SG Ready: Wofür das Wärmepumpenlabel steht

Smart Grids sind intelligente Stromnetze. Sie ermöglichen eine bessere Netzstabilität, eine höhere Energieeffizienz, eine verbesserte Integration von erneuerbaren Energien sowie eine bessere Überwachung der Stromqualität. In diesem Artikel erfahren Sie mehr darüber, was Smart Grid Ready bedeutet und ob das Label eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Energiemarktes spielt.
Georgina Motzke
Artikel von
Georgina Motzke für www.heizungsfinder.de

Veröffentlicht am 9 März 2023

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Inhaltsverzeichnis:

SG-Ready Wärmepumpenlabel

Wärmepumpen, die über das SG Ready-Label verfügen, sind kompatibel mit intelligenten Stromnetzen. | Foto © Andreas Prott, Adobe Stock

Begriffsklärung: Smart Grids & Smart Grid Ready (SG Ready)

Ein Smart Grid ist ein intelligentes Strommanagement. Es steuert und optimiert den Stromfluss sowie die Kommunikation zwischen Stromerzeugern, Verbrauchern und dem Stromnetz mithilfe von digitalen Schnittstellen.

Der Begriff “Smart Grid Ready” bedeutet, dass entsprechende elektrische Systeme oder Systemkomponenten in der Lage sind, nahtlos in das intelligente Stromnetz integriert zu werden. Das jeweilige System erfüllt dafür definierte Anforderungen, um sicherzustellen, dass es mit anderen SG-Komponenten kommunizieren kann. Dazu gehören etwa die Fähigkeiten zur bidirektionalen Kommunikation, zur automatischen Anpassung an die Netzlast oder zur Integration erneuerbarer Energieressourcen wie Solar- oder Windenergie.

SG-Ready Label

Foto © BWP Bundesverband Wärmepumpe e.V.

Durch das SG Ready Konzept und die smarte Interaktion der einzelnen Systemkomponenten wie Anschluss und Wechselrichter werden Effizienz und Zuverlässigkeit des Stromnetzes verbessert. Gleichzeitig wird die Integration erneuerbarer Energien und neuer Technologien wie Wärmepumpen oder Elektrofahrzeuge ermöglicht.

Sektorkopplung & die Nützlichkeit von Smart Grids

Die Sektorkopplung bezieht sich auf die Verknüpfung von verschiedenen Sektoren der Energieversorgung – insbesondere den Strom-, Verkehrs- und Wärmesektor. Das Ziel ist es, eine Verbesserung der Energieeffizienz zu erreichen sowie die Integration erneuerbarer Energien zu erleichtern. Dadurch werden CO₂-Emissionen reduziert. Dies kann ein wichtiger Bestandteil der Energiewende sein und maßgeblich dazu beitragen, dass erneuerbare Energien effizienter genutzt werden können. Die Verknüpfung verschiedener Energiebereiche gestaltet das Energiesystem flexibler und stabiler. Eine nachhaltige Energieversorgung ist das Ergebnis.

Durch Smart Grids ist es Verbrauchern möglich, Strom aus dem Netz zu beziehen sowie Strom aus erneuerbaren Energiequellen ins öffentliche Netz einzuspeisen. Intelligente Messsysteme und Mechanismen zur Steuerung überwachen und optimieren dabei den Stromfluss sowie den Energiebedarf in Echtzeit. Dies steigert die Effizienz des Stromnetzes und vermeidet Engpässe.

Zu den Vorteilen eines intelligenten Stromnetzes gehören:

  • eine höhere Energieeffizienz
  • eine verbesserte Integration von erneuerbaren Energien
  • eine höhere Netzstabilität 
  • eine bessere Überwachung der Stromqualität. 

Darüber hinaus entlasten Smart Grids das Stromnetz und helfen, Kosten zu senken. Eine bessere Nutzung von Speichersystemen wird ebenfalls ermöglicht.

