Was ist die Heizkurve?

Die Heizkurve ist ein wichtiges Puzzleteil, wenn man das Potential seiner Heizung voll ausschöpfen möchte. Kurz gefasst bestimmt die Heizkurve, welche Vorlauftemperatur zu fahren ist, damit die nötige Menge Energie zu den Heizkörpern gelangt, um ein Gebäude auf die Solltemperatur zu bringen.
Dieser Artikel wurde von
Thorben Frahm für www.Heizungsfinder.de verfasst.
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HeizungenHeizung erneuernHeizkurve einstellen

Heizkurve verstehen und richtig einstellen

Alte Standardheizkessel liefen meist unbeeindruckt von den herrschenden Witterungsverhältnissen nach festen Einstellungen durch. Ein Gebäude braucht bei +10 Grad aber natürlich eine andere Energiezufuhr (was Menge und Geschwindigkeit angeht) um auf angenehme Temperaturen zu kommen, als wenn draußen klirrende Minusgrade vorherrschen. Die Heizkurve ist eine der Parameter, um diesem Problem Herr zu werden und Heizkosten zu sparen. Sie regelt, ab wann bei welcher Außentemperatur welche Vorlauftemperatur bereitzustellen ist. Folgendes Bild illustriert die Heizkurve:

Auf der x-Achse sehen wir die Außentemperatur in Grad Celsius und auf der y-Achse die zu erreichende Vorlauftemperatur.

Wir sehen, dass die Vorlauf­temperatur bei +20 Grad bei Null liegt, es soll also keine Heiz­arbeit erfolgen - der Heiz­kessel bleibt aus (falls auch die Warm­wasser­bereitung durch den Kessel erfolgt, sieht das natürlich ein wenig anders aus).

Bei sinkenden Außen­temperaturen - also weiter nach rechts auf der x-Achse - steigt die per Heizkurve festgelegte Vorlauftemperatur.

Parameter Steilheit & Parallelverschiebung:

Wie man sieht, verläuft die Heizkurve nicht linear. Das hat unter anderem mit dem unterschiedlichen Verhalten von Heizkörpern und Heizflächen zu tun: bei verschiedenen Temperaturen geben Heizkörper auch unterschiedliche Mengen an Energie in den Aufstellraum ab. Fußbodenheizungen haben zum Beispiel eine flachere Heizkurve als ein Heizkörper, bei dem die Kurve meist steiler verläuft. Das bezeichnet man als Steilheit der Heizkurve. Der Wert bezeichnet, um wie viel Grad die Vorlauftemperatur bei einem Temperaturwechsel von einem Grad verändert wird. Bei einer Steilheit von 1 steigt auch die Vorlauftemperatur um 1 Grad.

Je nach energetischem Standard und den individuellen Bedürfnissen ist auch die Parallelverschiebung ( und ihr Niveau / ihre Höhe ) ein wichtiger Faktor in der Bestimmung der besten Heizkurve. Ist ein Haus eine Energieschleuder, so muss die Heizkurve beispielhaft bei 10 Grad Außentemperatur eine Vorlauftemperatur von 50 Grad sicherstellen. Wird das Haus einmal saniert und besser gedämmt, ist weniger Heizarbeit vonnöten. Nun können 35 oder 40 Grad vielleicht schon ausreichen. Die Heizkurve wird also auf der x-Achse bei gleicher Neigung in diesem Beispiel nach rechts verschoben (und bekommt wahrscheinlich zusätzlich eine flachere Steilheit verpasst).

Sollte man selbst die Heizkurve einstellen?

