Wärmepumpenstrom: Wie sinnvoll ist der Wärmepumpentarif?

Wärmepumpen zählen zur regenerativen Energiegewinnung. Dennoch ist die Technik auf Strom angewiesen, um die gewonnene Wärme als Heizwärme zu nutzen. Dass durch Wärmepumpen zusätzlicher Strombedarf entsteht, wirkt auf Verbraucher dabei oftmals zunächst irritierend. Wir zeigen Ihnen, warum die grünen Heizungssysteme sich vor allem mit Wärmepumpenstrom rechnen. Erfahren Sie außerdem, was Wärmepumpenstrom ist, was einen Stromtarif für eine Wärmepumpe von Haushaltsstrom unterscheidet und wie die Nutzung eines Wärmepumpenstromtarifs die Kosten für Strom senken kann.
Gina  Doormann
Dieser Artikel wurde von
Gina Doormann für www.Heizungsfinder.de verfasst.
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HeizungenWärmepumpeWirtschaftlichkeitWärmepumpenstrom

Wärmepumpenstrom: Stromverbrauch für Erdwärme im Überblick

Inhalt

Was ist Wärmepumenstrom?

WärmepumpenstromUm den Stromverbrauch einer Wärmepumpe zu erfassen
werden Stromzähler mit zwei Zählwerken oder ein
separater Stromzähler verwendet.

Wärmepumpen sind eine gute Option, um umweltfreundlich und mit sehr geringem CO2-Ausstoß zu heizen. Hierfür nutzen Wärmepumpen Umweltwärme, also Wärme aus der Luft, dem Erdreich und dem Grundwasser. Effiziente Wärmepumpen nutzen diese Grüne Energie zu rund 75 Prozent. Die übrigen etwa 25 Prozent müssen über Strom zugeführt werden. Das ist allerdings auch bei fossilen Heizsystemen wie Ölheizung oder Gasheizung nicht anders: Deren Umwälzpumpen werden ebenfalls mit Strom angetrieben.

Um eine klimafreundliche Wärmepumpe zu betreiben, ist also der finanzielle Aufwand für Strom unumgänglich. Bei einem Preis für Haushaltsstrom von etwa 32 Cent pro Kilowattstunde (Stand Oktober 2021) ist dieser Kostenfaktor nicht ganz unerheblich. Denn im Durchschnitt benötigt eine Wärmepumpe hierzulande etwa 5.800 Kilowattstunden zugeführten Strom im Jahr. Je höher dabei die Jahresarbeitszahl (JAZ) ist, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe – und umso weniger zugeführter Strom für die Wärmepumpe ist notwendig.

Die Stromkosten einer Wärmepumpe berechnen Sie mit folgenden Formeln:

  • Jährlicher Heizbedarf in kWh/JAZ = Stromverbrauch p. a.
  • Stromverbrauch p. a.*Stromkosten in € pro kWh = jährliche Stromkosten in Euro

Viele Stromanbieter bieten allerdings einen kostengünstigeren Stromtarif speziell für den Betrieb von Wärmepumpen an. Dieser Wärmepumpenstrom kostet pro Kilowattstunde etwa sechs Cent weniger als Haushaltsstrom. Das ist ein großer Unterschied: Zahlen Sie für die 5.800 kWh, die Ihre Wärmepumpe im Jahr verbraucht, den Preis für Haushaltsstrom, so liegen Sie bei 1.856 EUR/Jahr (5.800 kWh*0,32 EUR). Beziehen Sie hingegen Wärmepumpenstrom, so zahlen Sie lediglich 1.508 EUR/Jahr (5.800 kWh*0,26 EUR).

Warum ist Wärmepumpenstrom günstiger als Haushaltsstrom?

Es gibt zwei Gründe, aus denen der Preis für Wärmepumpenstrom geringer ist als der für Haushaltsstrom. Zunächst setzen die Netzbetreiber für Wärmepumpenstrom niedrigere Netzentgelte an. Das bedeutet eine Ersparnis von etwa drei Cent pro Kilowattstunde.

digitaler StromzählerDigitaler Stromzähler | Bildquelle: © AdobeStock_Gerhard Seybert

Der zweite Faktor ist eine geringere Konzessionsabgabe für Wärmepumpen – also die Gebühr, welche die jeweilige Stadt, in der die Stromleitung liegt, erhält. Weil das Bundeskartellamt gefordert hat, dass die Konzessionsgebühr für Wärmepumpenstrom geringer als für Haushaltsstrom sein sollte, sparen Sie an dieser Stelle nochmals etwa zwei Cent pro Kilowattstunde. So kommen 5 Cent Ersparnis zusammen. Diese reduzierte Nettosumme ruft wiederum eine geringere Umsatzsteuer hervor. So kommt es, dass der Wärmepumpenstrom insgesamt und brutto etwa sechs Cent günstiger als Haushaltsstrom ist.

Was braucht man für die Nutzung von Wärmepumpenstrom?