Die Funktion von SG Ready-Geräten

SG-Geräte wie entsprechende Wärmepumpen sind so konzipiert, dass sie mit dem Stromnetz kommunizieren. Dabei reagieren sie flexibel auf die Anforderungen des Netzes. Mit eingebetteten Sensoren und Kommunikationssystemen ausgestattet, ermöglichen sie den Stromverbrauch sowie die Stromerzeugung in Echtzeit zu überwachen und zu steuern.

Vorteil: Wenn das Stromnetz eine hohe Nachfrage erfährt, können SG-Geräte ihre Leistung reduzieren oder zeitlich verschieben. Dadurch reduzieren sie die Last auf das Stromnetz. Weiterhin haben sie die Möglichkeit, bei einer niedrigen Nachfrage mehr Strom aufzunehmen, um das Netz zu stabilisieren.

Was ist eine EVU-Sperre?

Eine der Anforderungen für den Bezug von Wärmepumpenstrom ist es, dem Netzbetreiber Zugang zur Wärmepumpe zu gewähren. Die SG-Readiness und die SG-Einbindung sind dafür erforderlich. Sie ermöglichen den Fernzugriff. So kann der Betreiber bei Zeiten hohen Netzbezugs Wärmepumpen über eine kurze Dauer abschalten.

Wärmepumpen laufen nicht durchgängig, sondern nur für eine gewisse Zeit am Tag. In diesem Zeitraum laden sie den Wärmepumpenspeicher auf, sodass die Stromversorgung problemlos für ein paar Stunden am Tag unterbrochen werden kann. Diese Sperre nennt sich EVU-Sperre (EVU = Energieversorgungsunternehmen).

SG-Geräte sind somit Teil eines umfassenden Systems zur intelligenten Steuerung und Optimierung der Stromerzeugung und Stromnutzung. Diese kann dazu beitragen, die Energieeffizienz zu verbessern, Kosten sowie die Umweltbelastung zu reduzieren.

Wieso Wärmepumpen SG Ready sein sollten

Die SG-Readiness von Wärmepumpen ist Teil einer nachhaltigen Energieversorgung, der eine wichtige Rolle bei der Integration erneuerbarer Energien in das Stromnetz spielt. 

Eine SG-fähige Wärmepumpe reagiert flexibel auf Strompreis- und Netznachfrageschwankungen und trägt somit zur Stabilisierung des Stromnetzes bei. Bei einem Überangebot an Strom – etwa durch eine gekoppelte Photovoltaikanlage – kann die Wärmepumpe diese erneuerbare Energie vorrangig zur Wärmeerzeugung nutzen und dadurch die Netzbelastung senken. Bei Stromknappheit reduziert die Wärmepumpe dagegen den Energieverbrauch und trägt zu einer Stabilisierung des Netzes bei.

Eine solche Wärmepumpe kann darüber hinaus als Energiespeicher dienen. Dazu speichert sie die überschüssige Energie aus dem Stromnetz in Form von Wärme in einem Pufferspeicher. Die gespeicherte Energie können Sie später nutzen, um die Wärmeversorgung des Haushalts sicherzustellen – etwa wenn nicht genügend Strom aus dem Netz verfügbar ist.

SG Ready Pflicht in Deutschland

Eine gesetzlich festgelegte Label-Pflicht für Wärmepumpen in Deutschland ist derzeit nicht geplant. Es gibt jedoch bereits Anforderungen an die SG-Readiness von Wärmepumpen in Bezug auf Fördergelder.

So ist seit Januar 2023 die Förderung für Wärmepumpen lediglich mit einer Smart-Grid-Ready-Zertifizierung möglich. Eine entsprechende Schnittstelle sollte also vorhanden sein, wenn Sie Wärmepumpen-Fördergelder von derzeit 25 bis 40 Prozent der Anschaffungskosten erhalten möchten.

Nicht auszuschließen sind zukünftige Änderungen der Energiepolitik, die zu neuen Voraussetzungen an die SG-Readiness von Wärmepumpen führen könnten. Insgesamt ist die Bedeutung von Wärmepumpen, die mit intelligenten Stromnetzen kompatibel sind, für eine nachhaltige und zuverlässige Energieversorgung unabhängig von gesetzlichen Verpflichtungen hoch und wird auch in Zukunft voraussichtlich noch weiter zunehmen.