Wenn man ein wenig Zeit zur Hand hat und die Heizkurve nicht automatisch angepasst wird, sollte man sich von ein wenig Experimentieren nicht abhalten lassen. Viele Heizungen laufen auf Werkseinstellungen und sind in ihrem Heizverhalten nicht optimal auf das Gebäude abgestimmt, in dem sie aufgestellt worden sind. Eine Heizkurve besser einzustellen hat verschiedene Vorteile:

  • der Heizkessel muss weniger arbeiten - Brennstoffverbrauch und Verschleiß nehmen ab, Laufzeiten werden optimiert, der Nutzungsgrad steigt
  • Wärmeverluste im Heizkreislauf sind geringer

Wie Sie die Heizkurve einstellen

Am besten wartet man mit Veränderungen damit ab, bis die Außentemperaturen mindestens unter fünf Grad Plus gefallen sind. Das Ziel ist, die Heizkurve so niedrig und flach wie möglich zu halten und gleichzeitig die notwendigen Temperaturen zu erreichen.

Untersuchen Sie einen einzelnen Raum über längere Zeit (der kühlste Raum im Haus bietet sich an) und halten Sie dort alle Thermostatventile voll aufgedreht. Protokollieren Sie die Raumtemperaturen über ein paar Tage. Ändern Sie dann immer nur einen Parameter und wenn möglich um nicht mehr als zehn Prozent des Wertes bzw. in Schritten von einem Grad Celsius. Beobachten Sie die Veränderungen wieder über ein bis zwei Tage und verändern Sie bei Bedarf weiter - wenn möglich sollten weitere Änderungen der Heizkurve auch an Tagen mit vergleichbaren Temperaturen vorgenommen werden.

Die Steilheit sollten Sie übrigens bevorzugt nur an kalten Tagen verändern, denn wenn Sie diese an einem eher warmen Tag heraufsetzen, können Sie die Veränderungen nicht begutachten, da diese vor allem bei kälteren Temperaturen zum Tragen kommen. Bei der Parallelverschiebung können Sie freier arbeiten.

  • Ist es dauerhaft zu kalt, liegt das Problem wahrscheinlich in einer zu niedrigen Parallelverschiebung. Diese sollte dann schrittweise angehoben werden.
  • Ist es nur bei niedrigen Außentemperaturen zu kalt, sollte die Steilheit erhöht werden.
  • Ist es nur in den Übergangszeiten zu kalt, sollte man das Niveau anheben, muss dann aber eventuell die Steilheit etwas senken, damit die Heizung dann an den wirklich kalten Tagen kein Überangebot an Wärme bereitstellt.
  • Wenn Sie die Heizkurve einstellen geht es nicht nur um zu wenig Wärme - Sie wollen auch vermeiden, dass zu viel Wärme bereitgestellt wird. Deshalb ist es wichtig, dass Sie beim Testen die Thermostate voll aufdrehen, da sonst das Überangebot gar nicht in den Raum gelangt und messbar wird. Ansonsten gelten die obigen Regeln, nur entgegengesetzt.

Wenn dies nicht bereits schon einmal erfolgt ist, sollten Sie im Zusammenspiel mit einem Fachmann einmal einen hydraulischen Abgleich durchführen.

Fachbetriebe für Heiztechnik helfen Ihnen gerne bei hydraulischem Abgleich, Heizkurve einstellen oder der Heizungsmodernisierung.

Weiterlesen zum Thema "Heizrohre isolieren"

Erfahrungen & Fragen zum Thema Heizkurve

Optimale Einstellung gesucht: Heizkurve richtig einstellen

Ich möchte meine Heizkurve einstellen. Habe eine Viessmann Vitodens 200. Wann muss ich die Neigung oder Niveau ändern? Was ist die optimale Einstellung? Ich habe ein Problem mit der Wärme in der Küche, mal ist es zu warm und mal zu kalt.
Antwort von HeiMö GmbH & Co. KG

