Wie riecht Gas? Gasgeruch erkennen & Verhaltensregeln

28. Dezember 2022
Mit Gasgeruch ist nicht zu spaßen! Auch wenn Gasaustritte und Gaslecks in Deutschland zum größten Teil glimpflich verlaufen ohne Personen- und Sachschäden, ist doch allerhöchste Vorsicht geboten. Sollten Sie Gasgeruch im Haus oder in der Wohnung vermuten, finden Sie hier schnelle Hilfe: Wie riecht Gas, wie gefährlich kann Gasgeruch werden und was können Sie am besten tun bei Gasgeruch? Außerdem erfahren Sie, warum Erdgas unterschiedlich riecht, wie Sie zusätzliche Sicherheit schaffen und wann sich Gasgeruch als Fehlalarm herausstellt.
Christian Märtel
Dieser Artikel wurde von
Christian Märtel für www.Heizungsfinder.de verfasst.
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HeizungenGasheizungWie riecht Gas?

Themenüberblick

Wie und wonach riecht Gas?

Gasgeruch ist unverwechselbar! Für den Verdachts- oder Gefahrenfall eines möglichen Gasaustritts finden Sie hier eine Checkliste, damit Sie zweifelsfrei zuordnen können: Wie riecht austretendes Gas aus der Heizung in Ihrer Wohnung bzw. im Haus?

  • Es gibt zwei charakteristische Gerüche für Heizgas (Erdgas, Flüssiggas und Propangas): Schwefel oder Chemie!
  • Erdgas / Flüssiggas / Propangas riecht entweder nach faulen Eiern, oder Erdgas / Flüssiggas / Propangas hat einen technisch-synthetischen, lösungsmittelartigen Geruch.
  • Faule Eier oder Lösungsmittel: In rund 85 % der Fälle riecht Gas in Deutschland nach faulen Eiern, was dem vertrauten und bekannten Gasgeruch der Bevölkerung entspricht. In rund 15 % der Fälle riecht Erdgas / Flüssiggas aber auch nach Lösungsmittel.
  • In jedem Fall riecht Gas sehr prägnant, sehr intensiv, unangenehm und stechend.
  • Gasgeruch hebt sich deutlich von Gerüchen den Alltags ab. Eine Verwechslung mit Alltagsgerüchen ist nahezu ausgeschlossen.
  • Aus diesem Grund riecht Gas auch eher nicht nach Chlor bzw. nicht wie Benzin!
  • Zusätzlich hat der Geruch von Gas eine hohe, subjektive Warnwirkung und ist deutlich als Warngeruch zu vernehmen.
  • Wie stark riecht Gas? Selbst leichten Gasgeruch und geringste Mengen werden Sie sofort bemerken.

Wie gefährlich ist Gasgeruch im Haus oder in der Wohnung?

Gasgeruch birgt insbesondere in geschlossenen Räumen einen hohes Gefahrenpotenzial, welches sehr plötzlich auftreten kann und nicht zu unterschätzen ist. Grund dafür ist Methan, der Hauptbestandteil von Erd- und Flüssiggas. Wird Gasgeruch im Haus, in der Wohnung, im Keller oder im Badezimmer nicht rechtzeitig bemerkt, dann sinkt der Sauerstoffanteil in der Atemluft über einen längeren Zeitraum kontinuierlich ab, und der Methanteil steigt. Je nach Zusammensetzung dieses Gas-Luft-Gemisches entsteht in Innenräumen potenzielle Explosionsgefahr (sollte sich das Gemisch entzünden) sowie Erstickungsgefahr!

Entwickelt man bei einem Gasleck bzw. einem Gasaustritt an der Heizung Symptome einer Erdgas Vergiftung? Jein, Erdgas ist für sich genommen ungiftig und das Einatmen per se ungefährlich. Das heißt, Sie werden zunächst keine körperlichen Symptome einer Erdgas Vergiftung bemerken. Das Problem ist jedoch der geringe Sauerstoffanteil in der Atemluft. Anzeichen von Sauerstoffmangel wie Übelkeit oder Schwindel können deshalb im Verdachtsfall einen wichtigen Hinweis auf einen möglichen Gasaustritt geben.

