eine Mindestmenge an erneuerbaren Energien zum Einsatz kommen. Mit dem GEG 2023 und dem GEG 2025 werden sich diese Anforderungen noch weiter verschärfen.

Das Verringern des CO2-Ausstoßes sieht das Gebäudeenergiegesetz auch für Bestandsgebäude vor. So gilt es bei deren Übernahme alte Heizkessel auszutauschen sowie Heiz- und Warmwasserleitungen und das Dach bzw. die oberste Geschossdecke zu dämmen. Werden Außenbauteile wie die Fassade saniert, sollte dies ebenfalls zu einer energetischen Verbesserung führen. Des Weiteren verpflichtet das GEG zur Vorlage von Energieausweisen und schreibt vor, welche Angaben darin festzuhalten sind. Dies soll auch dazu führen, dass mehr Immobilien saniert werden, um deren Attraktivität für Käufer und Mieter zu steigern. So liegt gerade im Gebäudebestand ein hohes Energieeinsparpotenzial.

Bei Fragen zu GEG-konformer Heiztechnik kann Ihnen ein Heizungsfachbetrieb weiterhelfen.

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