Eine optimale Einstellung bekommen Sie in der Regel nur empirisch hin.
Aber Ihre Schilderung sagt mir, das die Neigung der Heizkurve (Kennlinie der vom Reglerprogramm gefahrenen Heizwassertemperatur als Abhängigkeit von der Außentemperatur)nicht mit der Kennlinieneigung des Heizungsbedarf Ihres Hauses übereinstimmt. Da nur die Küche - als mal zu warm und mal zu kalt - betroffen ist, vermute ich Sie haben diese zu steil eingestellt. D.H. bei niedrigen Außentemperaturen wird es zu warm, bei hohen Außentemperaturen wird es nicht warm genug! Haben Sie den umgekehrte Effekt ist die Neigung zu gering!
Meine Empfehlung:
bei Fußbodenheizung die Steilheit (Neigung der Heizkurve) auf 0,8 stellen
bei Heizkörperheizung die Steilheit auf 1,2 stellen
bei Kombination beider Heizungsarten für den jeweiligen Kreis die Steilheit gemäß Heizungsart einstellen
die Nachtabsenkung nicht mehr als 3 Grad unter der gewünschten Raumtemperatur 22°C einstellen (empfohlene 16°C sind Unsinn, da der Raum sowieso nicht tiefer über Nacht auskühlt - es sei denn Sie haben ein Tipi)
Die gewünschte Raumtemperatur stellt sich in der Heizkurve als deren Parallelverschiebung zur Y-Achse (oder auch "Niveau")dar.
Jetzt müßten Sie ein paar Stunden abwarten, ob sich die gewünschte Temperatur im Gebäude bzw. Referenzraum (Küche oder Wohnzimmer)einstellt. ACHTUNG: Thermostat im Referenzraum voll aufdrehen! Da der Einstellwert am Heizgerät aufgrund verschiedener Anlagenparameter nicht mit der sich dann ergebenden Raumtemperatur übereinstimmen muß, ist dieser nur ein Anhaltswert. D.H. Sie stellen am Heizungsregler 22°C ein, es wird im Raum aber nur 20°C warm (bei geöffnetem Thermostat)--> also Temperatureinstellung entsprechend höher wählen.
Wenn es irgendwann kälter oder wärmer draußen wird, und die gewünschten Innentemperaturen nicht konstant bleiben, müssen Sie nur noch die Steilheit (Neigung der Heizkurve) anpassen gemäß o.g. Algorythmus anpassen.

Mit freundlichen Grüßen
Dipl.-Ing. Lothar Möbius

Fußbodenheizung (Ölheizung) bleibt in einigen Räumen kalt

Wir haben eine FBH im ganzen Haus aus Ende der 70er Jahren verbaut. Eigentlich läuft immer alles völlig normal, seit einigen Tagen haben wir aber extrem niedrige Außentemperaturen (Nachts bis - 16° Grad, tagsüber max 0 Grad. und 2 Räume (Schlafzimmer/Wohnzimmer) werden nicht richtig warm. Diese Räume sind von der Fläche her am größten und am weitesten weg vom Fußbodenverteiler. Unsere Oelheizung läuft auf vollen Touren, soll heißen, Vorlauftemperatur steht mittlerweile bei 60-70° Grad, Rücklauftemperatur bei ca. 30° Grad. Auch die Umwälzpumpe läuft auf Maximum. Alle anderen Räume haben eine normale Zimmertemperatur von ca. 22° Grad. Liegt der Abfall der Temperaturen im Schlaf- u. Wohnzimmer an den extrem niedrigen Außentemperaturen? Schafft die Heizung/Pumpe es nicht, die Wärme schnell genug zu den Räumlichkeiten zu befördern? Kann ich als "Laie" irgend etwas verstellen? (Heizkurve)? Daten: SIEGER Oelheizung TG11 mit Elco Klöckner-Gebläsebrenner, Siegermatic S55D und COSMO 6-Fach Fußbodenverteiler mit Stellmotoren und Funksender in den Räumen.
Antwort von GESBB - Ingenieurbüro

Aus der Ferne schwer zu beurteilen.
Allerdings deutet die für FB Heizflächen ungewöhnlich hohe Spreizung auf ein Hydraulikproblem.
(VLT (65°C) – RLT (30°C) = 35 K! Üblich sind 5..7 K.
Zudem sind VLT > 50°C unzulässig.
Vielleicht mal die Anlage insgesamt Spülen.

