Austauschpflicht: Heizungen mit Altersschwäche zu ersetzen

14. Dezember 2021
Sie mag für lange Zeit ein treuer Begleiter gewesen sein und an kalten Tagen für wohlige Wärme gesorgt haben. Dennoch heißt es nun in immer mehr Haushalten, Abschied zu nehmen. Nicht nur, weil steigende Brennstoffpreise und sinkende Effizienz eine teure Kombination darstellen. Sondern auch, weil sich mit der Technik von gestern nicht die Klimaschutzziele von morgen erreichen lassen. Um die Wärmewende voranzutreiben, legte die Bundesregierung eine Austauschpflicht für in die Jahre gekommene Heizungen fest. Gleichzeitig unterstützt sie deren Umrüstung mit umfangreichen Fördermitteln.
Dieser Artikel wurde von
Ariane Müller für www.Heizungsfinder.de verfasst.
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HeizungenHeizung erneuernAustauschpflicht

Austauschpflicht im Überblick

  • 30 Jahre nach Inbetriebnahme müssen Gas- und Ölheizungen durch klimaschonendere Wärmeerzeuger ersetzt werden.
  • Niedertemperatur- und Brennwertkessel sind nicht betroffen.
  • Heizungen, die nur geringfügig oder selten genutzt werden, dürfen ebenfalls bleiben.
  • Für langjährige Eigentümer gilt Bestandsschutz.

Inhalt

Hohes Alter, niedrige Effizienz

Mit zunehmendem Alter lässt die Leistungsfähigkeit nach. Das gilt auch für technische Geräte wie Heizungen. Nach rund 15 Jahren Nutzung macht sich bei ihnen der Verschleiß bemerkbar. Durch regelmäßige Wartung und das ein oder andere Ersatzteil lässt sich deren Lebenszeit zwar noch etwas verlängern. Jedoch müssen Sie dann Abstriche bei der Effizienz hinnehmen. Experten raten deshalb, eine Heizung spätestens nach 20 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken.

Umfragen aber haben gezeigt, dass knapp 40 % der in Deutschland installierten Heizungen älter als 20 Jahre sind. Ein Viertel verrichten ihren Dienst sogar seit über 25 Jahren. Die meisten von ihnen werden mit Gas oder Öl betrieben. Bei den fossilen Energieträgern herrscht jedoch nicht nur Ressourcenknappheit, ihre Verbrennung setzt auch viel klimaschädliches CO2 frei. Und je älter eine Heizanlage, desto mehr Brennstoff benötigt sie. Um dem entgegenzuwirken, führte die Bundesregierung vor einigen Jahren eine Austauschpflicht für besonders ineffiziente Öl- und Gasheizungen ein.

Alte Gas- und Ölheizungen verbrauchen viel Brennstoff und belasten dadurch die Umwelt. Die Austauschpflicht soll ihre Nutzungsdauer begrenzen. | Foto: © Grzegorz Polak / Adobe Stock

Welche Heizungen von der Austauschpflicht betroffen sind

So waren bereits in der Energieeinsparverordnung (EnEV) von 2002 "Heizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen beschickt werden und vor dem 1. Oktober 1978 eingebaut oder aufgestellt worden sind", außer Betrieb zu nehmen. Ab 2014 hieß es dann in der EnEV § 10, dass nach dem 01. Januar 1985 eingebaute oder aufgestellte Heizkessel "nach Ablauf von 30 Jahren" nicht mehr betrieben werden dürfen. Als § 72 "Betriebsverbot Heizkessel, Ölheizungen" fand die Austauschpflicht dann Ende 2020 Eingang ins Gebäudeenergiegesetz (GEG).

Neben einer Betriebsdauer von 30 Jahren und der Einfüllung eines flüssigen oder gasförmigen Brennstoffs (sprich Heizöl, Flüssiggas oder Erdgas) wird darin auch eine Nennleistung von 4 bis 400 Kilowatt als Kriterium angegeben. Keine Anwendung findet diese Regelung bei Niedertemperatur-Heizkesseln und Brennwertkesseln. Somit bezieht sich die Austauschpflicht allein auf Konstanttemperaturkessel.

Bestimmung von Kesseltyp und -alter

Wenn Sie sich bezüglich Alter und Art Ihrer Öl- oder Gasheizung unsicher sind, können Sie diese Informationen durch einen Blick auf das am Kessel angebrachte Typenschild in Erfahrung bringen. Sollte es nicht mehr lesbar oder vorhanden sein, geben auch das Schornsteinfegerprotokoll, die Rechnung, Bauunterlagen oder Datenblätter darüber Aufschluss. Liegt Ihnen keines dieser Dokumente vor, haben Sie noch die Möglichkeit, bei einer Wartung einen Installateur dazu zu befragen.

Art und Alter Ihres Heizkessels erfahren Sie durch dessen Typenschild. Ein Konstanttemperaturkessel mit Herstelljahr 1992 fällt 2022 unter die Austauschpflicht. | Foto: © Ariane Müller / Heizungsfinder

Ausnahmen von der Regel

Stellt sich nun heraus, dass Sie einen 30 Jahre alten Konstanttemperaturkessel besitzen, muss das nicht zwangsläufig bedeuten, dass Sie auch zu dessen Austausch verpflichtet sind. Gehörte Ihnen nämlich das durch diesen beheizte Haus bereits am 01.02.2002, gilt für Sie Bestandsschutz. Voraussetzung dafür ist, dass Sie es selbst bewohnen und sich darin maximal zwei Wohnungen befinden.

