Ölheizung austauschen: Kosten, Fristen, Förderungen

30. Juni 2022
Sie möchten Ihre alte Ölheizung modernisieren oder müssen sie aufgrund der Austauschpflicht auswechseln? Während eine Modernisierung auf eine aktuelle Ölheizung durchaus noch einige Jahre erlaubt bleibt, winken bei einem Umzug auf alternative Heizungen derzeit attraktive Förderungen. Gerade im Blick auf die neu eingeführte CO2-Steuer gewinnen erneuerbare Heizsysteme wie Wärmepumpen an Boden.
Thorben Frahm
Dieser Artikel wurde von
Thorben Frahm für www.Heizungsfinder.de verfasst.
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HeizungenÖlheizungÖlheizung austauschen

Alte Ölheizung austauschen oder modernisieren?

Das Wichtigste in Kürze

  • Bis 2025 können Sie eine alte Ölheizung noch problemlos gegen ein neueres Modell austauschen. Ab dann greift das Ölheizungsverbot.
  • Die Ausnahme: Sie kombinieren die Ölheizung mit erneuerbaren Energien.
  • Wenn Sie die Ölheizung austauschen und auf ein anderes System umsteigen, können Sie attraktive Fördergelder in Anspruch nehmen.

Inhaltsangabe & Schnellnavigation:

Warum Sie eine alte Ölheizung austauschen sollten

Ölheizungen gehörten jahrzehntelang zu den am häufigsten verwendeten Heizsystemen in Deutschland. In Zeiten des Klimawandels stehen alte Ölheizungen stärker denn je in der Kritik: Ölheizungen mit alten Konstant- oder Niedertemperaturkesseln arbeiten ineffizient, erzeugen hohe CO2-Emissionen und treiben die Heizkosten enorm in die Höhe.

Die Politik hat darauf reagiert und mit verschiedenen Maßnahmen Konsequenzen gezogen:

  • Austauschpflicht: Ölheizungen und Gasheizungen, die länger als 30 Jahre in Betrieb sind, müssen ausgetauscht werden. Sind Sie Betreiber einer altersschwachen Ölheizung, so haben Sie folglich die gesetzliche Pflicht, diese gegen einen klimaschonenderen Wärmeerzeuger auszutauschen.
  • Ölheizungsverbot: Für Neubauten gilt diese Regel schon länger, aber ab Anfang 2026 ist der Einbau von Ölheizungen als Heizsystem verboten. Eine Ausnahme bilden Öl-Hybridheizungen, also Ölheizungen, die mit erneuerbaren Energien, beispielsweise Solarthermie oder einer Wärmepumpe, gekoppelt sind. Für Ölheizungen im Bestandsbau gelten Sonderregelungen – vorausgesetzt, die Austauschpflicht aufgrund der 30-jährigen Lebensdauer der Heizungsanlage greift nicht.
  • CO2-Aufschlag: Mit Öl oder Gas zu heizen, wird langfristig immer teurer. Dafür sorgen nicht nur der niedrige Wirkungsgrad und der hohe Ölverbrauch alter Ölheizungen, sondern auch die sogenannte CO2-Steuer, die die Brennstoffkosten in die Höhe treibt.

Ölheizung modernisieren: Heizöllieferung:vSchlauch führt durch den Garten und Heizöl wird in das Haus geliefertMaßnahmen wie die CO2-Steuer wollen die Heizöllieferung zu einer kostspieligen Angelegenheit machen, Foto: Tanja Esser I AdobeStock.com

Gut zu wissen: Der Austausch einer Ölheizung lohnt sich oftmals schon nach 15 bis 20 Jahren. Sie sparen dann deutlich Heizkosten, profitieren von den staatlichen Förderungen und leisten einen wertvollen Beitrag für die Umwelt.

Welche Vorteile verspricht der Austausch einer alten Ölheizung?

Ihre alte Ölheizung funktioniert noch, es ist wohlig warm bei Ihnen und es gibt keine gesetzliche Vorgabe, die Sie zu einem Austausch verpflichtet? Auch wenn Sie auf den ersten Blick keinen Handlungsbedarf sehen – es gibt einige Argumente, die für eine Modernisierung der Ölheizung oder einen kompletten Wechsel des Heizsystems sprechen. Diese Vorteile verschafft Ihnen der Austausch Ihrer alten Ölheizung:

  • Klimaschutz: Alte Ölheizungen forcieren den Treibhauseffekt durch hohe CO2-Emmissionen und verursachen deutlich mehr Feinstaub und andere Schadstoffe als alternative Heizsysteme.
  • Ersparnis von Heizkosten: Eine neue Heizungsanlage arbeitet effizienter und hat einen geringeren Verbrauch. Ein weiterer Vorteil: Wenn Sie zukünftig mit regenerativen Brennstoffen heizen, entfällt der CO2-Aufschlag.
  • Förderungen für Erneuerbare Energien: Staatliche Förderprogramme wie der BEG-Zuschuss sowie die Austauschprämie schaffen finanzielle Anreize, um auf erneuerbare Heizsysteme umzusteigen.
  • Mehr Komfort: Sowohl was das Heizverhalten als auch die Bedienbarkeit sowie die Heizungssteuerung betrifft, überzeugen moderne Heizungsanlagen mit deutlich mehr Komfort. Neuere Heizsysteme laufen auf Wunsch weitestgehend automatisiert oder lassen sich in ein innovatives Energiemanagementsystem bzw. Smart Home integrieren.
  • Weniger Reparaturen: Je älter eine Heizungsanlage ist, desto störanfälliger wird sie und desto mehr Reparaturen sind in der Regel notwendig.