Allein der Besitz und Betrieb einer Wärmepumpe berechtigt nicht zum Bezug von günstigem Wärmepumpenstrom. Als eine Voraussetzung gilt hingegen ein Zwei-Zähler-System, auch Zweitarifzähler genannt. So lassen sich der Verbrauch von Haushaltsstrom und der Verbrauch von günstigem Strom für die Wärmepumpe separat abrechnen.

Ein weiterer Grund für die getrennte Abrechnung sind Sperrzeiten, die durch den Stromversorger im Rahmen des günstigen Wärmepumpenstromtarifs verhängt werden. Diese Sperre nennt sich auch EVU-Sperre (EVU = Energieversorgungsunternehmen), dazu später mehr. Mithilfe des Zweitarifzählers und intelligenter Steuerungssoftware kann der Stromversorger direkt steuernd eingreifen und durch Trennung der Wärmepumpe vom Strombezug zur Netzregulierung beitragen. Der rund sechs Cent pro Kilowattstunde günstigere Wärmepumpenstrom lässt sich hier als eine Art Gegenleistung verstehen.

Weitere Kosten im Zusammenhang mit Wärmepumpentarifen

Um den vergünstigten Wärmepumpenstrom nutzen zu können, fallen ein paar einmalige Kosten an. Zum einen ist dies ein Rundsteuerempfänger, der vom Netzbetreiber eingebaut wird. Hierfür sollten Sie eine Summe von wenigen hundert Euro einkalkulieren. In diesem Zusammenhang erhebt der Netzbetreiber zudem eine jährliche Gebühr, die etwa 20 bis 50 Euro beträgt. Diese Summe müssen Sie allerdings nicht gesondert zahlen, sondern sie ist bereits im Strompreis enthalten.

Im Rahmen des Messstellenbetriebssystems kann es zudem zum verpflichtenden Einbau eines Smart Meters kommen. Ob dies der Fall ist, wird durch das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) geregelt. Ein Smart Meter besteht aus zwei Bestandteilen: dem digitalen Stromzähler und einer Kommunikationseinheit. Ein solches Smart Meter eignet sich zum Einsatz im Zusammenhang mit einem Smart Home. Der Nutzen eines Smart Meters für Verbraucher besteht darin, dass der heimische Stromverbrauch präzise messbar ist. Da ein Smart Meter zudem digital arbeitet, ist ein weiterer Vorteil, dass die Werte nicht mehr umständlich am Gerät abgelesen werden müssen.

Ein weiteres Element kann eine Steuerbox sein. Sie wird vom Messstellenbetreiber bereitgestellt. Mithilfe der Steuerbox kann ein Gerät, das Strom verbraucht, etwa eine Wärmepumpe, stets tarifabhängig in Betrieb genommen werden. So lässt sich auch ein idealerweise vorhandener Stromspeicher flexibel und optimal nutzen.

Welche Wärmepumpentarife gibt es?

Es gibt verschiedene Wärmepumpenstromtarife, die über regionale Angebote hinausgehen. Überregional angebotene Stromtarife für Wärmepumpen erweitern das Angebot an günstigen Wärmepumpentarifen erheblich. Da eine Wärmepumpe im Durchschnitt etwa 5.000 bis 7.000 kWh Strom im Jahr verbraucht, lohnt es sich, unter den möglichen Wärmepumpentarifen den günstigsten auszuwählen. Auch ein regelmäßiger Wechsel zwischen Tarifen für Wärmepumpenstrom kann sich lohnen. Nach einem Wechsel kümmert sich üblicherweise der neue Stromanbieter auch um die Kündigung des alten. Das Ganze ähnelt also einem Anbieterwechsel im Bereich des Haushaltsstroms.

Außen aufgestellte Luftwärmepumpe vor rot geklinkerter Hauswand und Garten.Luftwärmepumpe in Außenaufstellung. | Bildquelle: © AdobeStock_Studio D

Beachten Sie, dass regionale Stromversorger nicht mehr verpflichtet sind, Wärmepumpentarife anzubieten. Das bedeutet, Sie müssen sich selbst darum kümmern. Bis zum Jahr 2007 unterlagen die örtlichen Grundversorger der gesetzlichen Verpflichtung, ihren Kunden Angebote für spezielle Wärmepumpentarife zu machen. Seitdem dieses Gebot entfallen ist, haben Kunden mehr Auswahlmöglichkeiten.

Laut dem Preisvergleichsportal Check24.de sind die folgenden Anbieter von Wärmepumpenstrom die Top 10 im Jahr 2021

Laut Check24 haben bei diesen Anbietern die meisten Kunden einen Vertrag abgeschlossen:

1. Grünwelt Wärmestrom

2. Vattenfall Sales

3. Yello Strom

4. Stadtwerke München

5. Turbine Energie

6. enviaM

7. Gut & Grün

8. EnBW Energie

9. Lechwerke

10. Süwag

(Daten: Check24.de )

Für und Wider von Wärmepumpenstrom

Es gibt mehrere Argumente, die für oder gegen die Nutzung eines Wärmepumpenstromtarifs sprechen. Sollten Sie auf die Nutzung des Stromtarif Wärmepumpe verzichten und stattdessen Hausstrom nutzen, weil Ihre PV-Anlage Ihnen Sonnenstrom liefert? Wenn Sie Ihre Wärmepumpe mit ihrem selbst erzeugten, klimafreundlichen Strom aus Ihrer PV-Anlage betreiben möchten, macht es in der Tat Sinn, Kosten und Nutzen gegenüberzustellen.

