Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) 2022

24. März 2022
Das neue Gebäudeenergiegesetz soll die bestehenden Gesetze "Energieeinspargesetz", "Energieeinsparverordnung" und das "Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz" zusammenfassen und vereinfachen. So sollen Bau- und Sanierungswillige besser planen können. Außerdem gibt es im Zuge des Klimapakets 2030 verschiedene Änderungen in den Anforderungen an die Gebäudetechnik und eine verbesserte Förderkulisse. Das GEG trat am 01. November 2020 in Kraft.
Dieser Artikel wurde von
Thorben Frahm für www.Heizungsfinder.de verfasst.
Jetzt Fachbetriebe für Ihr Projekt finden
  • Fachbetriebe vor Ort finden
  • Mit einer Anfrage bis zu 5 Angebote erhalten
  • Garantiert einfach, kostenlos und unverbindlich!
HeizungenNeue HeizungGebäudeenergiegesetz (GEG)

Das Wichtigste zum Gebäudeenergiegesetz 2022

Update zum Entlastungspaket am 24.03.2022

Am 24.03.2022 hat die Ampelkoalition im Zuge des "Maßnahmenpakets des Bundes zum Umgang mit den hohen Energiekosten" einige Änderungen für das Gebäudeenergiegesetz angekündigt:

  • Der Effizienzhausstandard 55 ist ab dem 01. Januar 2023 verpflichtend im Neubau.
  • Ab dem 01. Januar 2024 soll jede neu eingebaute Heizung mit mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden.
  • Es wird eine "Wärmepumpenoffensive" gestartet mit dem Ziel, möglichst viele Gaskessel auszutauschen und durch Wärmepumpen zu ersetzen. Dieser Austausch soll über das Bundesprogramm für effiziente Gebäude (BEG) gefördert werden.
  • Das BEG soll weiterentwickelt werden - die Fördersätze sollen sich dann an den Treibhausgasemissionen pro Quadratmeter Wohnfläche und den Lebenszykluskosten orientieren.
  • Es soll eine mit Fördermitteln begleitete Energiesparkampagne aufgelegt werden, in der niedriginvestive Maßnahmen zur Heizungsoptimierung (hydraulischer Abgleich, der Einbau intelligenter Thermostate) im Mittelpunkt stehen.

Inhalt:

Das Gebäudeenergiegesetz - vollständige Bezeichnung gewohnt griffig "Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden" - ist vom Bundeskabinett als Entwurf am 23.10.2019 beschlossen worden. Es fasst die bisherigen Gesetze "Energieeinspargesetz", "Energieeinsparverordnung (EnEV)" und das "Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG)" zusammen und erweitert sie.

Das Gebäudeenergiegesetz dient neben der Vereinheitlichung der verschiedenen Regelwerke auch der Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie. Nach dieser sollen öffentliche Nichtwohngebäude seit 2019 als "Niedrigstenergiegebäude" erreichtet werden. Alle anderen Gebäude traf diese Zielsetzung ab 2021.

Weiterhin ist das GEG ein integraler Bestandteil des "Klimaschutzprogramms 2030".

Was das energetische Anforderungsniveau betrifft, hat sich gegenüber den bisher gültigen Regeln nichts geändert. Einige Neuerungen gibt es trotzdem:

Neuregelungen im GEG zu Heizungen

Enthält das GEG ein Verbot für Ölheizungen oder Gasheizungen?

Nicht direkt. Ölheizungen sind nach dem Gebäudeenergiegesetz nicht direkt verboten. In §72, Absatz 4 heißt es, dass ab dem 01. Januar 2026 Ölheizungen bei einem Austausch des Kessels bzw. bei einem Neueinbau einer Ölheizung diese nur dann betrieben werden dürfen, wenn ein Mindestanteil der Wärmeenergie durch erneuerbare Energien gedeckt wird.

* Für Bestandsgebäude sieht das GEG eine Ausnahme vor, wenn Erdgas oder Fernwärme nicht zur Verfügung steht und anteilige EE-Nutzung technisch nicht möglich ist oder zu einer unbilligen Härte führt.

Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien

Neubauten müssen einen bestimmten Anteil ihres Kälte- und Wärmebedarfs durch erneuerbare Energien decken. Die geforderten Anteile unterscheiden sich je nachdem, welche Technik zum Einsatz kommt (siehe: GEG §34 bis 45).

Mindestanteile erneuerbarer Energien im Neubau

Heiztechnik Geforderter Anteil erneuerbarer Energien
Solarthermie 15 Prozent
Wärmepumpe 50 Prozent
Feste Biomasse (Pelletheizung, Holz) 50 Prozent
Flüssige Biomasse 50 Prozent
Biogas 50 Prozent (Gasheizung Brennwertkessel), 30 Prozent bei KWK / Brennstoffzelle
Photovoltaik / Solarstrom Kann angerechnet werden, wenn er mindestens 15 Prozent des Bedarfes deckt

Wie erfüllt man die Anteilspflicht mit erneuerbaren Energien? Alle Maßnahmen von Paragraph 34-41 GEG sind anrechenbar:

  • Solarthermie: 15 Prozent des Energiebedarfes sind durch die Solarthermieanlage gedeckt. Das Gebäudeenergiegesetz sieht dies als erfüllt an, wenn

1) bei Wohngebäuden mit höchstens zwei Wohnungen solarthermische Anlagen mit einer Fläche von mindestens 0,04 Quadratmetern Aperturfläche je Quadratmeter Nutzfläche installiert und betrieben werden und

2) bei Wohngebäuden mit mehr als zwei Wohnungen solarthermische Anlagen mit einer Fläche von mindestens 0,03 Quadratmetern Aperturfläche je Quadratmeter Nutzfläche installiert und betrieben werden.