Ölheizung komplett austauschen oder modernisieren – welche Möglichkeiten gibt es?

Das Ölheizungsverbot startet erst in 2026. Bis dahin können Sie Ihre alte Ölheizung in Bestandsbauten problemlos gegen eine neue und effizientere Ölbrennwertheizung austauschen. Das kann sich vor allem dann anbieten, wenn Sie weder ans Gasnetz noch ans Fernwärmenetz angeschlossen sind.

Eine weitere Möglichkeit, die etwas umweltschonender ist: Sie koppeln Ihre Ölheizung mit einem regenerativen Heizsystem. Besonders beliebt sind die Kombinationen aus

  • Ölheizung plus Wärmepumpe
  • Ölheizung plus Solarthermie

Ölheizung austauschen oder modernisieren? Solarkollektoren auf einem HausdachMit einer Solarthermieanlage lässt sich eine Ölheizung auch ab 2026 noch weiter betreiben, Foto: Kara I AdobeStock.com

Die Idee dahinter: In erster Linie nutzen Sie die Sonnen- oder Erdwärme. Reichen diese nicht aus, unterstützt die Ölheizung und deckt die Spitzenlasten zuverlässig ab.

Ölheizung austauschen - gibt es Alternativen?

Ihnen stehen je nach baulichen Voraussetzungen, finanziellem Spielraum und individuellen Anforderungen verschiedene Heiztechnologien zur Auswahl:

  • Austausch Ölheizung gegen Gasheizung: Lange galt die Gasheizung als naheliegende Alternative zur Ölheizung. Eine Gas-Brennwerttherme ist vergleichsweise günstig in der Anschaffung und nimmt wenig Platz in Spruch. Voraussetzung ist natürlich, dass Ihr Haus ans Gasnetz angeschlossen ist bzw. ohne großen Kostenaufwand angeschlossen werden kann. Empfehlenswert ist es, die Gasheizung direkt als Hybridheizung mit erneuerbaren Energien zu kombinieren – dann erhalten Sie auch einen höheren BEG-Zuschuss. Ist das nicht direkt möglich, muss die Gasheizung zumindest "renewable ready" sein, um als förderfähig eingestuft zu werden. Auch hier gilt, dass eine Heizung ohne erneuerbaren Anteil nicht mehr möglich ist.
  • Austausch Ölheizung gegen Wärmepumpe: Im Neubau oder gut gedämmten Altbau empfiehlt sich eine Wärmepumpe. Abhängig davon, ob es sich um eine Luftwärmepumpe, eine Erdwärmepumpe oder eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe handelt, wird die Umweltenergie der Außenluft, des Erdreichs oder des Grundwassers genutzt. Großer Pluspunkt von Wärmepumpen: Im Betrieb werden außer Schall keine Emissionen freigesetzt. Mehr zum Thema lesen Sie in den Artikeln "Wärmepumpe im Neubau" und "Wärmepumpe im Altbau".
  • Austausch Ölheizung gegen Pelletheizung: Im Grunde funktioniert eine Pelletheizung technisch ähnlich wie eine Ölheizung – mit dem vorteilhaften Unterschied, dass es sich bei Holzpellets um einen nachwachsenden Rohstoff mit fast neutraler CO2-Bilanz handelt. Ein weiterer Vorteil: Pellets sind deutlich günstiger als Öl. Das Pelletlager für die Holzpellets stellt gerade in kleinen Häusern manchmal ein Ausschlusskriterium dar – dieses Problem haben Sie als Betreiber einer Ölheizung aber vermutlich nicht, da Sie in der Regel Ihren Heizungskeller, in dem sich bis dato Ihr Öltank befand, nutzen können. Alternativ kann man einen alten Öltank auch zu einem Pelletlager umrüsten.
  • Ölheizung gegen BHKW austauschen: Sie können Ihre alte Ölheizung durch ein Blockheizkraftwerk oder eine Brennstoffzelle austauschen. Diese spezielle Form der stromerzeugenden Heizung liefert nicht nur thermische Energie, sondern auch Strom. Gerade in Mehrfamilienhäusern oder in Altbauten mit hohem Wärmebedarf kann das eine sinnvolle Alternative darstellen.

Preis-Check: Was kosten andere Heizsysteme?

Ölheizungen waren auch deshalb sehr weit verbreitet, weil sie in der Anschaffung vergleichsweise günstig sind. Die nachstehende Tabelle zeigt, mit welchen Kosten Sie bei den alternativen Heizsystemen rechnen müssen. Es handelt sich um Orientierungswerte, da die Kosten von Modell und Leistung, aber auch von den baulichen Gegebenheiten (z.B. Anschlussleitungen, Lagermöglichkeiten des Brennstoffs etc.) abhängen. Hinzu kommen noch die Installations- bzw. Montagekosten und die Wartungskosten während des Betriebs.