Wie selten der Worst-Case jedoch eintritt, und Gas in der Wohnung oder im Haus zu einem wirklichen Personen- oder Sachschaden führt, zeigen aktuelle Zahlen des DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.). Rund 8,1 Millionen Gas-Hausanschlüsse gibt es in Deutschland. Pro Jahr entstehen an allen Hausanschlüssen durchschnittlich 6 „sofortmeldepflichtige Ereignisse“. Unter einem sofortmeldepflichtigen Ereignis versteht der DVGW eine ungewollte Gasfreisetzung mit Personenschaden, Verpuffung, Explosion, Brand, Trümmerflug oder anderen, medienwirksamen Begebenheiten. Ferner entstehen in Bezug auf erdgasbeheizte Wohnungen laut DVGW pro Jahr zwischen 1 und 3 Unfälle auf 1 Million Wohnungen. Das zeigt, das die Gefahren im Zusammenhang mit einem Gasaustritts existieren, jedoch in der Summe sehr selten auftreten.

Hinweistafel auf eine Erdgasleitung und die möglichen GefahrenBildquelle: © blende11.photo - Adobe Stock

Gasgeruch draußen bzw. auf der Straße ist zunächst weniger gefährlich als in Innenräumen, aber auch nicht gänzlich ungefährlich. So passieren laut DVGW pro Jahr immer noch rund 4 sofortmeldepflichtige Ereignisse an den Gasleitungen der Verteilnetzbetreiber und Fernleitungsnetzbetreiber. Das heißt, im gesamten deutschen Gasnetz führen Gasfreisetzungen in lediglich rund 10 Fällen pro Jahr zu wirklichen Personen- oder Sachschäden.

Was tun bei Gasgeruch im Haus oder in der Wohnung? Verhaltensregeln

Ihr Haus oder Ihre Wohnung riecht nach Gas? Um den Gefahren eines Gasaustritts (Explosionsgefahr und Erstickungsgefahr) sicher zu begegnen, gibt es in Deutschland einheitliche Verhaltensregeln bei Gasgeruch.

Was macht man, wenn man Gas riecht?

  • 1. Ruhe bewahren! Trotz der Anspannung versuchen, keine Panik zu verbreiten sowie schnell und überlegt handeln.
  • 2. Zündquellen jeglicher Art vermeiden! Dazu zählen offenes Feuer (keine Feuerzeuge, Streichhölzer, Kerzen, Zigaretten etc. benutzen), Steckdosen (keine Stecker ziehen), elektrische Schalter (keine Lichtschalter, Geräteschalter, Türklingeln etc. betätigen) und Telefone (nicht im Gebäude telefonieren). Ein kurzer elektrischer Funke reicht, um ein explosives Gas-Luft-Gemisch zu entzünden.
  • 3. Lüften! Fenster und Türen öffen, für Durchzug sorgen, keine elektrischen Dunstabzugshauben oder Ventilatoren benutzen.
  • 4. Gaszufuhr unterbrechen! Sofern zugänglich, die Absperreinrichtung der Gasleitung schließen (großer gelber Hebel).
  • 5. Hausbewohner informieren! Nachbarn warnen durch Klopfen. Benutzung von Türklingeln unbedingt vermeiden.
  • 6. Gebäude verlassen und im Freien, bei sicherem Abstand zum Haus, den Gasgeruch melden!

Wen ruft man an, wenn es nach Gas riecht?

Prinzipiell haben Sie drei Möglichkeiten, Gasgeruch zu melden: bei der Feuerwehr, beim örtlichen Gasnetzbetreiber und / oder beim Notdienst Ihres Heizungsinstallateurs. Doch wen am besten anrufen bei Gasgeruch? Aus unserer Sicht sollte die Wahl auf denjenigen fallen, der am schnellsten vor Ort ist. Gasnetzbetreiber und Heizungsbauer haben in der Regel eine gesonderte 24 Stunden Störungs- oder Notrufnummer für Gasnotfälle mit entsprechendem Bereitschaftsdienst. Wählen Sie bei Gasgeruch den Notruf der Feuerwehr unter 112 machen Sie in jedem Fall nichts falsch und verhalten sich richtig.

Wer zahlt den Feuerwehreinsatz oder Notdiensteinsatz bei Gasgeruch?