Auslegung der Wärmepumpe fehlerhaft?

Wir haben festgestellt dass unser Heizsystem eventuell nicht korrekt ausgelegt wurde. Die Heizung wurde von einem Fachbetrieb ausgelegt und ausgeführt. Die JAZ bzw. Effizenz des Systems liegt ca. 15% unter der Angabe des Herstellers Vaillant und ist mit einer Gesamt JAZ (80% Heiz/20%WW) bei ca. JAZ4.2. Weiter Taktet die Wärmepumpe sehr oft. Trotz des Hydraulischen Abgleiches ist es z.B. im Badezimmer viel zu kalt (maximal 18.5°C). Hier wurde die FBH im Standardabstand 15cm verlegt. Es wurden nun verschiedenste Fachfirmen konsultiert. Es weist alles darauf hin dass die Heizungsanlage selbst (WP) überdimensioniert, der Erdkollektor zu klein und die FBH in zu großem Abstand verlegt wurde. Alles in Allem scheint das Kind in den Brunnen gefallen zu sein. Daher möchten wir anfragen wie man die Situation retten kann. Wir suchen daher ein unverbindliches erstes Beratungsgespräch. Vielen Dank! Genaue Daten zum Heizsystem: Kollektor Material PE DN32 Kollektor Länge 500m Kollektor Kreise 5 Kollektor Verlegetiefe 150cm Kollektor Fläche 250m2 Kollektor, ausrichtung Südseite Sole-Medium bis -12°C Bodenaufbau 0-25cm Mutterboden 25-140cm sandiger Lehm/schwerer Boden 140-150cm Sand 150cm – 200cm sandiger Lehm/schwerer Boden Ab 200cm Sandstein Heizungssystem Hersteller Vaillant Heizungssystem Typ VWF 88/4 Heizungssystem Wärmepumpe 9kW Puffer, integriert 200Liter Heizart Heizen und Brauchwassererwärmung Heizung Fußbodenheizung (auf 180m2 – davon ca. 170m2 ständig geheizt) –Hydraulischer Abgleich ist gemacht worden. Nutzfläche, Haus ca. 300m2 Beheizte Fläche 180m2 Lüftungsanlage KWL Vorhanden Heizbedarf nach EnEV 34,4kWh/m2a Personen 4 WW-Soll 45°C Hysterese WW 2K Raum-Soll 19°C Heizkurve 0.1
Antwort von Werner Reuß

erst mal heizkurve anheben ..... im badezimmer könnte man einen elekt. handtuchheizkörper montieren.
heizsystem inkl. kollektoren scheint soweit eigentlich ok ..... wieso 7 kollektoren ?? meines wissens sind da 8 im paket enthalten.
falls sie die blauen kollektoren von vailant haben.... die mit muffenschweißgerät montiert werden könnte es sein das der querschnitt der zuleitungen so verenngt ist das fast kein durchfluß mehr zum kollektor vorhanden ist.


Der Kollektor wird durch Muffenschweißen mit dem Vorlauf/Rücklauf verbunden.
Die maximale Länge der Verbindungsleitungen zwischen Kollektoren und Verteiler/Sammler darf beim
VWZ KK 8 200 m und beim
VWZ KK 10 400 m nicht überschreiten.

Für folgende Anwendungen ungeeignet:

Hochheizen und Trockenheizen des Estrichs bzw. des Gebäudes (für Bautrocknungsprozesse muss ein alternativer Wärmeerzeuger eingesetzt werden)
Anwendung in trockenem und/oder sandigem Erdreich
Radiatorsysteme mit einer Vorlauftemperatur > 50 °C
Schwimmbadbeheizung
alle Hochtemperaturprozesse
für Kühlbetrieb der Wärmepumpen

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