Tabelle 1: Ölheizung austauschen - Kosten:

Heizsystem

Anschaffungskosten

Brennstoffkosten

Öl-Brennwertkessel

8.000 bis 12.000 Euro

ca. 6,75 Cent/kWh

Gas-Brennwertheizung

5.000 bis 12.000 Euro

ca. 6,44 Cent/kWh

Wärmepumpe

12.000 bis 25.000 Euro

Stromkosten für den Betrieb

Pelletheizung (inkl. Pelletlager etc.)

14.000 bis 24.000 Euro

ca. 4,44 Cent/kWh

Blockheizkraftwerk

10.000 bis 25.000 Euro

abhängig vom Brennstoff

Solarthermie als Hybrid-Modell zur Ergänzung einer Öl-Heizung

5.000 bis 12.000 Euro

Stromverbrauch Umwälzpumpe

Gibt es staatliche Förderungen für einen Austausch der Ölheizung?

Ja. Staatliche Förderungen bieten einen Anreiz, beim Heizen auf Erneuerbare Energien zu setzen und sich von der alten Ölheizung zu trennen.

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) fördert ausschließlich Maßnahmen im Bereich Heiztechnik, die die Umwelt entlasten. Das bedeutet: Tauschen Sie Ihre alte Ölheizung gegen eine neue Ölheizung aus, profitieren Sie nicht von einem BEG-Zuschuss oder einer Austausch-Prämie. Koppeln Sie Ihre Ölheizung mit erneuerbaren Energien, also beispielsweise mit einer Solarthermieanlage oder einer Wärmepumpe, so können Sie eine Förderung beantragen – allerdings ausschließlich für die regenerative Energietechnologie.

Bei den folgenden Wärmeerzeugern können Sie hingegen von der BEG profitieren und so die Kosten wesentlich reduzieren.

Tabelle 2 - Förderung Austausch Ölheizung

Ölheizung austauschen zu:

Fördersatz (Zuschuss oder Darlehen)

Gas-Brennwertheizung "Renewable Ready"

20%

Gas-Hybridheizung

30% (plus 10% Austauschprämie Ölheizung)

Solarthermie

30%

Wärmepumpe

35% (plus 10% Austauschprämie Ölheizung)

Pelletheizung

35% (plus 10% Austauschprämie Ölheizung)

EE-Hybridheizung

35% (plus 10% Austauschprämie Ölheizung)

  • Je nach Heizsystem können Sie also eine Förderung von 20 bis 45 Prozent der Investitionskosten beantragen.

Ölheizung austauschen – welche Kosten entstehen bei der Öltankentsorgung?

Der Austausch einer Ölheizung bedeutet nicht nur Anschaffungskosten für die neue Heizungsanlage und die damit verbundenen Montage-, Installations- oder Erschließungskosten. Darüber hinaus müssen Sie die Entsorgung Ihres Öltanks bezahlen. Die Kosten hierfür hängen von diversen Faktoren ab:

  • Material des Tanks
  • Größe bzw. Fassungsvermögen des Tanks
  • Füllstand des Tanks
  • Unterbringung des Tanks (Heizungskeller oder unterirdisch verbauter Erdtank)

Da die Höhe der Kosten je nach Öltank variiert, ist es schwer, konkrete Preisbeispiele zu nennen. Zur Orientierung: Für die Reinigung, Demontage und Entsorgung eines 1.000-Liter-Tanks sollten Sie mit 300 Euro (Kunststofftank) bis 2.000 Euro (unterirdisch verbauter Erdtank) rechnen.

Öltanksäuberung, Entsorgung & Co: Was muss bei einem Austausch beachtet werden?

Eines vorneweg: Einen Öltank sollten Sie auf keinen Fall selber entsorgen. Beauftragen Sie der Umwelt zuliebe lieber eine geprüfte Fachfirma, die die Öltankentsorgung professionell, sicher und alle Vorgaben einhaltend durchführt.

So wird Ihr Öltank Schritt für Schritt entsorgt:

  • Die Rohrleistungen zwischen Kessel und Tank werden getrennt.
  • Die Rohrleitungen werden gereinigt und abgebaut.
  • Nach der Messung des Ölstands wird das Altöl nebst abgesetztem Ölschlamm abgepumpt.
  • Der Tank wird gründlich gereinigt.
  • Der Öltank wird demontiert – je nach Größe im Ganzen oder in Einzelteilen.
  • Der Tank wird abtransportiert und an einen zugelassenen Entsorgungsbetrieb geliefert.
  • Der Entsorgungsbetrieb stellt eine Entsorgungsbescheinigung aus, die der Stadtverwaltung, genauer gesagt: der Unteren Wasserbehörde, vorgelegt werden muss.

Tipp: Lassen Sie die Öltankdemontage am besten am Ende der Heizperiode durchführen, wenn der Öltank nahezu leer ist.

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