Sollte sich der Feuerwehreinsatz als Fehlalarm herausstellen oder notwendig gewesen sein (vor allem mit der Rettung von Menschenleben), zahlt wie auch sonst die örtliche Gemeinde die Kosten des Einsatzes. Kosten können jedoch entstehen, wenn ein Gasleck durch Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit verursacht wurde. Rufen Sie den örtlichen Gasnetzbetreiber an, und stellt sich heraus, dass die Undichtigkeit nicht durch den Hausanschluss verursacht wurde, sondern durch die Gasheizung, kann Ihnen die Anfahrt und der Notdiensteinsatz durch den Gasnetzbetreiber in Rechnung gestellt werden.

Warum riecht Gas (Erdgas) verschieden? Gas-Geruchsstoffe im Überblick

Gas ist von Natur aus geruchlos und riecht zunächst nach nichts. Aus diesem Grund müssen Flüssig- und Erdgas mit einem Geruchsstoff versehen werden. Ansonsten kann man Gas / Erdgas nicht riechen. Dieser Vorgang wird in der Fachsprache „Odorierung“ genannt.

Die Odorierung von Erdgas

Der Geruch von Erd- und Flüssiggas wird also künstlich erzeugt, indem ein spezieller Geruchsstoff dem Gas hinzugefügt wird. Die Odorierung ist eine international vorgeschriebene Sicherheitsmaßnahme zum Schutz der Bevölkerung vor Gasunfällen. Zuständig hierfür sind in Deutschland die einzelnen Gasversorgungsunternehmen, die unsere Gasnetze betreiben. Etwas mehr als 700 solcher Verteilnetze gibt es in Deutschland. Interessant ist hierbei, dass Erdgas erst in den Verteilnetzen odoriert wird, die für die allgemeinen Versorgung zuständig sind. In Fernleitungsnetzen wird Erdgas ohne Geruchsstoffe transportiert.

Für die Odorierung von Erdgas in unseren Verteilnetzen ist eine Mindest-Odoriermittelkonzentration für jeden Geruchsstoff vorgeschrieben. Diese soll sicherstellen, dass jeder Bürger mit einem durchschnittlichen Riechvermögen und einer durchschnittlichen körperlichen Kondition den Geruch von Gas sicher wahrnehmen kann. Laut DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.) zeigen regelmäßige Praxismessungen, dass Gasversorgungsunternehmen Erdgas mit einer deutlich höheren Odoriermittelkonzentration versehen (150 – 250 %), als es die Mindestanforderungen vorgeben. Vermutlich als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme, damit Gas jederzeit im gesamten Verteilnetz einen intensiven Warngeruch hat.

Erdgas-Geruchsstoffe (Odoriermittel)

Um Erd- und Flüssiggas mit Geruch zu versehen, sind verschiedene „Odoriermittel“ in Deutschland zugelassen: schwefelhaltige, schwefelarme und schwefelfreie Geruchsstoffe. Damit ist auch direkt die Frage beantwortet „Was riecht in Gas?“: hauptsächlich Schwefel. Alternativ ahmen schwefelarme „Merkaptangemische“ den Geruch von Schwefel nach. Schwefelfreie Geruchsstoffe für Erdgas setzen hingegen auf Acrylatgemische und einen eher lösungsmittelartigen Geruch.

Odoriermittel

Gasgeruch

Zusammensetzung

Verwendungshäufigkeit

Tetrahydrothiophen (THT)

Faule Eier
(Knoblauch)

Schwefelhaltig

Ca. 69 %

Gasodor S-Free

Lösungsmittelartig
Chemisch
Technisch
Synthetisch

Acrylatgemisch
Schwefelfrei

Ca. 14,6 %

Scentinel E (TBM)

Faule Eier

Merkaptangemisch
Schwefelarm

Ca. 10,7 %

Spotleak 1005 (TBM / THT)

Faule Eier

TBM / THT Gemisch (Merkaptan-THT-Gemisch: 30 % TBM / 70 % THT)
Schwefelarm

Ca. 2,9 %

Spotleak 1009 (TBM)

Faule Eier

Merkaptangemisch
Schwefelarm

Ca. 1,7 %

Tetrahydrothiophen (THT) ist mit Abstand das am meisten verwendete Odoriermittel für Erdgas in Deutschland. Mit rund 69 % kommt es am häufigsten in unseren Gas-Verteilnetzen vor (Stand 2020, Datenbasis DVGW). THT sorgt für den klassischen, vertrauten Gasgeruch von faulen Eiern. Die Übersicht zeigt aber auch, dass der Erdgas-Geruchsstoff „Gasodor S-Free“ mit einer Verwendung von fast 15 % dafür sorgt, dass es keinen einheitlichen Gasgeruch in Deutschland gibt. Der Geruch von faulen Eiern bzw. Schwefel ist also nicht immer verlässlich!