Sind Sie erst nach diesem Stichtag durch Kauf oder Erbschaft dessen Eigentümer geworden, bleibt Ihnen vom Zeitpunkt der Übernahme an eine Frist von zwei Jahren, um die Umrüstung durchzuführen (§ 73 GEG). Es sei denn, Sie weisen nach, dass der Heizungstausch wirtschaftlich nicht vertretbar wäre. Dies kann der Fall sein, wenn Sie in absehbarer Zeit einen Abriss des Gebäudes planen oder es sich um ein Ferienhaus handelt, das während der Heizperiode kaum in Gebrauch ist.

Auch die Art der Nutzung kann einen alten Gas- oder Ölkessel von der Austauschpflicht befreien. Dient dieser nicht der Beheizung der gesamten Wohnung, sondern nur eines Einzelraums, darf er bleiben. Gleiches gilt für Heizkessel, die lediglich die Warmwasserbereitung übernehmen, sowie für Küchenherde.

Sollte Ihr Heizkessel zu den rund 2 Millionen gehören, auf die die Austauschpflicht zutrifft, müssen Sie dieser so bald wie möglich nachkommen. Denn die gesetzliche Vorgabe zu ignorieren, kann Ihnen ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro einbringen. Dafür bekommen Sie aber auch über die KfW oder das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eine Förderung für die Umrüstung. Je mehr die Umwelt durch Ihre neue Heizung entlastet wird, desto höher fällt diese aus.

Ölheizungen sollen klimafreundlicheren Alternativen weichen

So haben Sie zwar bis Ende 2025 weiterhin die Möglichkeit, sich erneut eine Ölheizung einbauen zu lassen. Da aber selbst die moderne Brennwerttechnik deren CO2- und Feinstaub-Emissionen nicht ausreichend reduziert, müssen Sie dabei auf staatliche Unterstützung verzichten. Einige Bundesländer wie Baden-Württemberg und Hamburg verlangen außerdem, dass Sie zusätzlich ein weiteres Heizsystem (z. B. eine Solarthermie-Anlage) installieren, das den Wärmebedarf zu mindestens 15 % durch erneuerbare Energien deckt. Ab 2026 gilt diese Regelung dann bundesweit (§ 72 Absatz 4 GEG).

Ein pauschales Verbot von Ölheizungen gibt es also nicht. Da diese jedoch den klimapolitischen Zielen im Weg stehen, soll eine Austauschprämie von 10 % die Investition in ein anderes Heizsystem attraktiver machen. Im Rahmen der Anfang 2021 eingeführten Bundesförderung für energieeffiziente Gebäude (BEG) wird jene auch dann gewährt, wenn Ihre alte Ölheizung von der Austauschpflicht betroffen ist. Ersetzen Sie diese nun durch eine moderne Gas-Hybridheizung, können Sie sich vom BAFA bzw. der KfW 40 % der Investitionskosten erstatten lassen. Wählen Sie stattdessen eine Wärmepumpe, beträgt der Fördersatz in diesem Fall 45 %. Mit einer besonders emissionsarmen Pelletheizung sind es sogar 50 %. Die Zuschüsse erstrecken sich dabei nicht auf nur die reinen Anschaffungskosten, sondern auch den Einbau und die Inbetriebnahme sowie weitere Maßnahmen (z. B. ein Heizkörpertausch).

Mit moderner Technik Umwelt und Geldbeutel entlasten

Angesichts der umfangreichen Förderung und der stetigen Verteuerung fossiler Brennstoffe durch CO2-Abgabe und steigende Weltmarktpreise lohnt es sich, auch dann über einen Heizungstausch nachzudenken, wenn Ihr Kessel nicht unter die Austauschpflicht fällt. So ist die in modernen Heizungen eingesetzte Brennwerttechnik weitaus effizienter als die bei alten Konstant- und Niedertemperaturkesseln verwendete Heizwerttechnik. Denn sie macht durch Abkühlen des bei der Verbrennung entstehenden Wasserdampfs dessen Energie ebenfalls nutzbar. Dadurch erhöht sich der auf den Heizwert bezogene Wirkungsgrad um bis zu 15 %. Sie müssen also weniger Brennstoff einkaufen.

Noch größer wird der Beitrag zum Klimaschutz natürlich, wenn Sie sich für einen Wärmeerzeuger auf Basis erneuerbarer Energien entscheiden. Bei einer Pelletheizung ist der CO2-Ausstoß rund 90 % geringer als bei einer alten Ölheizung. Mit einer Wärmepumpe liegt die Einsparung bei über 40 %. Wird diese mit Ökostrom, z. B. aus einer Photovoltaikanlage, betrieben, verbessert sich die Umweltbilanz noch weiter.

Da bei der Wahl eines neuen Heizsystems auch die Dämmung des Hauses und Ihr individueller Wärmebedarf von Bedeutung sind, sollten Sie sich von einem Fachbetrieb beraten lassen. Dieser kann Ihnen auch weiterhelfen, wenn Sie wissen möchten, ob Ihre derzeitige Heizung noch effizient genug arbeitet.

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