Grundsätzlich ist der Wärmepumpenstromtarif günstiger als die Kombination aus einer Photovoltaikanlage und Haushaltsstrom. Was nicht vergessen werde sollte, sind jedoch die zusätzlichen Kostenpunkte, die bei einer Wärmepumpe in Kombination mit dem Wärmepumpentarif fällig werden: für einen gesonderten Zähler und ähnliches. Was ebenfalls für eine PV-Anlage mit einer Wärmepumpe spricht, die mithilfe von Sonnenstrom und bei Bedarf einfachem Haushaltsstrom betrieben wird, ist der zusätzliche Nutzen: Denn mit dem PV-Strom lassen sich noch viele weitere Haushaltsgeräte betreiben.

Ein Aspekt, der dem Modell mit der Nutzung eines Wärmepumpenstromtarifs negativ angelastet werden kann, ist die EVU-Sperre. Also das Prozedere der Energieversorgungsunternehmen, Wärmepumpen für eine bestimmte Zeitspanne vom Stromnetz zu trennen. Diese Maßnahme dient der Entlastung der Stromnetze. Einzelne Wärmepumpenbetreiber die von der Sperre betroffen sind, profitieren zwar einerseits von den Ersparnissen durch günstigen Wärmepumpenstrom. Andererseits müssen sie damit zurechtkommen, dass der Stromversorger die Wärmepumpe bis zu sechs Stunden täglich vom Netz nehmen kann. Über Zeitpunkt und Dauer der EVU-Sperre entscheidet dabei allen der Netzbetreiber. Der Grund: Die Sperrzeiten sind an den lokalen Lastprofilen ausgerichtet.

Pro & Contra Wärmepumpenstromtarif im Überblick

Pro

Contra

  • Sechs Cent pro Kilowattstunde ggü. Haushaltsstrom sparen
  • EVU-Sperre bis zu sechs Stunden täglich
  • Wechsel zu anderen Anbietern ist möglich
  • Rechnet sich nicht bei gleichzeitiger Nutzung einer PV-Anlage
  • CO2-Neutralität mit Öko-Wärmepumpentarif
  • Weitere Kosten, z. B. für Rundsteuerempfänger oder Steuerbox + jährliche Gebühren
  • Zwei-Zähler-System verpflichtend

Fazit mit Einschätzung

Damit die klimafreundliche Wärmepumpe für wohlig warme Räume sorgen kann, muss etwa ein Viertel der Energie von außen zugeführt werden. Je höher dabei die JAZ ist, desto weniger Strom von extern wird benötigt. Entscheiden Sie sich für einen speziellen Wärmepumpenstromtarif anstelle des Haushaltsstroms, so sparen Sie rund 20 Prozent je Kilowattstunde. Das sind etwa sechs Cent.

Um den Wärmepumpenstrom nutzen zu können, benötigen Sie jedoch eine bestimmte Ausstattung, etwa einen Zweitarifzähler. Das notwendige Zubehör ruft einmalig Zusatzkosten hervor. Zudem müssen Sie die EVU-Sperre in Kauf nehmen, mit der Ihr Energieversorger Ihre Wärmepumpe für bis zu sechs Stunden pro Tag vom Strombezug trennen kann.

Wechseln Sie erstmalig von Haushaltsstrom für Ihre Wärmepumpe zu einem Wärmepumpenstromtarif, so sind die Ersparnisse am deutlichsten spürbar. Doch auch später können Sie zwischen den Anbietern wechseln und so immer wieder Geld sparen.

Betreiben Sie zugleich eine Wärmepumpe und eine Photovoltaikanlage, so kann es sein, dass der Wärmepumpenstromtarif sich für Sie nicht rechnet. Lassen Sie sich in diesem Fall von einem Experten beraten.

FAQ

Ist Wärmepumpenstrom billiger?

Ja, durchschnittlich ist Wärmepumpenstrom etwa 20 Prozent günstiger als Haushaltsstrom.

Kann ich Wärmepumpenstrom wechseln?

Ja! Von Ihrem Grundversorger, der Sie mit Haushaltsstrom beliefert können Sie zu jeder Zeit mit einer zweiwöchigen Frist kündigen. Möchten Sie später zwischen zwei Anbietern für Wärmestrom wechseln, müssen Sie sich an die jeweils vertraglich festgelegten Kündigungsfristen halten.

Wie viel kostet ein Stromzähler?

Für einen Stromzähler verlangen Netzbetreiber etwa 20 bis 100 Euro.

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