Wie riecht Gas? Gasgeruch ist deutlich am stechenden, unangenehmen Warngeruch zu erkennen.Bildquelle: © Andrey Popov - Adobe Stock

Wenn Sie wissen wollen, wie Gas z. B. in Hamburg, Berlin, Hannover, Frankfurt, Stuttgart oder München konkret riecht, bestellen Sie am besten eine Riechprobe in Form einer Duft- oder Geruchskarte bei Ihrem örtlichen Gasnetzbetreiber, um sicherzugehen. So setzt z. B. Hamburg für seinen Gasgeruch aktuell auf Spotleak 1005, während in München Gasgeruch mit Sentinel E erzeugt wird. Auch wenn beide Geruchsstoffe als Merkaptangemische den Geruch von faulen Eiern bzw. Schwefel nachahmen, können doch Nuancen und Unterschiede bestehen.

Umweltbelastung

Der Grund, warum es mit Gasodor S-Free inzwischen einen zweiten, markanten Gasgeruch in Deutschland gibt (chemisch-technisch-synthetisch-lösungsmittelartig), ist die Umweltbelastung durch schwefelhaltige und schwefelarme Odoriermittel. Wird Erd- und Flüssiggas mit einem schwefelhaltigen oder schwefelarmen Duftstoff wie THT oder TBM versetzt, entsteht bei der Verbrennung Schwefeldioxid. Dieser gasförmige Stoff schadet der Umwelt und beeinträchtigt nachweislich Ökosysteme. Schwefelfreie Odoriermittel wie Gasodor S-Free sind umwelt- und klimafreundlicher und leisten einen wichtigen Beitrag, Schwefelemissionen durch Gasverbrennung nachhaltig zu reduzieren.

Deshalb kann es vorkommen, dass Gasversorgungsunternehmen ihr Odoriermittel umstellen, von THT auf einen schwefelarmen oder schwefelfreien Geruchsstoff. Sollte dies bei Ihnen der Fall sein, werden Sie auf verschiedenen Wegen über den neuen Geruchsstoff und einen evtl. neuen Gasgeruch informiert.

Weitere Möglichkeiten, Gasgeruch im Haus oder in der Wohnung zu erkennen

Wie eingangs bereits beschrieben, ist die Odorierung von Erd- und Flüssiggas so angelegt, dass man mit einem durchschnittlichen Riechvermögen und einer durchschnittlichen körperlichen Kondition Gasgeruch sicher wahrnehmen kann. Doch was ist, wenn der Geruchssinn stark beeinträchtig ist? Zum Beispiel durch eine akute Corona Infektion, oder die Langzeitfolgen einer Corona Erkrankung? Der vorübergehende Verlust des Geruchssinns ist ein charakteristisches Symptom von Corona. Wie und woran erkennt man Gasgeruch in solch einem Fall?

Befinden sich keine weiteren Personen mit intaktem Geruchssinn in der Nähe, haben Sie selbst keine andere Möglichkeit, Gasgeruch zu erkennen. Es hilft Ihnen nur Ihre Nase! Alle anderen Sinneswahrnehmungen durch Augen, Ohren, Geschmacks- und Tastsinn lassen Sie bei Gasgeruch im Stich.

Wie bemerkt man also Gas in der Wohnung noch? Durch einen Gasmelder! Solch ein Gerät schafft zusätzliche Sicherheit und hilft, Gasaustritt durch ein Gasleck an Rohren oder am Heizgerät sicher zu erkennen. Damit ein Gasmelder Gasaustritt messen kann, ist es wichtig, den richtigen Gasmelder zu kaufen und das Gerät an der richtigen Stelle zu montieren. Denn es gibt unterschiedliche Melder für Gasgeruch. Abhängig davon, ob Sie mit Erdgas oder Flüssiggas heizen.