Regularium für das Ready-Label

Das Regularium des Wärmepumpenlabels ist ein Regelwerk, das die Voraussetzungen definiert, die ein Gerät erfüllen muss, um als SG Ready zertifiziert zu werden. Es wird von der European Smart Metering Industry Group (ESMIG) herausgegeben. Darin definiert: die Mindestanforderungen an die jeweiligen Geräte wie Wärmepumpen oder Stromspeicher.

Beispiel: Dazu zählen technische Voraussetzungen, die sicherstellen sollen, dass das Gerät in der Lage ist, mit dem Stromnetz zu kommunizieren. Dadurch können schließlich Stromverbrauch und -erzeugung in Echtzeit überwacht und gesteuert werden. Eine Anforderung ist, dass Wärmepumpen über einen Regler verfügen, der die Einstellung zwischen Betriebszustand 1 bis 4 ermöglicht.

Kompatibilität von PV-Anlage und SG Ready Wärmepumpe

Photovoltaikanlage und Wärmepumpe, die mit einem intelligenten Netzwerk kompatibel ist, können gut miteinander kombiniert werden. Dadurch schaffen Sie eine energieeffiziente und umweltfreundliche Heizlösung. Die PV-Anlage erzeugt tagsüber Strom aus Solarkraft, während SG Ready Wärmepumpen diesen "grünen Strom" nutzen, um zu heizen. Wenn Photovoltaik beispielsweise mehr Strom erzeugt, als die Wärmepumpe benötigt, kann dieser überschüssige Strom ins Netz eingespeist werden. Sie als Eigentümer erhalten dafür eine Einspeisevergütung.

Durch die Kombination von Photovoltaik und Wärmepumpe können Sie Ihren Strombedarf reduzieren und gleichzeitig Ihren Eigenverbrauch von erneuerbarem Strom erhöhen. Das trägt sowohl dazu bei, den CO₂-Ausstoß zu reduzieren als auch langfristig Einsparungen bei den Energiekosten zu erreichen.

Fazit: Das Ready-Label als Standard für die Zukunft

Zusammenfassend können Sie festhalten, dass das SG Ready-Label für Wärmepumpen eine durchaus wichtige Rolle bei der zukünftigen Entwicklung des Energiemarkts spielen kann. Denn eine entsprechende Wärmepumpe ist so konzipiert, dass sie mit dem Stromnetz kommunizieren und den Stromverbrauch optimieren kann. Dadurch sind eine Stabilisierung des öffentlichen Netzes sowie eine gleichzeitige Entlastung möglich. Eine effizientere Nutzung ist die Folge und Engpässe können vermieden werden. Gerade zu Zeiten, in denen die Nutzung erneuerbarer Energien immer wichtiger wird, eine sinnvolle Technologie. 

Das SG Ready-Label bietet Ihnen als Verbraucher einen Hinweis darauf, ob Ihr Gerät in der Lage ist, zukünftige Anforderungen des Stromnetzes zu erfüllen. Dies kann insbesondere für Förderprogramme und Netzdienstleistungen relevant sein. Auch wenn es derzeit noch keine gesetzliche Verpflichtung für diesen Standard gibt. Sie sollten daher bei der Wahl Ihrer Wärmepumpe sorgfältig prüfen, ob diese für Ihre Bedürfnisse geeignet ist. 

Beziehen Sie ein Fachunternehmen in Ihrer Nähe in den Entscheidungsprozess mit ein. Dieses hilft Ihnen bei der Wahl der geeigneten Wärmepumpe und findet gemeinsam mit Ihnen die bestmögliche Lösung.

Insgesamt ist das SG Ready-Label ein wichtiger Schritt hin zu einer effizienteren und nachhaltigeren Energieversorgung. Es ist anzunehmen, dass es zukünftig eine größere Rolle bei der Auswahl von Geräten spielen wird.

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