  • erneuerbarer Strom: "Wird bei Wohngebäuden Strom aus solarer Strahlungsenergie genutzt, gilt die Anforderung (...) als erfüllt, wenn Anlagen zur Erzeugung von Strom aus solarer Strahlungsenergie mit einer Nennleistung von mindestens 0,02 Kilowatt je Quadratmeter Gebäudenutzfläche installiert und betrieben werden."
  • Umweltwärme / Geothermie: Decken Wärmepumpen zu mindestens 50 Prozent den Wärmebedarf, ist die Pflicht als erfüllt anzusehen.
  • Feste Biomasse (Pelletheizung, Holzheizung): Wie bei der Geothermie ist ein fünfzigprozentiger Anteil erforderlich.
  • Flüssige Biomasse, gasförmige Biomasse: 50% Anteil wie oben.

* Für den Neubau schreibt bereits heute das EEWärmeG (und das EWärmeG in Baden-Württemberg) und künftig das GEG die Nutzung erneuerbarer Energien zur anteiligen Deckung des Wärme- und Kältebedarfs vor.

* Die bereits bisher in der Energieeinsparverordnung enthaltene Austauschpflicht für Öl- und Gasheizkessel, die älter als 30 Jahre sind, wurde in das GEG integriert. Das Gebäudeenergiegesetz schafft neue Flexibilisierungsoptionen bei der Erfüllung der energetischen Neubaustandards.

< zurück zur Inhaltsübersicht >

Energetische Anforderungen und Energieausweise

  • Das Gebäudeenergiegesetz ändert vorerst nichts an den energetischen Anforderungen an Gebäude im Neubau und Bestand. Man behält sich aber vor, diese im Rahmen einer "Überprüfung" im Jahr 2023 bei Bedarf zu ändern.
  • Der neue Niedrigstenergie-Gebäudestandard wird in § 10 im Gebäudeenergiegesetz bestimmt. Das GEG geht dabei nicht über das Anforderungsniveau der schon bestehenden Vorschriften hinaus. Ein Neubau nach GEG soll damit einen Endenergiebedarf von 45–60 kWh/m² haben. Das aktuelle Niveau im deutschen Durchschnitt liegt derzeit (Stand November 2019) bei 167 kWh/m2.

Die Anforderungen an Wohngebäude bezüglich der u-Werte und anderer Daten der Referenzgebäude finden Sie in Anlage 1 des GEG.

Pflicht zur Energieberatung

Wie im Klimaschutzprogramm 2030 angekündigt, ist im GEG in Paragraph 48 eine obligatorische Energieberatung formuliert: "Nimmt der Eigentümer eines Wohngebäudes mit nicht mehr als zwei Wohnungen Änderungen im Sinne von Satz 1 und 2 an dem Gebäude vor und werden unter Anwendung des § 50 Absatz 1 und 2 für das gesamte Gebäude Berechnungen nach § 50 Absatz 3 durchgeführt, hat der Eigentümer vor Beauftragung der Planungsleistungen ein informatorisches Beratungsgespräch mit einem Energieberater der Verbraucherzentrale Bundesverband durchzuführen."

Auch bei einem Eigentümerwechsel greift diese Pflicht (§80): "Beim Abschluss eines Kaufvertrages über ein Wohngebäude mit nicht mehr als zwei Wohnungen hat der Verkäufer oder der Immobilienmakler dem Käufer ein informatorisches Beratungsgespräch zum Energieausweis durch einen Energieberater der Verbraucherzentrale Bundesverband anzubieten."

< Zurück zur Inhaltsübersicht >

Abwrackprämie für Ölheizungen & Förderung einer Heizungsmodernisierung

Nicht nur beim GEG, auch im Bereich der Heizungsförderung hat sich in den letzten Jahren viel getan: die alten Förderprogramme des BAFA und der KfW wurden zum neuen "Bundesprogramm für effiziente Gebäude" (BEG) zusammengeführt. Dort können Sie entweder eine Einzelmaßnahme per Kredit oder Zuschuss fördern lassen oder auch eine Vollsanierung einer Immobilie in Angriff nehmen, insofern das Ergebnis dann einem bestimmten Effizienzhausstandard entspricht. Die genauen Fördersätze finden Sie in unserem Artikel zur Förderung von Heizungen.

Als Teil des Klimaschutzprogramms 2030 wurde die Einführung einer Austauschprämie beschlossen. Wer seine alte Ölheizung durch ein klimafreundlicheres Gerät ersetzen lässt, erhält hierfür eine Bonusförderung von 10 Prozent auf die BEG Fördersumme. Die Austauschprämie wird in den investiven Förderprogrammen des BMWi verankert. Unabhängig davon ist der Austausch einer Ölheizung künftig auch steuerlich absetzbar, zu dem für die steuerliche Förderung geltenden Satz von 20 Prozent.

< Zurück zur Inhaltsübersicht >

Foto: Bild von 2211438 auf Pixabay


Weiterlesen zum Thema "Heizung kaufen"