Heizen Sie mit einem Gasanschluss, dann beziehen Sie Erdgas. Erdgas ist leichter als Luft und steigt auf. Ausgetretenes Gas sammelt sich also an der Raumdecke. In diesem Fall brauchen Sie einen Erdgasmelder für Methan, der in Deckennähe angebracht werden muss. Heizen Sie hingegen mit einem Gastank oder Flaschengas, dann beziehen Sie Flüssiggas. Flüssiggas, welches in Behältern geliefert wird, ist schwerer als Luft und sinkt ab. Ausgetretenes Gas sammelt sich also am Boden. In diesem Fall ist ein Flüssiggasmelder für Propan bzw. Butan der richtige und muss in Bodennähe angebracht werden.

Gasmelder, die ein Gasleck sicher feststellen, müssen Sie sich selbst besorgen! Die Geräte sind nicht verpflichtend in Deutschland, und werden nicht vom Vermieter gestellt wie z. B. Rauchmelder. Rauchmelder können Gasaustritt nicht erkennen, da die Geräte auf Kohlenmonoxid reagieren.

Gasaustritte an Hausanschlüssen: Häufigkeit, Ursachen und Ortung des Gaslecks

Abschließend wollen wir Ihnen hier noch einige Zahlen und Daten aus der Praxis liefern zu Gasaustritten an Hausanschlüssen. Hierbei beziehen wir uns auf zwei Publikationen des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW): die DVGW-Geruchsmeldestatistik sowie die Bestands- und Ereignisdatenerfassung Gas.

Gasaustritt an Hausanschlüssen: Wie oft passiert das in Deutschland?

In Deutschland liegen rund 8,1 Millionen Gas-Hausanschlüsse mit einer gesamten Leitungslänge von rund 135.000 Kilometern. Jeder Hausanschluss hat hierbei eine durchschnittliche Länge von rund 13 bis 21 Metern Gasleitung.

Laut DVGW kam es in den Jahren 2011 bis 2020 (Zeitraum von 10 Jahren) im gesamten Gasleitungsnetz für Hausanschlüsse zu rund 44 ungewollten Gasfreisetzungen alle 1.000 Kilometer Gasleitung. Der überwiegende Teil hiervon ohne Personen- und Sachschaden.

Was sind die Hauptursachen für Gasaustritte an Hausanschlüssen?

In einem Jahrzehnt passieren in Deutschland also rund 44 ungewollte Gasfreisetzungen alle 1.000 Kilometer Gas-Hausanschlussleitung. Die Ursachen verteilen sich wie folgt:

  • Mechanische Fremdeinwirkung: 14,1 Fälle
  • Korrosion: 9,3 Fälle
  • Materialfehler: 3,6 Fälle
  • Unsachgemäße Arbeiten: 1,4 Fälle
  • Bodenbewegung: 0,8 Fälle
  • Thermische Fremdeinwirkung: 0,2 Fälle
  • Sonstige Ursachen: 14,7 Fälle

Wo treten Gaslecks an Hausanschlüssen hauptsächlich auf?

Bei der Suche nach einem Gasleck ist entscheidend, ob die Undichtigkeit innerhalb oder außerhalb des Gebäudes auftritt. Denn ein Gasanschluss hat sowohl innenliegende Bauteile (Gasleitung, Hauptabsperreinrichtung, Gaszähler, Gasdruckregler, Gasheizung) als auch außerhalb des Gebäudes verlaufende Komponenten (unterirdische Hausanschlussleitung, außenliegender Gasanschluss).

Tritt Gas aus, sollte neben der Gasheizung auch der Gasanschluss kontrolliert werden.Bildquelle: © Strippenzieher - Adobe Stock

Wie eine Auswertung des DVGW für die Jahre 2008 – 2014 (Odoriermittel THT) zeigt, treten Gaslecks hauptsächlich im Inneren von Gebäuden auf! Der überwiegende Teil von Gaslecks entsteht an den Gasheizgeräten selbst (63 % bis 48 % der Fälle, mit abnehmender Tendenz über die Jahre). Rund ein Viertel aller Gaslecks findet sich zusätzlich an den innenliegenden Teilen des Hausanschlusses (24% bis 30 % der Fälle, mit leicht steigender Tendenz über die Jahre). Das heißt, in durchschnittlich 8 von 10 Fällen ist die Gasheizung oder der Gasanschluss im Inneren des Gebäudes undicht und Hauptursache für einen Gasaustritt.

In lediglich 2 von 10 Fällen findet sich das Gasleck außerhalb des Gebäudes. Entweder an den außenliegenden Teilen des Hausanschlusses (8 % bis 13 % der Fälle, mit leicht steigender Tendenz über die Jahre) oder an der Versorgungsleitung (6 % bis 9 %, mit leicht steigender Tendenz über die Jahre).

Gasaustritte mit Personen- oder Sachschaden: Was hat das Gasleck verursacht?

Der überwiegende Teil aller Gasaustritte in Deutschland verläuft glimpflich. Entstehen Personen- oder Sachschäden, wird bei der Ursachenermittlung sehr genau hingeschaut. Für einen Zeitraum von 20 Jahren (2000 – 2020) kommt die DVGW-Statistik zu eindeutigen Ergebnissen:

  • 34 % der Fälle: Technische Mängel an Bauteilen wie Gasleitungsanlage, Gasgerät oder Abgasanlage
  • 28,6 % der Fälle: Bedienungsfehler wie unterlassene Wartung oder unsachgemäße Eingriffe in die Gasanlage
  • 25,4 % der Fälle: Kundenverursachte Mängel wie vorsätzliche Eingriffe in die Gasanlage
  • 12 % der Fälle: Installationsbedingt Mängel und Installationsfehler

Über 50 % aller Gaslecks mit Personen- oder Sachschaden entstehen also, weil irgendjemand an der Gasheizung herumgewerkelt hat, was derjenige eigentlich nicht sollte. Deshalb: Hände weg von der Gasheizung! Lassen Sie Ihre Gasheizung regelmäßig, das heißt einmal im Jahr vor Beginn der Heizsaison, professionell warten, um Undichtigkeiten vorzubeugen. Die innenliegenden Teile des Hausanschlusses kontrolliert in wiederkehrenden Abständen Ihr örtlicher Gasnetzbetreiber.

Eine regelmäßige, professionelle Wartung der Gasheizung hilft, Gaslecks und Gasaustritt an der Heizung vorzubeugen.Bildquelle: © Tomasz Zajda - Adobe Stock

Die Heizung riecht vermeintlich nach Gas: Wann ein Fehlalarm vorliegt

Wie die Statistik sehr eindeutig zeitig, treten Gaslecks zuhause hauptsächlich an der Gasheizung oder den innenliegenden Teilen des Hausanschlusses auf – und das meist durch unsachgemäßen oder vorsätzlichen Eingriff.

Leichter, kurzzeitiger Gasgeruch an der Gasheizung oder Gastherme kann in vielen Fällen aber auch harmlos sein, und es liegt trotz dezentem Gasgeruch kein Gasleck und Gasaustritt an der Heizung vor. Zu beobachten ist dies vor allem, wenn Gasgeräte anspringen. In diesem kurzen Moment kann es vorkommen, dass kleine Mengen Gas nicht vollständig verbrannt werden, oder die Sogwirkung im Schornstein noch nicht sofort funktioniert. Dann ist vorübergehend ein leichter Gasgeruch bzw. der Geruch von Abgas zu vernehmen, ohne dass ein Defekt an Ihrer Heizung vorliegen muss.

Ihre Gasheizung oder Gastherme riecht jedoch nicht nur dezent und kurzzeitig nach Gas, sondern die Heizung stinkt sehr deutlich und länger anhaltend nach Gas? Dann befolgen Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit die Verhaltensregeln bei Gasgeruch.

Kann aus einer normalen Heizung Gas austreten?

Ja, aus Gas-Heizgeräten kann Gas austreten. Undichtigkeiten an Gasheizungen und Gasthermen sind statistisch die häufigste Ursache von Gasaustritten an Hausanschlüssen. Jedoch führen in einem Großteil der Fälle unsachgemäße oder vorsätzliche Eingriffe in die Heizung zu Undichtigkeiten.

Kann Gas aus Heizkörpern austreten?

Nein! In Heizkörpern befindet sich kein Gas, sondern Wasser. Undichtigkeiten können nur an den innenliegenden Teilen des Hausanschlusses sowie an Gas-Heizgeräten auftreten.

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